Umbau

St. Petri in Geesthacht: Früher Kirche, jetzt Kita

| Lesedauer: 5 Minuten
Dirk Schulz
Blick von der Empore der St.-Petri-Kirche: Die einzelnen Räume sind nur mit Wänden aus Holzplatten abgetrennt, ein Rückbau muss innerhalb des denkmalgeschützten Gebäudes möglich sein. Vorn links ist ein Besprechungsraum der Mitarbeiter, rechts der Essensraum. Rechts vom Altar entsteht das Tobeland, links davon sind Kirchenbänke und Glocke eingelagert. Unterm Christus-Korpus haben die Erzieher ihren Pausenraum.

Blick von der Empore der St.-Petri-Kirche: Die einzelnen Räume sind nur mit Wänden aus Holzplatten abgetrennt, ein Rückbau muss innerhalb des denkmalgeschützten Gebäudes möglich sein. Vorn links ist ein Besprechungsraum der Mitarbeiter, rechts der Essensraum. Rechts vom Altar entsteht das Tobeland, links davon sind Kirchenbänke und Glocke eingelagert. Unterm Christus-Korpus haben die Erzieher ihren Pausenraum.

Foto: Dirk Schulz

Mehr als ein Provisorium? Einblicke in ein ehemaliges Gotteshaus, in das die Kita Worther Weg übergangsweise eingezogen ist.

Geesthacht. Die auf einen schmiedeeisernen Kreuzbalken montierte Jesus-Figur hängt in der ehemaligen St.-Petri-Kirche in Geesthacht wie seit Jahrzehnten. Unter dem Kreuz kann es jetzt aber vorkommen, dass ein Erzieher ein Nickerchen hält. Dort, wo sich früher der Altar befand, entsteht jetzt der Pausenraum für die Mitarbeiter der Kita Worther Weg. Zur Linken des Heilands und nur durch eine Wand aus Holzplatten getrennt, liegen diverse Matten, Rollen und weiteres Spielmaterial etwas unordentlich herum. „Das wird unser Tobeland“, sagt Kita-Leiterin Carmen Thieme. „Wir erobern uns das hier Stück für Stück“.

Seit vergangenem November und 57 Jahre nach ihrer Einweihung ist die St.-Petri-Kirche kein Gotteshaus mehr. Nach seiner Entwidmung dient der Bau in der Geesthachter Oberstadt seit dem 1. März nun als Kindertagesstätte. Zumindest bis in etwa zwei Jahren am Worther Weg der Neubau fertig ist. Solange ist es die wohl einzige Kita Deutschlands mit einem 50,5 Meter hohen Turm.

Die Mitarbeiter und Kinder sind vom Provisorium begeistert. Die sieben Gruppenräume, die in 64 Containern auf zwei Ebenen auf dem Kirchenvorplatz eingerichtet wurden, bieten ihnen viel Platz. Zudem können sie die alte Kirche über einen Verbindungsgang erreichen.

Die Container sind für eine dauernde Nutzung ausgelegt

„Es bietet sich förmlich an, das weiter zu nutzen, auch wenn wir wieder an den Worther Weg gezogen ist“, schwärmt Carmen Thieme. Bei rund 500 fehlenden Kita-Plätzen in Geesthacht und kaum geeigneten Grundstücken eine Idee, die Stadtverwaltung und Politiker zumindest durchdenken sollten. In der Sitzung der Ratsversammlung am Freitag (18 Uhr, Sporthalle Berliner Straße) sind dem Thema Kita sowieso viele Tagesordnungspunkte gewidmet.

„Die Container sind für eine Dauernutzung ausgelegt“, betont Pastor Gunnar Penning, dessen Kirchengemeinde das frühere Gotteshaus an den kirchlichen Kita-Träger KGV vermietet hat. Und, so Penning weiter: „Jetzt steht da schon mal ein Ensemble, sodass man sehen kann, was hier möglich ist.“

Beim Amt für Denkmalpflege ist der Abriss des Wahrzeichens, das sogar von der anderen Elbseite aus sichtbar ist, bereits beantragt. Viele Geesthachter würden sich aber freuen, wenn der abgewendet werden könnte. Wie bei Carmen Thieme hängen bei vielen Bürgern reichlich Erinnerungen daran: „Hier wurde meine Tochter getauft, hier habe ich geheiratet“, sagt die Kita-Leiterin, die seit 33 Jahren am Worther Weg ist und am Jahresende in Rente geht.

Alle Umbauten in der Kirche müssen reversibel sein

So oder so müssen alle jetzt vorgenommenen Arbeiten reversibel sein. Darum sind im Kirchenschiff auch nur Wände aus Holzplatten eingezogen, wurde der Altar nur abgedeckt. Auch die alten Kirchenbänke lagern deshalb aufgestapelt in einem der neu geschaffenen Räume. Dort befindet sich auch eine Glocke, die mal für die Kirche St. Johannis (jetzt Kita Eichweg) gedacht war. Zum Bau eines Glockenturms ist es dann doch nicht gekommen.

Die noch hässlichen Wände in St. Petri will das Kita-Team gemeinsam mit den Kindern hübsch bemalen. „Obwohl St. Petri als Provisorium gedacht ist, tun wir so, als wäre es für immer“, sagt Carmen Thieme und zeigt den neu eingerichteten Kirchenvorraum. Dort haben die Kinder jetzt ihre Werkstatt und eine Lese-Ecke.

In der früheren Sakristei ist nun eine Kantine untergebracht

Zudem riecht es hier nach Essen. Der Duft kommt aus der alten Sakristei. Dort, wo sich früher die Pastoren auf den Gottesdienst vorbereitet haben und wichtige kirchliche Gegenstände aufbewahrt wurden, ist jetzt die Kantine. An der Decke des Kirchenschiffs sind drei Akustik-Segel gespannt. St. Petri ist für ihren hervorragenden Klang bekannt, jetzt muss der Lärmpegel gesenkt werden.

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Im Kirchturm, in dem weiter die Glocken hängen, hat nun auch das Kita-Archiv einen Platz gefunden. Den Weg zur steilen Steintreppe, die zur Empore mit der Orgel führt, versperrt ein Treppenschutzgitter für Kinder. Oben haben die Kleinen nichts zu suchen. Für die Orgel sucht der Kirchkreis übrigens noch einen Käufer. Wer Interesse und den nötigen Platz hat: Der Preis liegt bei rund 30.000 Euro.

139 Kinder der Kita Worther Weg sind auf sieben Gruppenräume aufgeteilt

Über einen Verbindungsgang gelangen die Kinder in ihre Gruppenräume. „Die sind schöner als die alten. Hier haben wir eine Hängematte“, freut sich der kleine Jonathan de Vries. Die rund 130 Kinder der Kita Worther verteilen sich auf sieben Gruppenräume, von der Krippe über den Elementarbereich bis hin zum Hort. Der nahe Wald lädt zu Ausflügen ein, und auch der Außenbereich um die Kirche herum ist weitläufig.

Alle Kinder haben ihre neue Einrichtung übrigens noch gar nicht gesehen. Wegen Corona war erst nur eine Notbetreuung möglich, seit dieser Woche läuft immerhin schon wieder der eingeschränkte Regelbetrieb.

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