Johanniter-Krankenhaus

Geesthachter Ärzte im Südsudan: Operieren bei 40 Grad

Ärzteteam unter Regie des Johanniter-Krankenhauses hilft wieder im Südsudan

Ärzteteam unter Regie des Johanniter-Krankenhauses hilft wieder im Südsudan

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Ärzte operieren unter Regie des Geesthachter Johanniter-Krankenhauses im Südsudan. Die Wartelisten für Operationen sind lang.

Geesthacht. Zum vierten Mal seit 2015 war ein Ärzteteam unter Leitung des Geesthachter Johanniter-Krankenhauses jetzt im Südsudan im Einsatz. Das Team arbeitete im Comboni-Hospital in Wau im Westen des Landes. „Viele Patienten machten sich aus über 200 Kilometer entfernten Ortschaften auf den Weg“, berichtet Dr. Frank Templin, der ärztliche Direktor der Geesthachter Klinik am Runden Berg. Er wurde von Dr. Michael Perschmann (Anästhesist), Prof. Frank Schlichtenbrede (Augenarzt), Chefarzt der Uniklinik Mannheim, und Dr. Stefan Templin (Augenarzt) begleitet.

Gemeinnützige Klinik in Wau

Das St.-Daniel-Comboni-Krankenhaus ist eine Einrichtung der Katholischen Diözese Wau. Es wurde 2010 als eine gemeinnützige, nicht auf Gewinn ausgerichtete Klinik für die Einwohner von Wau gegründet. Heute leben in der zweitgrößten Stadt des Südsudan mehr als 220.000 Einwohner. „Derzeit werden täglich bis zu 350 Patienten untersucht, beraten und versorgt“, so Templin. Die Bedingungen seien besser gewesen als bei den drei ersten Hilfseinsätzen. „Wir waren beeindruckt und überzeugt von der Arbeit, die dort geleistet wird“, bilanziert Templin.

2011 wurde der Südsudan vom Sudan unabhängig und als Staat von den Vereinten Nationen anerkannt. „Ernährung wie auch viele Bereiche der medizinischen Versorgung sind auf ausländische Hilfe angewiesen“, begründet Templin das Engagement.

Sechs Monate Vorbereitung

Etwa sechs Monate haben sich die Geesthachter Ärzte auf ihren zweiwöchigen OP-Einsatz vorbereitet. Es herrschte Trockenzeit, das bedeutet um die 40 Grad am Tag und 28 Grad in der Nacht. „Der Tag begann wie üblich mit Visiten, der OP-Beginn war in der Regel um 8.30 Uhr. So oft wie möglich assistierten die Kollegen aus dem Comboni-Hospital bei den Operationen, sodass ein Erfahrungsaustausch und eine individuelle Fortbildung in den von uns praktizierten OP-Methoden stattfand“, berichtet Templin. Diese Art von täglicher Weiterbildung gab es auch für die Anästhesieschwester.

Kapazitäten und Nachsorge sind Problem

„Wir konnten bei weitem nicht alle Patienten operieren, entweder, weil die OP-Kapazitäten nicht ausreichten, oder weil bestimmte Eingriffe unter den Bedingungen vor Ort oder wegen fehlender Nachsorge nicht möglich waren. Manchmal waren Erkrankungen auch soweit fortgeschritten, dass eine Operation nicht zielführend gewesen wäre. Dies war dann psychisch belastend für das gesamte Team“, so Templin. Der Chirurg und seine Kollegen operierten insgesamt 60 Patienten (68 Operationen) – einige von ihnen standen seit dem Einsatz 2018 auf einer Warteliste.

Schwere Krankheitsbilder sind Herausforderung

Ein Schwerpunkt lag auf der Schilddrüsenchirurgie. „Die wird dort außerhalb unserer Einsätze überhaupt nicht durchgeführt. Das hat zur Folge, dass wir Schilddrüsen von solcher Größe vorfanden, die bei uns unbekannt sind und deshalb technisch besonders anspruchsvoll zu operieren und zu narkotisieren sind“, erklärt Templin.

Belastend für das Team sei das Schicksal einer jungen Patientin gewesen, die an voll ausgebildeter Tollwut erkrankt war. „Sie starb einen halben Tag nach der Aufnahme“, berichtet der ärztliche Direktor des Johanniter-Krankenhauses.

Finanziert wurde der Einsatz über das Hilfswerk Misereor und das Hilfsprojekt MedHilfe South Sudan. „Wir hoffen, dass wir mit weiteren Einsätzen die katastrophale medizinische Versorgung in einem der ärmsten Länder der Erde etwas verbessern können“, sagt Templin.

Wir konnten bei weitem nicht alle Patienten operieren
Dr. Frank Templin