Tierheim

Tierische Wünsche zu Weihnachten

Geesthacht. Zu Weihnachten stehen sie wieder auf dem Wunschzettel: Hund, Katze, Kaninchen und Hamster sind der größte Wunsch vieler Kinder. Tierheimleiterin Sabine Paffrath mahnt: "Tiere sind keine Geschenke."

„Oh, wie süüüß! Ich will auch einen Hamster!“ Welche Mutter und welcher Vater hat so etwas noch nicht gehört? Spätestens in der Grundschule sind die Sprösslinge ponybegeistert, hundelieb, katzenverrrückt. Am liebsten hätten sie was zum Streicheln und zum Spielen – und das den ganzen Tag. Ein Hamster, ein Wellensittich oder ein Kaninchen steht auf vielen Wunschzetteln, gerade jetzt vor Weihnachten. Was können Eltern tun?

„Tiere sollte man gar nicht verschenken, weder zu Weihnachten noch zum Geburtstag“, sagt Sabine Paffrath, Leiterin des Geesthachter Tierheims. Das Haus an der Lichterfelder Straße gibt darum in der Zeit vom 18. Dezember bis zum 3. Januar prinzipiell keine Tiere ab. „Aber man kann gerne gucken kommen und sich dabei schon mal informieren“, so Sabine Paffrath.

Sich zu informieren, das rät sie dringend allen Eltern, deren Kind sich ein Tier wünscht. Denn häufig wissen Interessierte gar nicht, was man dabei beachten muss. So passiert es dann, wie neulich erst, dass eine komplette Familie ins Tierheim kommt, um sich ein Tier auszusuchen. Und aus allen Wolken fällt, als sich herausstellt, was man dafür alles braucht.

„Kleintiere sind für Kinder eigentlich keine geeigneten Spielgefährten“, sagt Sabine Paffrath. Meerschweinchen und Kaninchen seien eben keine Kuscheltiere, sondern bräuchten den Kontakt zu Artgenossen. Darum sollten sie niemals allein gehalten werden. Das gilt auch für Vögel, die im Schwarm sehr gesellig sind. „Und ein Hamster ist ein Einzelgänger, noch dazu nachtaktiv. Er mag es gar nicht, ständig aus seinem Versteck gerissen zu werde“, erklärt die Tierheimleiterin. Nur Farbratten mögen den Kontakt zu Menschen, spielen gern – aber bei Eltern haben die Nachfahren der hochgezüchteten Laborratten in der Regel kein gutes Image. Und: Sie sind sehr anfällig für Tumorkrankheiten.

„Kleintierhaltung ist außerdem sehr aufwendig“, sagt Sabine Paffrath. Die Tiere müssen nicht nur gefüttert werden, auch die Käfige sind regelmäßig zu reinigen. Eltern müssen sich darüber im Klaren sein, dass diese Arbeit des Öfteren an ihnen hängen bleiben wird. Auch Tierarztbesuche und -kosten sind zu bedenken: Können wir uns das leisten, haben wir die Zeit und die Lust dazu?

Das gilt auch für Katze und Hund. „Wobei eine Katze für den Einstieg eigentlich am besten ist, denn sie ist sehr selbstständig“, sagt die Expertin. Eine Katze braucht keinen Käfig, wohl aber ein Katzenklo – und im besten Fall auch Freilauf im Garten, wo sie Artgenossen treffen. „Katzen, die nur in der Wohnung leben, vermitteln wir darum nur zu zweit“, so Paffrath.

In Familien, die einen Hund aufnehmen, sollten sich die Eltern darüber im Klaren sein, dass die Verantwortung bei ihnen liegt, auch wenn sie voll berufstätig sind. Oft hat Sabine Paffrath schon gehört: „Dann geht unser Kind eben immer nach der Schule mit dem Hund raus.“ Viele Kinder seien mit dieser Pflicht aber überfordert, außerdem könne zu viel passieren, beispielsweise bei Angriffen anderer Hunde. „Ich hätte Bedenken, ein zwölf- oder dreizehnjähriges Kind allein mit dem Hund Gassi gehen zu lassen“, sagt die Tierheimleiterin. Hinzu kommt: Eine Katze kann bis zu 20 Jahre alt werden, eine Schildkröte noch viel älter. Wenn die Kinder ausziehen, bleiben die Tiere oft bei den Eltern. Und sind sie dann immer noch willkommen?

Rat der Expertin: Eltern sollten mit ihren Kindern über den Tierwunsch sprechen. „Den Kindern muss klar sein, dass ein Tier kein Spielzeug ist, dass es Pflege und Rückzugsmöglichkeiten braucht.“ Ein Besuch im Tierheim könnte sich anschließen – zunächst ohne Kinder, um sich zu informieren und erste Tiere kennenzulernen. Vor dem Kleintierkauf im Zoogeschäft warnt Sabine Paffrath: Hamster, Kaninchen und Co. werden dort meist nicht nach Männchen und Weibchen getrennt. So manche Familie war schon überrascht, als sich im Käfig dann plötzlich Nager-Nachkommen tummelten. „Und die landen dann bei uns“, weiß Sabine Paffrath aus Erfahrung.

Das Tierheim an der Lichterfelder Straße 20 ist Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Telefon.: (04152) 743 11.