Unterkünfte

Deutlich mehr Asylbewerber nach Geesthacht

Geesthacht. Geesthacht stellt sich für die nächste Zeit auf einen erhöhten Andrang an Asylbewerbern ein, die demnächst in der Stadt untergebracht werden. Mehr als 2000 Flüchtlinge müssen zusätzlich in Schleswig-Holstein untergebracht werden.

Jahrelang stagnierte die Zahl der Asylbewerber. Doch die Konflikte in der arabischen Welt und neue Ströme von Asylbewerbern aus dem Balkan sorgen seit Wochen für überfüllte Unterkünfte im ganzen Land. Der Andrang ist so groß, dass jetzt die Kommunen gefordert sind. „Die Gemeinschaftsunterkunft in Gudow ist voll. Deshalb müssen wir jetzt verstärkt auf die Gemeinden umverteilen“, sagt Karsten Steffen, Sprecher des Kreises Herzogtum Lauenburg.

Auch Gessthacht bereitet sich vor. „Wir bekommen seit Monaten Mitteilungen, dass wir uns erstmals seit langer Zeit auf steigende Bewerberzahlen einstellen müssen“, sagt Christoph Wieck, Leiter des Fachdienstes Soziales im Geesthachter Rathaus. Mehr als 2000 Flüchtlinge müssen zusätzlich in Schleswig-Holstein untergebracht werden, zwölf von ihnen sollen auf jeden Fall in Geesthacht einquartiert werden. „Da wir rechtzeitig planen können, stellt uns das vor keine Probleme“, sagt Wieck. Derzeit seien bereits 510 Asylbewerber in der Stadt untergebracht. Sie leben in städtischen Wohnungen oder in angemietetem Wohnraum bei der Deutschen Annington, wie Wieck betont.

Auch die Stadt Lauenburg rechnet mit einer vermehrten Zuweisung, ohne genaue Zahlen zu kennen.

„Weil wir keine Container aufstellen wollen, müssen wir Wohnungen anmieten. Das steigert unsere Kosten im Sozialbereich erheblich“, hatte Bürgermeister Andreas Thiede bereits vorletzte Woche im Hauptausschuss berichtet.

Fast 10.000 Menschen stellten im Oktober bundesweit einen Asylantrag – das waren 50 Prozent mehr als im September und 140 Prozent mehr als im Oktober vergangenen Jahres. Damit haben im bisherigen Jahr – mit rund 50.000 Menschen – bereits mehr Personen einen Asylantrag gestellt als gesamten Vorjahr (rund 46.000).

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums stammt der größte Anteil an Asylbewerbern derzeit aus Serbien und Mazedonien, ein Auslöser sei der Wegfall der Visapflicht.

Die aktuellen Zahlen sind allerdings noch weit entfernt von dem Flüchtlingsansturm, den Deutschland in den 90er-Jahren erlebte: Im Rekordjahr 1992 wurden mehr als 400.000 Asylsuchende registriertSeitdem ist die Zahl deutlich geschrumpft.

Politiker stimmen gegen Ansiedlungsprogramm

In diesem Zusammenhang haben sich Geesthachts Sozialpolitiker mehrheitlich gegen die Unterstützung der Initiative „Save me“ ausgesprochen. Die Uno sucht in Neuansiedlungsprogrammen (Resettlement) für 180.000 Menschen im Jahr einen neuen Ort zum Leben. „Im Gegensatz zu den USA, Australien, Schweden und Kanada hat sich Deutschland an diesem Programm bisher im Prinzip nicht beteiligt“, sagt Reinhard Pohl vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein. Gemeinsam mit Peter König von der evangelischen Gemeinde Geesthacht hatte er deshalb im Sozialausschuss im Juni die Initiative „Save me“ vorgestellt, die eine unbürokratische Aufnahme von Flüchtlingen im Kreis vorsieht. Christoph Wieck, Fachdienstleiter Soziales, kündigte jetzt allerdings an, dass 2013 zusätzliche Asylbewerber nach Geesthacht kommen. Sven Minge (CDU) meinte: „Solche Entscheidungen sind nicht Aufgabe einer Stadt.“