Zählung

4000 Wildgänse gesichtet

Zwei Stunden Gänsezählung am Elbe-Lübeck-Kanal bei wolkenverhangenem Himmel auf zwei anliegenden Seen zwischen Dalldorf und Basedow - mit einigen Abstechern in die nähere Umgebung. Da staunt der Laie und auch der Fachmann wundert sich: über 3000 Grau- und Saatgänse haben sich dort niedergelassen.

Wie "schwerwiegend" ist diese beachtliche Zahl von Gänsen eigentlich insgesamt? Da können wir getrost von etwa 10 000 Kilogramm ausgehen. Als wir die spannende Zählung gerade beenden wollen, steigen bei Zweedorf auf einem Feld mit Maisstrünken laut rufend über tausend weitere Gänse auf. Also, in zwei Stunden, auf dem Lande, im Wasser und in der Luft sind das damit etwa 4000 Gänse (ca. 12 000 kg). Anmerkung für Freunde von Kontrasten: Auf der anderen Straßenseite eine hübsche "Schweinerei". Über hundert friedliche Hausschweine auf einem großen Feld mit schweinegemäßen Schutzhütten.

Doch die Gänse geben eindeutig den Ton an. Älteren Vogelfreunden fällt jetzt vielleicht das Gedicht des 1917 im Ersten Weltkrieg gefallenen Dichters Walter Flex ein: "Wildgänse rauschen durch die Nacht mit schrillem Schrei nach Norden . . ." Der Flugrichtung der Vögel nach zu urteilen, hat der Dichter damit aber sicher eher die Saatgänse gemeint sein. Ihre Brutheimat liegt nämlich im hohen Norden, in den Tundra- und Taigarevieren. Unsere vertrauten Graugänse ziehen im Herbst überwiegend in östliche und südöstliche Brutreviere. Aber sie brüten auch zunehmend und in beachtlicher Zahl an schilfreichen Gewässern im Lauenburgischen.

Graugänse dürfen vom 1. August bis zum 15. Januar gejagt werden. Hört man jetzt also überall die Flinten knallen? Keineswegs, die Jäger halten sich in diesem Jahr erstaunlicherweise zurück. In unserem Heimatkreis wurden in einem Jagdjahr "nur" 239 Gänse geschossen. Für Wildenten sieht es allerdings nicht so gut aus. In einem Jagdjahr schossen die einheimischen Jäger fast 3000 dieser Vögel. Haben sie einfach das Pech, Jägern besser zu schmecken als die Windgänse?