Jugendkonferenz

"Kinder an die Macht . . ."

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Elke Richel

Lauenburg. "Gebt den Kindern das Kommando", forderte Sänger Herbert Grönemeyer in einem seiner Hits schon vor vielen Jahren. In Lauenburg übernehmen die Jugendlichen das Kommando selbst - jedenfalls für einen Nachmittag. Kommenden Donnerstag werden sie Kommunalpolitikern aller Parteien auf der ersten Lauenburger Jugendkonferenz "auf den Zahn fühlen".

Was sie den Erwachsenen erzählen wollen, die die Geschicke der Stadt lenken, haben sie sich lange vorher überlegt. Begleitet wurden sie dabei von Mitarbeitern des Hamburger Institutes für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation (IKM). Florian Wanke ist Diplom-Sozialwirt und Mediator. Der 28-Jährige hat die Veranstaltung mit Schülern der 8. und 9. Klassen der Gemeinschaftsschule vorbereitet und zwar in einem sehr konstruktiven Prozess. "Am Anfang stand die Meckerphase in der die Schüler richtig Dampf abgelassen haben, was ihnen in der Stadt gewaltig stinkt", erzählt Wanke. Danach hätten die Jugendlichen Visionen entwickelt, wie die Stadt für sie lebenswert sein könnte. In dieser Phase hätte es keine "vernünftigen" Grenzen gegeben, sondern Wünsche, unabhängig davon, ob diese realistisch seien. "Im dritten Schritt haben die Jugendlichen darüber diskutiert, welche dieser Träume realistisch sind, was sie dazu beitragen können und wo sie die Hilfe der Politiker benötigen", erzählt der erfahrene Mediator, dem die Aufgeschlossenheit der Lauenburger Schüler besonders imponiert hat.

Aber nicht nur Schüler der Gemeinschaftsschule werden auf der Konferenz ihre Vorstellungen von einem für sie lebenswerten Lauenburg formulieren. "Wir konnten Jugendliche der katholischen und evangelischen Gemeinde und auch Jugendliche aus der türkischen Schule für die Teilnahme an der Veranstaltung gewinnen und alle haben sich mit Unterstützung der Mediatoren gut darauf vorbereitet", freut sich Friederike Betge, Koordinatorin der Projekte, die aus dem Bundesprogramm "Jugend für Vielfalt" gefördert werden. "Mit dieser Veranstaltung ist der Fördergedanke besonders beeindruckend umgesetzt worden", stellt sie fest.

Aber nicht nur die Jugendlichen, auch die Politiker und Mitarbeiter der Stadtverwaltung erhoffen sich von der Veranstaltung einen positiven Anstoß für die Jugendarbeit der Stadt. Bürgermeister Harald Heuer (CDU) ist überzeugt davon, dass Jugendliche, die in einer Stadt Verantwortung übernehmen, sich auch viel mehr mit ihr verbunden fühlen. "Wir brauchen die jungen Menschen auch in Zukunft in Lauenburg und müssen daher auf ihre Wünsche und Anregungen hören." Allerdings müssten diese Vorstellungen bezahlbar sein, so das Stadtoberhaupt mit Hinweis auf die klamme Haushaltskasse der Stadt. Eine Hoffnung verbindet Heuer außerdem mit dieser Jugendkonferenz: "Vielleicht gelingt es ja doch noch, ein Kinder- und Jugendparlament ins Leben zu rufen, was wir ja schon seit vielen Jahren versuchen." Diesen Wunsch teilt Stadtvertreterin Renate Thiedemann (SPD) mit ihm. Sie weiß aber auch, dass so ein Gremium für Politiker nicht immer bequem ist. Aber: "Wir Erwachsenen sind manchmal blind, wenn es um Jugendarbeit geht und uns muss auf die Sprünge geholfen werden." Grönemeyer weiß es schon lange: "Kinder an die Macht . . ."

* Öffentliche Jugendkonferenz für alle Interessierten am Donnerstag, 11. Dezember, von 17 bis19 Uhr, in der "Zündholzfabrik", Elbstraße 2

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