Einblicke

Im modernen Labor auf Entdeckungsreise

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Die meisten Krankheiten werden heute im Labor entdeckt. 75.000 Analysen durchlaufen deshalb täglich die modernen Anlagen des Labors Dr. Kramer. Beim Tag des offenen Labors interessierten sich mehr als 1300 Gäste dafür, wie die moderne Diagnostik funktioniert.

Die Maschinen laufen, die Mitarbeiter verfolgen konzentriert die Analysen und bereiten Proben für Untersuchungen vor: Beim Tag des offenen Labors der Laborärztlichen Arbeitsgemeinschaft für Diagnostik und Rationalisierung (LADR) an der Lauenburger Straße konnten die Besucher live erleben, wie moderne Laboranalysen heute erfolgen. Die Mediziner Jan und Detlef Kramer hatten gemeinsam mit ihrem Team zum Schautag in den 2012 bezogenen Neubau und die alten Räume eingeladen. Mehr als 1300 Gäste kamen.

Von Allergien bis Reisemedizin

Von A wie Allergie über I wie Impfungen und R wie Reisemedizin bis hin zu Z wie Zytometrie reicht das Aufgabenspektrum im LADR. „Wir versorgen allein von Geesthacht aus pro Tag 13.000 Patienten mit etwa 75.000 Analysen“, so Jan Kramer. In Geesthacht befindet sich die Zentrale des LADR, dem bundesweit 17 Fachlabore, 36 Laborgemeinschaften und 31 Krankenhaus-Laboratorien angehören. Mehr als 200 Kliniken und mehr als 20.000 Ärzte bundesweit zählen zu den Kunden des Unternehmens.

Trotz aller technischer Ausstattung des modernen Labors stehen nach wie vor die Mitarbeiter im Vordergrund. „Unser Ziel ist es, für unsere rund 14 Millionen Patienten im Jahr schnellstmöglich beste Qualität zu liefern“, so Jan Kramer. Heute macht die Labormedizin in etwa 70 Prozent aller Fälle die Diagnose aus. Auf mehr als 2000 Parameter hin können die eingesandten Proben (Blut, Urin, Stuhl) untersucht werden.

Erstes Labor gleich nach dem Krieg

Die erste Laborgemeinschaft wurde bereits 1974 gegründet. „Bis heute arbeiten wir in solchen Gemeinschaften zusammen“, berichtete Kramer bei einem Vortrag zur Geschichte der Labormedizin. Sein Großvater Siegfried hatte von den amerikanischen Besatzungsmächten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Erlaubnis zum Aufbau eines Labors erhalten. Damals wurde an der Lauenburger Straße 67 ein Einfamilienhaus errichtetet, in dem der Mediziner arbeitete und lebte. Der Runde Berg war damals noch vollkommen unbewaldet.

In den 60er-Jahren folgte ein erster Anbau – und seitdem wurde regelmäßig erweitert. Jan Kramer berichtete in seinem Vortrag von der Methode, Schwangerschaften mit Krötenurin nachzuweisen und der Nutzung von Meerschweinchen zum Nachweis von Tuberkulose. „Zum Glück ist das heute alles nicht mehr nötig“, sagte er.

Denn seit in den 80er-Jahren die elektronische Datenverarbeitung im Labor Kramer Einzug hielt, war der technische Fortschritt nicht mehr aufzuhalten. So reicht den Analysegeräten heute ein Tausendstel der vor 30 Jahren üblichen Blutmenge für eine Untersuchung aus.

Arbeit im Auftrag der Polizei

Besonders speziell ist die von Lars Wilhelm geleitete Abteilung für Toxikologie. Hier erfolgen unter anderem Analysen im Auftrag der Polizei, um Alkohol- oder Drogenkonsum nachzuweisen. Selbst in diese Abteilung durften die Gäste einen Blick werfen, Wilhelm führte sie durch die Räume im Neubau. „Die, die Drogen missbrauchen, sind oft schneller als wir“, sagte Laborärztin Svantje Hebenbrock. Hintergrund: In den Laboren müssen für Nachweise zunächst strenge Regeln festgelegt werden. Zeit, die die Konsumenten nutzen. „Es ist teilweise erschreckend, was sich die Menschen alles antun, für einen kurzen Trip“, weiß Hebenbrock.

Doch im Vordergrund der Laborarbeit steht das Wohl der Menschen. „Über die Jahrzehnte hat sich die Bedeutung der Labormedizin zum Wohle des Patienten immer mehr entwickelt“, sagte Jan Kramer – und bilanziert erfreut den Tag: „Wir haben uns sehr über das große Interesse gefreut!“