Nachbarschaftstreff ToM

Hier haben Vandalen leichtes Spiel

| Lesedauer: 2 Minuten
Elke Richel

Lauenburg. "Wir haben das Haus ganz bewusst so gestaltet, dass es sich deutlich von der Umgebung abhebt", so Architektin Angela Hausser zur Eröffnung des Nachbarschafttreffs ToM.

2006 wurde der Nachbarschaftstreff ToM feierlich eingeweiht. Jetzt ist das Haus ein Schandfleck.

Heute, knapp zweieinhalb Jahre später, hat die Aussage der Planerin eine ganz neue Bedeutung erhalten. Das Haus hebt sich tatsächlich deutlich von der Umgebung ab: Eingetretene Fassadenplatten und zerbrochene Lampen "zieren" den Treff am Moorring. "Das ist beschämend", sagt Leiterin Sabine Vogel. Sie weiß, dass besonders Erwachsene durch die Verwahrlosung des Hauses abgeschreckt werden. Ihrer Meinung nach haben die Planer schon bei der Wahl der Baumaterialien daneben gegriffen. "Einige Jugendliche fühlen sich stark, wenn sie mit einem einfachen Tritt diese dünnen Platten zerstören können. Die laden ja auch geradezu dazu ein", hat sie festgestellt. Eine Steinfassade würde es diesen "Helden" weniger einfach machen, ihre überschüssige Kraft abzureagieren.

Zurzeit schützen provisorisch aufgeschraubte Spanplatten die Dämmschicht des Hauses. Wie sich die dahinter eindringende Feuchtigkeit auf den baulichen Zustand auswirkt, vermag gegenwärtig niemand zu sagen. "Wir streiten uns im Moment mit den Architekten, der bauausführenden Firma und dem Hersteller der Fassadenplatten darüber, ob die Materialien geeignet waren"; so Bauamtsleiter Reinhard Nieberg. Die Architekten hätten damals die Fassade unter anderem mit dem Argument verteidigt, dass die Platten durchgefärbt wären und damit Beschädigungen kaum auffallen würden. Die wären aber nie eingesetzt worden. Nun wird ein Richter entscheiden müssen, ob wirklich geeignete Platten verbaut wurden. Diese hätten eine Anti-Graffiti-Beschichtung und seien daher für so einen viel besuchten Treff besonders geeignet, so damals die Planer. Aber wilde Sprühereien sind offensichtlich das kleinste Problem. "Mit einem Edding-Stift schmiert es sich ganz wunderbar auf den hellen Platten", so Sabine Vogel.

Die Mitarbeiter des ToM kamen jetzt auf die Idee, die Platten künstlerisch gestalten zu lassen. Erfahrungen aus anderen Städten hätten nämlich gezeigt, dass dann solche Flächen viel seltener zerstört werden und die Arbeit der Künstler geachtet wird. Diese Idee können die ToM-Mitarbeiter allerdings gleich wieder vergessen, denn solange der Rechtsstreit dauert, darf an den Fassaden nichts verändert werden. Das will die engagierte Leiterin aber nicht hinnehmen. "Die Stadt kann sich so ein Aushängeschild für ihre Sozialarbeit nicht leisten. Wir müssen etwas tun", ist sie überzeugt.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Lauenburg