"Kaiser Wilhelm"

Winterquartier dringend gesucht

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Detlef Bienwald

Lauenburg. "Im Sommer dürfen wir gerne als Blickfang vor der Lauenburger Altstadt liegen. Im Winter will uns keiner haben", sagt ein Besatzungsmitglied mit einem Hauch von Bitterkeit in der Stimme.

Der "Kaiser Wilhelm" darf in der kalten Jahreszeit nicht mehr an der Hafeneinfahrt liegen. Das Wasser- und Schifffahrtsamt sucht Alternativen.

In der Tat: Lauenburgs touristisches Aushängeschild, der Raddampfer "Kaiser Wilhelm", ist immer noch an seinem Sommerliegeplatz unterhalb der Rufer-Statue vertäut, den er bis 2007 spätestens Anfang November räumte und die kalte Jahreszeit - vor Eisgang auf der Elbe geschützt - im Schatten der Hitzler-Schiffbauhalle an der Einfahrt zum Hafen verbrachte. Doch in diesem Winter weiß Einsatzleiter Dr. Ernst Schmidt noch nicht, wo er ein Quartier für den 108 Jahre alten Veteranen findet.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) hat dem Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseum, der den Dampfer 1970 vor dem Verschrotten rettete und ihn von seinem Einsatzort an der Weser an die Elbe holte, die Nutzung des bisherigen Liegeplatzes untersagt. "Es ist zu gefährlich", erläutert WSA-Sachbearbeiter Karl-Wilhelm Hinsch. Seit der Eröffnung der neuen Schleuse, die die Elbe mit dem Elbe-Lübeck-Kanal verbindet, erlaubt das WSA Schiffen bis 112 Metern Länge die Fahrt bis zum Lösch- und Ladeplatz Horster Damm und zurück zur Elbe. Weiter können sie nicht, weil die anderen Kanalschleusen noch nicht ausgebaut sind. Das Problem: Die Schiffsführer müssen eine Teilstrecke - entweder zum Umschlagplatz oder zurück in die Elbe - rückwärts fahren. "Und das birgt im engen Hafen die Gefahr einer Kollision mit dem Raddampfer, weil auf der anderen Seite der Reparaturkai der Hitzler-Werft liegt ", begründet Hinsch die Entscheidung seiner Behörde.

Bei Dr. Schmidt weckt sie Erinnerungen an "schönere Zeiten", als der "Kaiser Wilhelm" in Lauenburg heimisch wurde: "Ideal war es, als wir in der Anfangszeit durch die Unterstützung von Reeder Christoph Burmester die Slipanlage der ehemaligen Werft Schipper & Goern an der Hafenstraße als Liegeplatz nutzen konnten." Als dort die Lauenburger Marina gebaut wurde, musste der Raddampfer weichen - und fand seine neue Heimstatt im Winter neben der Hitzler-Schiffbauhalle. Damals war noch die alte Schleuse in Betrieb, die von maximal 80 Meter langen Schiffen genutzt werden konnte. Gefahr durch Rückwärtsfahrten anderer Schiffe bestand damals nicht.

Doch es gibt Hoffnung, dass für den "Kaiser Wilhelm" ein sicherer Liegeplatz gefunden werden kann, bevor die ersten Eisschollen elbabwärts treiben und den nur wenige Zentimeter dicken Rumpf und die Schaufelräder des Fahrgastschiffes gefährden. Karl-Wilhelm Hinsch will nicht als "Verbieter" dastehen und hat sich auf die Suche nach Alternativen gemacht. Fündig geworden ist er im Hafen: "Zwischen den beiden Landgängen an der Hafenstraße ist Platz. Mit Schlepperhilfe der Hitzler-Werft müsste der Dampfer schräg durch zwei 30 Meter auseinander stehende Dalben geschleppt werden können." Hinsch lässt derzeit den Tiefgang an dieser Stelle ausloten, will Dr. Schmidt in der kommenden Woche den Vorschlag unterbreiten.

"Aus nautischer Sicht dürfte es kein Problem geben", vermutet er. Gefährlich könnte es für Lauenburgs Flaggschiff werden, weil dort auch ungebetene Gäste ungehindert Zugang zum Dampfer finden würden: "Aber die laufende Kontrolle muss vom Betreiber organisiert werden."

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