Betreuung

Mütter fordern Krippenplätze ein

Lauenburg. Der Dauerbrenner "Krippenplätze für Lauenburg" bleibt in der Schwebe. Lauenburg hat als letzte Stadt im Kreis keine ausreichende Betreuungsmöglichkeit für Kinder unter drei Jahren, obwohl sich alle Parteien die Möglichkeit der Kleinkinder-Betreuung auf die Fahne geschrieben haben.

Die desolate Haushaltslage und politische Ränkespiele verzögern bisher die Betreuung der Kinder.

Die Zeitverzögerung erklärte Bürgermeister Harald Heuer damit, dass noch immer die Stellungnahme einer Fraktion zu seiner geplanten Eilentscheidung fehle.

Diese war nötig geworden, weil die Stadtvertretung mit den Stimmen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP-Vertreter Sven Distel den Nachtragshaushalt für das Jahr 2008 in der Dezember-Sitzung nicht genehmigte. Dies rief damals Kopfschütteln beim Bürgermeister hervor, denn somit konnten keinerlei Ausgaben für die benötigten Betreuungsplätze getätigt werden. Trotzdem wollte Heuer nicht im Alleingang eine Eilentscheidung treffen. Stattdessen wollte er sich vorher bei allen Parteien absichern und formulierte im Dezember einen Brief an alle Fraktionen, in dem er das schriftliche Einverständnis einforderte. Die "Diskussionskultur und die unkalkulierbare Mehrheitsfindung" im Parlament würden das nach seiner Meinung erfordern (wir berichteten).

Hans-Peter Sierich (Grüne) teilte ihm daraufhin mit, das sei in Stil und Sachlage einem Bürgermeister nicht angemessen und zudem unzureichend, da das Schreiben keinerlei Angaben über die Finanzierung und die Auswirkungen auf den städtischen Haushalt enthalten würde. Die Grünen stünden immer zu ihrem Wort. "Wir haben seit Monaten immer wieder nach dem Fortgang des Baus der Krippenplätze gefragt und wurden stets seitens der Verwaltung vertröstet ", erklärte Sierich in einer Pressemitteilung und kritisierte weiter: "Der vorgelegte Nachtragshaushalt 2008 war aus unserer Sicht unzulässig. Wir haben schon im Vorwege keinen Zweifel daran gelassen, dem Nachtragshaushalt nicht zuzustimmen

Bürgermeister Heuer führte zwischenzeitlich bereits Gespräche mit besorgten Müttern, so auch mit Petra Rebner: "Der Bürgermeister hat mir gesagt, ich solle in die nächste Ausschuss-Sitzung kommen, weil die Grünen die Krippenplätze verhindern. Ich bin berufstätig und dringend angewiesen auf Betreuung für meinen Sohn", erklärte sie. Renate Thiedemann (SPD) zeigte sich erstaunt, als 20 Mütter zur Sitzung des Ausschusses für Bürgerangelegenheiten, Jugend und Sport in die Mensa der Gemeinschaftsschule kamen: "Das steht doch gar nicht auf der Tagesordnung", wunderte sich die Ausschuss-Vorsitzende, was im Zuschauerraum mit Raunen kommentiert wurde. Harald Heuer dankte den Müttern dagegen für ihr Kommen: " Bis zum Dienstbeginn heute Morgen hatte ich noch keine Kenntnis, ob die noch fehlende Zustimmung der letzten Fraktion eingegangen ist."

Auf einen Termin zur Fertigstellung der Plätze mochte sich der Bürgermeister nicht festlegen, er kündigte jedoch an, im Juni könnte man eventuell damit rechnen, denn man würde auch nicht bundesweit, sondern auf die Region begrenzt ausschreiben. "Wenn sich die Krippe wieder verzögert, schlage ich vor, dass die Kinder dann bei den Fraktionen sitzen!", regte Petra Rebner an und bekam dafür Applaus von den Müttern.