Streitigkeiten

Riesen-Zoff beim Geesthachter Ortsverein des DRK

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Dirk Palapies
Die Plaketten sind ab: Das Geesthachter DRK hat Fahrzeuge an seinem Standort abgemeldet.

Die Plaketten sind ab: Das Geesthachter DRK hat Fahrzeuge an seinem Standort abgemeldet.

Foto: Dirk Palapies

Der Vorstand hat die Einsatzfahrzeuge einfach abgemeldet. Es herrschen Unklarheiten über Mitgliedschaften: In der Bereitschaft gärt es.

Geesthacht. Bricht der Geesthachter Ortsverein des DRK auseinander? In der Bereitschaft gärt es. Fast alle Fahrzeuge und die Boote auf dem Gelände an der Steglitzer Straße 15 seien abmeldet, so gebe es nichts mehr zu tun, heißt es vonseiten der Aktiven. Sanitätsdienste seien so nicht möglich: „Wenn ich dem Maurer die Kelle wegnehme, kann er nicht mehr arbeiten. So ist es mit uns auch“, sagt Dirk Stukenbrok, stellvertretender Bereitschaftsleiter. „Wir sind ein sehr junges Team, wir wollen etwas machen.“

Dass der Vorstand die Fahrzeuge abgemeldet habe, sei nicht das einzige Problem, sagt Stukenbrok. Zudem gebe es Ärger um vermeintliche Mitgliedschaften. Er und weitere langjährige Ehrenamtliche aus der Bereitschaft sowie auch Meike Arnold von der Kleiderkammer stellten im vergangenen Jahr verwundert fest, im Geesthachter DRK-Ortsverein gar nicht als Mitglieder geführt worden zu sein. Die Anmeldung wurde im Herbst schließlich nachgereicht.

Unmut beim DRK-Geesthacht: 30 ehrenamtlich Aktive wollen abwandern

Der Unmut in der Bereitschaft ist so groß, dass nun bis zu 30 dieser ehrenamtlich Aktiven abwandern wollen. Insgesamt hat das Geesthachter DRK mit Stand zum 31. Dezember vergangenen Jahres 253 Mitglieder. Erster Impuls war, zu einem Ortsverein in der Nachbarschaft zu wechseln, nun gibt es die Idee für die Gründung eines neuen Vereins vor Ort, berichtet Dirk Stukenbrok. „Woanders hin zu wechseln, ist im Grunde keine Option für uns, wir wohnen nun mal alle in Geesthacht“, sagt er. Favorisiert werde daher die Option eines neuen Vereins: „Das ist gerade in der Prüfung.“ Im Freundeskreis befinde sich ein Anwalt, der auch Fachmann für Vereinsrecht sei. Er nehme das Vorhaben unter die Lupe.

Das scheint nicht unmöglich zu sein. Juristen des DRK-Bundesverbandes, die von unserer Zeitung um eine Einschätzung gebeten wurden, teilten mit: „Gemäß § 12 Abs. 1 Satzung des DRK-KV Herzogtum Lauenburg e. V. kann für den Bereich einer oder mehrerer Gemeinden oder Gemeindeteile mit Zustimmung des Präsidiums des Deutschen Roten Kreuzes Kreisverband Herzogtum Lauenburg e.V. ein Ortsverein gegründet werden.“

Streit zwischen Bereitschaft und Vorstand droht zu eskalieren

Damit droht ein Streit zu eskalieren, der spätestens im Ende Mai 2019 begann. Bereits damals gab es schwere Differenzen zwischen Vorstand und Bereitschaft. Die Dienste für die ehrenamtlichen Retter wurde eingeschränkt. Einige Einsatzfahrzeuge waren ebenfalls abgemeldet. Die Bereitschaft sollte 2018 angeblich Kosten in Höhe von 18.000 Euro verursacht haben, für die keine Erklärung geliefert werden konnte. Über diese Gelder habe die Bereitschaft nie verfügt, heißt es aus Kreisen der Aktiven. Die Fahrzeuge wurden später wieder angemeldet, aber der Konflikt zwischen den Parteien schwelte offenbar seitdem weiter.

Vorsitzender des Ortsvereins im Mai vor zwei Jahren wie auch heute ist Andreas Friedrich, der auf Stephan Streubel folgte. Dieser wollte im Januar 2019 in seinen Ehrenämtern kürzertreten, um mehr Zeit für die Familie zu haben, hieß es damals. Da war Friedrich von der Jahresversammlung 2018 bereits zum Vorsitzenden gewählt worden.

"Es geht um die Einsparung von Kosten"

Andreas Friedrich sagt, dass er erst kurz vor dem Antritt des Postens als Vorsitzender in das DRK eingetreten sei, nachdem er von Stephan Streubel für ein Engagement umworben worden sei. Er sei bekannt dafür, sich ehrenamtlich zu engagieren, so Friedrich, etwa bei den Old Tablers und der Geesthachter Schützengesellschaft. Kurzerhand sprang er in die personelle Lücke, die Streubel hinterließ.

Die aktuellen Vorwürfe aus der Bereitschaft seien für ihn nicht nachvollziehbar, so Andreas Friedrich. Er verteidigt das Vorgehen, die Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen zu haben. Grund seien nicht finanzielle Engpässe, sondern die Corona-Situation. „Wir haben eine Pandemie, laut Landesverordnung dürfen wir gar nichts tun.“ Es gehe ihm um die Einsparung von Kosten. Die Wagen angemeldet zu lassen, rechne sich zurzeit nicht, es fehlten die Aufträge, und die Kosten würden anderenfalls weiterlaufen.

Mitgliedschaft in der Bereitschaft folgt nicht automatisch

„Wenn man ein Einsatzfahrzeug versichert, ist man nah an einer Taxe von 150 Euro im Monat. Wir brauchen die Fahrzeuge momentan nicht, es gibt keinen Jahrmarkt und keine Großveranstaltung“, argumentiert Friedrich. Die Abmeldung sei nicht auf Dauer, versichert er. „Bei Bedarf wird wieder angemeldet. Und eine Notzulassung ist jederzeit möglich, zum Beispiel beim Eintreten eines Katastrophenfalls. So ist der KAT-Einsatzleitwagen mittlerweile wieder im Einsatz, der Kreis nutzt das Fahrzeug für das mobile Impfteam.“ Abgemeldet blieben ein Sprinter (Pritsche), der überwiegend zum Transport sperriger Ausrüstung dient, und ein Krankentransportwagen.

Dem Eindruck, Mitglied zu sein, könne ein Missverständnis zugrunde liegen, so Friedrich. So folge einer Mitgliedschaft in der Bereitschaft nicht automatisch, Mitglied im Ortsverein des DRK zu sein. Zudem hat es im Geesthachter DRK offenbar sehr lange die – scheinbar nur mündlich weitergegebene – Regel gegeben, dass Aktive keine Mitgliedsbeiträge zu zahlen hätten. Möglicherweise hätten deswegen einige aus der Bereitschaft nicht bemerkt, nicht als Mitglied geführt worden zu sein. „Vorstandsbeschlüsse habe ich dazu nicht gefunden“, sagt Andreas Friedrich. Er will diese „Tradition“ beenden, die wohl über viele Jahre bestanden habe. Wer Mitglied sei, müsse auch die 18,70 Euro Jahresbetrag bezahlen, die Satzung lasse nichts anderes zu.

Mediation zur Schlichtung ist unwahrscheinlich

Die neuen Mitgliedsanträge – 17 an der Zahl – seien in einer Liste für das Protokoll erfasst worden. Auf der Vorstandssitzung kurz vor Weihnachten hätte über die Aufnahme entschieden werden sollen, „das war wegen der Corona-Maßnahmen nicht mehr möglich gewesen“, sagt Friedrich. Sobald wieder Präsenzsitzungen möglich seien, solle über die Anträge entschieden werden. In einer Online-Sitzung möchte Andreas Friedrich das nicht durchführen, er äußert Bedenken wegen des Datenschutzes.

Von einer Mediation zur Schlichtung des Konflikts zwischen Vorstand und Bereitschaft, wie sie mal vom DRK-Landesverband angeregt worden war, ist zur Zeit keine Rede mehr. Eine Abwanderung der Bereitschaft aus dem Ortsverein könnte wohl nur im Falle eines neuen Vorstandes abgewendet werden, heißt es aus Kreisen der Aktiven.

Wirtschaftsprüfer arbeitet sich chronologisch durch die Zahlen

Unwahrscheinlich? Die Töne, die Andreas Friedrich anschlägt, klingen durchaus nach Abschied. „Ich gehe nicht eher weg, als dass ich entlastet bin“, sagt er zwar. Ein Wirtschaftsprüfer wurde eingeschaltet, arbeitet sich gerade chronologisch durch die Zahlen, denn auch der vorherige Vorstand ist noch nicht entlastet. Drei Bons müssten noch geklärt werden. Aber dann? „Ich hänge nicht an meinem Stuhl“, sagt Andreas Friedrich. „Wenn ein geeignetes Mitglied kommt und ruft, ,Ich mache das’, dem sage ich sofort: ,Dann mach es!’“

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