Vortragsreihe

Erinnerungen an einen Neuanfang

Lauenburg (bd). Beuthener, Marienburger, Breslauer, Stettiner, Tilsiter, Danziger und Königsberger: Straßennamen im westlichen Stadtgebiet erinnern heute noch an die Zeit des Kriegsendes, als Vertriebene aus Ostpreußen, Schlesien und Pommern nach ihrer beschwerlichen Flucht in Lauenburg eine neue Heimat fanden.Zu ihnen gesellten sich Ausgebombte aus Hamburg.

Die Einwohnerzahl der Elbestadt schwoll kurz nach dem Krieg von vorher 6000 auf 16 000 im Sommer 1945 an. Viele der Neuankömmlinge fanden eine erste Unterkunft in den von Kriegsgefangenen verlassenen Baracken oder in den sogenannten "Nissen-Hütten". "Es war eine Notzeit, aber auch eine Zeit des Umbruchs, der letztlich das deutsche Wirtschaftswunder in den 50er-Jahren begründete", sagt Horst Eggert, Vorsitzender des Heimatbundes und Geschichtsvereins.

Die Folge des Einsiedler-Booms war, dass sich das Zentrum Lauenburgs nach und nach von der Altstadt in die Oberstadt verlagerte. Vor allem im Westen der Stadt entstanden Siedlergemeinschaften mit schlichten Einfamilienhäusern, zahlreiche Geschäftsleute gaben ihre angestammten Läden in der Elbstraße auf und wagten in der Oberstadt einen Neubeginn.

Der Heimatbund, der das 800-jährige Stadtjubiläum mit einer Vortragsreihe zur Ortsgeschichte bereichert, widmet auch diesem Kapitel einen Abend. Am Dienstag, 10. Februar, beginnt um 19.30 Uhr im Hotel Zum Halbmond eine Informations- und Diskussionsveranstaltung mit dem Titel "Mit dem Koffer aus Pommern - Flüchtlinge und Vertriebene in Lauenburg nach 1945" . Der Eintritt ist frei.

"Selbstverständlich sind uns auch Vertriebene aus Schlesien und Ostpreußen willkommen. Alle, die die Flucht und die Nachkriegszeit erlebt haben, können mit Zeitzeugen- und Erlebnisberichten zum Gelingen des Abends beitragen. Und toll wäre es, wenn jemand einen Koffer mitbringt, der an die Flucht erinnert", hofft Eggert auf ähnlich rege Teilnahme wie bei der Premiere der Vortragsreihe. Damals hatte Archivar Dr. William Boehart mit seinem Referat "Die Elbstraße - Das Herz der Stadt" mehr als 100 Zuhörer in den Halbmond gelockt. "Viele mussten den Vortrag von der Gaststube aus verfolgen, weil es im Saal keinen Platz mehr gab" , erzählt Eggert. Zugesagt haben bereits die Autorinnen der Lauenburger Schreibwerkstatt, die sich intensiv mit dem Thema befasst haben.

Fortgesetzt wird die Vortragsreihe dann am Dienstag, 7. April, um 19.30 Uhr mit einem Thema, das Anrainer an beiden Ufern der Elbe interessieren dürfte: Egon Ojowski berichtet dann im Halbmond über "Das Fischereirecht der Lauenburger und Hohnstorfer Fischer von 1597 bis 1893".