Geesthacht

Kleines Theater muss sparen

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Kai Gerullis

Finanzen: Vertrag soll dem KTS jährliche Zuschüsse garantieren - Verzicht auf beliebte Eigenproduktion

Die finanzielle Situation des Kleinen Theaters Schillerstraße (KTS) ist vertrackt: Das Geld für die laufende Saison reicht gerade einmal für die Fixkosten und die Gastspiele. Für nötige Investitionen bleibt kein Spielraum, zudem drückten in den vergangenen Jahren angehäufte Schulden - beispielsweise für digitale Projektoren - den Etat. Geschäftsführer Ulrich Jacobi war somit Jahr für Jahr auf Zuschüsse aus dem städtischen Haushalt angewiesen - Planungssicherheit Fehlanzeige. Die soll er jetzt mit einem Zuwendungsvertrag bekommen - doch gleichzeitig erwartet die Politik auch deutliche Einsparungen vom KTS.

So wurde am Dienstagabend in einer vierstündigen Gesellschafterversammlung hinter verschlossenen Türen kontrovers über die Inhalte des Vertrags diskutiert. Nach Informationen unserer Zeitung kann das KTS bis 2015 fest mit einem jährlichen städtischen Betriebskostenzuschuss von 290 000 Euro kalkulieren - das bringt Planungssicherheit. Im Gegenzug sollen die eingekauften Gastspiele im KTS weniger kosten - im Durchschnitt sollen sie ein Defizit von maximal 4000 Euro einspielen. Und auch Jacobis jährliche Eigenproduktion soll wohl dem Rotstift zum Opfer fallen - mit der jetzt bevorstehenden Aufführung von "Faust 1+2" könnte damit eine beliebte Tradition ihren Abschluss finden. Dafür will die Stadt anstehende Investitionen im Theater wie eine neue Software oder die Investition in digitale Projektoren unterstützen. Auch für die Erneuerung der Sitzreihen soll es 30 000 Euro von der Stadt geben - allerdings hatte das KTS 90 000 Euro veranschlagt.

Beschließen wird über den Zuwendungsvertrag am Montag der Finanzausschuss (9 Uhr, Rathaus). "Ich stehe dazu, dass wir das Kino und das Theater jährlich mit 290 000 Euro unterstützen. Wir haben ein großes Interesse daran, dass das Haus langfristig Bestandsschutz hat", so der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ali Demirhan. "An sinnvollen Investitionen wird sich die Stadt auch weiter beteiligen."

Bei der CDU sieht man den ausgehandelten Kompromiss dagegen skeptisch: "Der Schaden ist größer als die Einsparung", sagt Finanzausschussmitglied Arne Ertelt. "Die CDU will aber auch eine Bestandssicherung des KTS und ein Ende der jährlichen Zuschussdiskussionen - deshalb bin ich trotz allem froh über den Zuwendungsvertrag", so der Fraktionsvorsitzende Karsten Steffen.

Ulrich Jacobi sieht den Zuwendungsvertrag ebenfalls positiv: "Er bietet jetzt Planungssicherheit für unser Haus. Und das ist auch ein wichtiges Signal für unsere Besucher, dass es weitergeht", so der Geschäftsführer. Zu den drohenden Sparbeschlüssen wollte sich Jacobi mit Hinweis auf die Nichtöffentlichkeit der Gesellschafterversammlung nicht äußern.

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