Bier

Selbst gebraut und frisch gezapft

Lauenburg ist auf vielfältige Art und Weise einzigartig, in einer Hinsicht jedoch in der näheren und weiteren Umgebung wirklich unschlagbar: In keiner anderen Stadt ist das Interesse daran, Bier selbst zu brauen, so hoch wie in der Elbestadt.

Das Interesse der Lauenburger am selbstgebrauten Bier ist so groß wie in keiner anderen Stadt.

Der das sagt, muss es wissen: Dr. Hagen Rudolph, Autor mehrerer Bücher über das "Heimbrauen" und Leiter von Seminaren über das Brauen von Bier in den eigenen vier Wänden.

Am vergangenen Wochenende bot Rudolph wieder ein VHS-Seminar in Lauenburg an. Bevor am Sonnabend in der Küche der Hasenbergschule mit Hopfen, Malz und Wasser umgegangen wurde, vermittelte Rudolph am Freitag das theoretische Rüstzeug für das Herstellen eines guten Bieres. Seit zehn Jahren hält Rudolph in Lauenburg jährlich zwei bis vier Seminare. Während in anderen Städten der "Markt" relativ schnell erschöpft ist, bleibt das Interesse in Lauenburg dagegen ungebrochen: Es finden sich immer wieder Freunde des selbst gebrauten Gerstensaftes, freut sich der 46-Jährige über den Zuspruch, den seine Seminare finden.

Beim Bier, so Rudolph, handelt es sich um ein "spritziges, wohlschmeckendes Getränk, das auf Getreidebasis hergestellt wird." Weiter gehende gesetzliche Definitionen gibt es nach seiner Kenntnis nicht. Auch das viel gerühmte deutsche Reinheitsgebot von 1516 sei eher ein Marketing-Gag, da darin nur von Wasser, Hopfen und Gerste die Rede ist. Heute ist - ob privat oder industriell hergestellt - jedem Brauer klar, dass er für die Gärung Hefe zusetzen muss. 1516 war die Wirkung der Hefe noch gar nicht bis in die Details bekannt, erläutert Rudolph.

Die Wahl der Brauhefe hat schon Auswirkungen auf das spätere Getränk. Gleiches gilt für das Malz: Aus der Gerste wird in der Mälzerei erst einmal in einem aufwendigen Prozess Malz hergestellt, das der Hobby-Brauer dann entweder selber schrotet oder das Malz zur Weiterverarbeitung in eine Mühle bringt. Es gibt eine Fülle von verschiedenen Malzsorten, die, je nach zugefügter Menge, Auswirkungen auf Farbe und Geschmack des späteren Bieres haben. Den persönlichen Vorlieben sind hier kaum Grenzen gesetzt, der Reiz des Selberbrauens liegt auch im Ausprobieren verschiedener Rezepturen.

Damit der Hobby-Brauer immer weiß, warum das Bier gerade so aussieht und schmeckt, fertigt er ein Brauprotokoll an, in dem alle Rezepturen, Arbeitsschritte und Temperaturen festgehalten werden. Etwa acht Wochen dauert es vom Brautag an bis das Bier trinkfertig ist. Gärung, Abfüllen und Reifung sind wichtige, aber wenig arbeitsintensive Schritte. Industriebier, so Hagen, benötigt eine Woche, bis es getrunken werden kann. Etwa 12 Wochen nach dem Brautag sollte das selbstgebraute Helle oder Dunkle, das Starkbier oder das eher alkoholarme Getränk dann verbraucht sein. Auf etwa die Hälfte des Preises von Industriebier schätzt Hagen die Kosten für den selbst hergestellten Trunk - wenn man die Arbeitszeit außer acht lässt, was bei einem Hobby ja erlaubt ist.

Keinesfalls unbeachtet lassen sollte man die gesetzlichen Vorschriften. Zwar sind die Haus- und Hobbybrauer in Paragraf 2 der deutschen Biersteuerverordnung von der Zahlung einer Steuer befreit. Das gilt aber nur, soweit ihre Jahresproduktion 200 Liter nicht übersteigt und der Gerstensaft ausschließlich für den eigenen Gebrauch produziert wird. Deshalb, so Rudolph, muss jeder Hobby-Brauer dem zuständigen Hauptzollamt sein Vorhaben einmal im Jahr anzeigen. Dazu gehört auch die Menge des voraussichtlich hergestellten Bieres. Der Fiskus macht da durchaus Ernst. Rudolph selbst sind zwei Fälle bekannt, in denen der Zoll vom privaten Bierbrauen Wind bekam, und den überraschten Bierproduzenten einen Besuch abstattete.