Altstadt

Elbstraße hat ihren Reiz verloren

Foto: Timo Jann

Lauenburg. Die Altstadt von Lauenburg gilt als Aushängeschild der Stadt. Wegen der schmalen Gassen mit den malerischen Fachwerkhäusern vergangener Jahrhunderte strömen die Touristen im Sommer nach Lauenburg. Tagesgäste mögen die Elbstraße offenbar - doch Anwohner ziehen immer öfter weg.

Zurzeit sind eine ganze Reihe von Wohnungen und Häusern in der Elbstraße zu mieten oder zu kaufen.

Erik Oeffinger etwa will im Fachwerkhaus an der Elbstraße 87 eine 80 Quadratmeter große Wohnung im ersten Obergeschoss neben dem Töpferladen vermieten. "Ein Sahnestückchen", sagt er. 550 Jahre alt ist das Haus, allerdings außen liebevoll saniert und innen modern ausgestattet. "Die Situation ist leider allgemein etwas schlecht", sagt Oeffinger. 390 Euro Kaltmiete verlangt er. Fünf Euro günstiger, aber auch zehn Quadratmeter kleiner ist eine Wohnung, die im Haus Nummer 72 frei ist.

"Sie möchten in diesem Haus wohnen? Elbblick inklusive?" Mit einem großen Plakat, das dieser Spruch ziert, wird an der Fachwerkfassade aus roten Ziegeln und grauem Holz für eine freie Wohnung im Haus an der Elbstraße 111 geworben. Obwohl das Haus am Hang steht, bietet es über den Rufer-Platz beste Sicht auf den Fluss.

"Große Sonnenterrasse" wirbt Barbara Klein aus Boizenburg für ein zum Verkauf stehendes Haus. Die Maklerin bietet es für 179 000 Euro an - Hanglage inklusive. Das Haus ist acht Meter breit, das Grundstück 32 Meter tief. 162 Quadratmeter Wohnfläche stehen in vier Zimmern zur Verfügung. "Die Nachfrage ist verhalten, allerdings gilt das gerade für alle Immobilien, das hat nichts mit diesem Objekt zu tun", sagt Birgit Krause aus dem Büro der Maklerin.

Stephan Herm sucht für seine 3-Zimmer-Wohnung gerade einen Nachmieter. "Es gibt schon Interessenten", sagt er. "Ich ziehe hier nur ungern weg, es ist gerade im Sommer ein bisschen wie Urlaub", erklärt er. Allerdings hat er sich nun ein eigenes Haus gekauft und verlässt Lauenburg.

Die Elbstraße, außerhalb der Touristensaison seit Jahren wegen der Erneuerung der Versorgungsleitungen und der Sanierung des Kopfsteinpflasters eine Dauerbaustelle, hat von ihrem Charme als Wohnadresse offenbar verloren. Neben der relativ geringen Chance, einen Stellplatz am Haus zu bekommen, gilt auch die Gefahr von Hochwasser als abschreckend. Der umstrittene Schrägaufzug, der vom Rufer-Platz auf den30 Meter höher gelegenen Schlossberg führen soll, könnte einen Impuls geben, die Elbstraße durch eine bessere Anbindung an die Oberstadt wieder interessanter zu gestalten.