Umweltschutz

Neue Transportbox spart eine Million Plastikbeutel

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Dirk Palapies
Eine Fahrerin liefert die in den Arztpraxen eingesammelten Blutproben im Zentrallabor ab. Durch die neuen Transportboxen lassen sich im LADR-Laborverbund über eine Million Plastikbeutel im Jahr einsparen.

Eine Fahrerin liefert die in den Arztpraxen eingesammelten Blutproben im Zentrallabor ab. Durch die neuen Transportboxen lassen sich im LADR-Laborverbund über eine Million Plastikbeutel im Jahr einsparen.

Foto: LADR Zentrallabor

Entwicklung der Kunststoffbox „TraDiaBlu“ des LADR-Zentrallabors Geesthacht startete 2015. Auch andere Labore zeigen Interesse.

Geesthacht. Das LADR-Zentral­labor Dr. Kramer & Kollegen in Geesthacht hat dem Plastikverbrauch den Kampf angesagt. „Durch ein neuartiges Transport­system werden die Laborzentren im LADR-Laborverbund künftig Millionen Plastikbeutel einsparen“, so die Hoffnung des Unternehmens, das dadurch den Umweltschutz stärkt.

Anlass des Optimismus ist eine Erfindung, die ein wenig wie eine große, etwa kniehohe Kunststoffbox wie für ein Picknick aussieht. „TraDiaBlu“ – eine Buchstaben-Kombination aus Transport, Diagnose und Blut – macht die Verwendung von Plastikbeuteln für Proben zur Blutuntersuchung zum großen Teil überflüssig. Diese würden nach der einmaligen Verwendung entsorgt werden.

Gelebter Umweltschutz: Bluttransport ohne die Verursachung von Müll

Und so funktioniert das ausgeklügelte System: In den Praxen stehen, meist in den Laborräumen, Ständer des Laborverbundes für die Röhrchen mit den Proben. Der Laborfahrer holt diese Ständer ab und stellt sie in seine mitgebrachte Abholbox.

Unten im Transportauto ist eine weitere Box. Auf diese wird die erste aufgesetzt, und mittels eines Schiebereglers gleiten die Proben nun berührungsfrei in die große Box über. Die Zettel mit den Überweisungen werden in einem speziellen Fach gesammelt. Proben und Überweisungen sind wegen der späteren Zuordnung gleich codiert. Ohne Plastikmüll verursacht zu ­haben, wird nun die nächste Praxis angefahren.

Kühlmöglichkeit in der Umverpackung der Box

Bei manchen Proben dürfen bestimmte Temperaturgrenzen nicht über- oder unterschritten werden, auch daran ist gedacht. Durch eine Kühlmöglichkeit in der Umverpackung der Box kann eine Temperatur zwischen 4 und 25 Grad eingehalten werden.

38 dieser TraDiaBlu-Boxen werden mittlerweile nur in Geesthacht eingesetzt, in eine einzige passen ohne Probleme etwa 500 Blutproben hinein. Der Bestand soll weiter wachsen.

„Wir wollen noch mehr Plastik einsparen“, verspricht Martina Menapace, die beim LADR-Zentrallabor an der Lauenburger Straße unter anderem Leiterin der Probenannahme ist. Ein weiterer Vorteil: Durch die aufrechte Lagerung bis zum Abtransport verbessert sich die Präanalytik.

Allein in Geesthacht werden bereits rund 1100 Probenbeutel pro Tag eingespart

Die Zahlen nur für Geesthacht sind schon mit dem aktuellen Bestand beeindruckend. Hier werden bereits bis zu 14 Prozent der für TraDiaBlu infrage kommenden Aufträge mithilfe des Probentransport­systems in das LADR-Zentrallabor gebracht.

Das bedeutet eine Einsparung von rund 1100 Probenbeuteln täglich. Nebeneinander gelegt entspricht dies einer Fläche von rund 24.000 Quadratmetern oder etwa dreieinhalb Fußballfeldern pro Jahr.

Corona-Proben dürfen damit nicht transportiert werden

Allerdings kommen nicht alle Proben für den Transport mit TraDiaBlu infrage, zum Beispiel wegen des Infektionsschutzes. Corona-Proben und bakteriologische Abstriche zur Erregerdiagnostik müssen getrennt von anderen Proben verpackt werden.

Das LADR-Zentrallabor in Geesthacht erhält täglich viele Tausend medizinische Proben aus Arztpraxen, Krankenhäusern und anderen Laboren. Sie können Krankheitserreger enthalten, weshalb sie als „gefährliche Güter“ gelten, die unter strengen Auf­lagen transportiert werden müssen.

Es gibt feste Regeln für die Beförderung von gefährlichen Gütern

Auf internationaler Ebene wurden Regeln für die Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße im sogenannten „Agreement concerning the International Carriage of Dangerous Goods by Road“ festgehalten.

Für den Transport medizinischer Proben ist die darin enthaltene Verpackungsanweisung P650 relevant, der zufolge für den sicheren und hygienischen Transport zum Labor bisher meist zusätzlich – etwa zu Probenröhrchen – auslauf­sichere Probenbeutel aus Plastik benötigt wurden.

Entwicklung der Box startete bereits 2015

Die Entwicklung der Idee und des ersten Prototyps von TraDiaBlu erfolgte 2015 im LADR-Laborzentrum Nord-West in Schüttorf, wo die Box eingeführt wurde. Die Führung des Produkts bis zur Markt­reife 2018 passierte in Geesthacht durch das Partnerunternehmen Intermed an der Spandauer Straße, die Patentierung war 2016.

In Schüttorf wurde der Verbrauch von Probenbeuteln zwischen 2019 und 2021 von rund 81.100 Stück auf 3650 Stück pro Jahr (Stand Oktober) verringert – eine Reduzierung von über 95 Prozent oder 720 Kilogramm weniger Plastik pro Jahr.

Großes Interesse auch bei Laboren außerhalb des Verbundes

Nun erfolgt schrittweise die Einführung in weiteren Laborzentren des LADR-Laborverbundes. In diesem Jahr in Baden-Baden, Braunschweig, Paderborn und eben Geesthacht.

Auf alle 18 Facharzt­labore des LADR-Laborverbundes hochgerechnet, liegt das Potenzial für eine Reduzierung bei über einer Million Probenbeutel oder mehr als zehn Tonnen Plastik pro Jahr. Auch andere Labore außerhalb des Verbundes haben Interesse gezeigt.

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