Geesthacht.

Brennstäbe sollen in die USA

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Gerrit Pfennig

atomkraftwerk Kritik von den Grünen

Geesthacht.  Bereits im Oktober hatte Vattenfall als Betreiber des Atomkraftwerks Krümmel mitgeteilt, dass das eigentliche Kraftwerk inzwischen „überwiegend brennelementefrei“ sei. Im Standort-Zwischenlager nebenan stehen dagegen aktuell 41 Castor-Behälter mit 1093 abgebrannten Brennelementen. Und bis dieses Zwischenlager abschließend bestückt sein wird, dauert mindestens bis 2019.

Einen neuen Schritt, um sein Brennelementelagerbecken im AKW zu leeren, will Vattenfall jetzt mit dem Verkauf von zwölf unbenutzten Elementen unternehmen. „Es kann nicht sein, dass die durch die halbe Welt geschickt werden. Wir haben immer betont, bei Atomtransporten muss es kurze Wege geben“, kritisiert Bettina Boll (Grüne).

Das Problem: Zwar sind die Brennelemente unbenutzt, allerdings sind sie passiv kontaminiert worden. An ihrer äußeren Hülle findet sich Kobalt-60, ein sogenanntes künstliches Nuklid, das in Folge von Kernreaktionen entsteht. Die zwölf Brennelemente wurden so im Nasslager durch abgebrannte Brennstoffe kontaminiert.

Es sei geplant, diese zwölf unbenutzten Elemente Ende 2018 in die Brennelementefabrik von Richland im Nordwesten der USA (Bundesstaat Washington) zu liefern, bestätigte jetzt die Vattenfall-Sprecherin Sandra Kühberger auf Nachfrage und betonte: „Dieser Transport wird unter Einhaltung der Regularien für den Transport radioaktiver Stoffe durchgeführt.“ So würden die Brennelemente vor dem Transport gereinigt. Anschließend sei es jedoch wegen der Eigenstrahlung des Brennstoffs nicht möglich, nachzumessen, ob sich kein Kobalt-60 auf der Oberfläche befindet. Für dieses Radionuklid besäßen keine Fabriken in der Umgebung eine Umgangsgenehmigung. Es sei deshalb nicht möglich, die Brennelemente in einer deutschen Brennelementefabrik, etwa im niedersächsischen Lingen, aufarbeiten zu lassen.

Da die Brennelemente auf das Atomkraftwerk Krümmel abgestimmt sind, können sie übrigens, obwohl sie unbenutzt sind, in keinem anderen Kraftwerk eingesetzt werden. Aus diesem Grund wird in den USA der eigentliche Brennstoff (Uran 235), der in Pellets gepresst ist, aus den Brennstäben herausgeholt, gemahlen, gepresst und gesintert, bevor er in Pellets gepresst und in neue Brennstäbe gefüllt wird.

Doch damit ist es noch nicht getan. Laut Vattenfall befinden sich im Brennelementelagerbecken noch 78 Sonderbrennstäbe sowie ein Brennelement, das wiederum in 76 dieser Sonderbrennstäbe zerlegt werden müsse. Um diese Brennstäbe in Castoren unterzubringen, würden sogenannte Köcher benötigt, für die es noch keine Zulassung gebe. Deshalb rechnet der Kraftwerksbetreiber nicht vor 2019 damit, das Lagerbecken endgültig geleert zu haben.

Bettina Boll weist aus diesem Grund auf die Internetseite atommuellreport.de hin, auf der Umweltinitiativen Zahlen, Daten und Fakten zu nuklearen Anlagen in Deutschland zusammentragen. Boll: „Beim Helmholtz-Zentrum fehlen hier noch Informationen.“

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