Helmholtz-Zentrum

Windkraft statt Schweröl: Supersegel für Frachtschiffe

Geesthacht (tja). Die Öko-Bilanz bei Frachtschiffen ist nicht die Beste. Viel Treibstoff - oft Schweröl - ist nötig, um die schweren Tanker übers Meer zu bringen.

Die Vorstellung, ein Segel könnte ein schweres Handelsschiff allein mithilfedes Windes über die Wellen zu bringen, erscheint da utopisch. Ist sie aber gar nicht. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG) beteiligen sich jetzt an einem Forschungsprojekt der Europäischen Union. Das "Sail" (englisch: Segel) genannte Projekt kümmert sich um die Erforschung der Möglichkeiten, einen Windantrieb für Handelsschiffe zu nutzen. Das HZG soll aus seinen umfangreichen Datenbanken die Grundlagen liefern, wo welcher Wind weht und wo diese neue Technik zum Einsatz kommen könnte. Die Geesthachter Forscher können auf über Jahrzehnte gesammelte Daten zurückgreifen.

Anke Spoorendonk (SSW), Ministerin für Justiz, Kultur und Europa, hat an Dr. Volker Matthias und seine Kollegen der Arbeitsgruppe Umweltchemie jetzt einen Förderbescheid des Landes über 25 000 Euro überreicht, damit das HZG seinen Eigenanteil für das EU-Projekt aufbringen kann.

"Wir können mithilfe unserer Daten Animationen entwickeln, die zeigen, wie sich Schadstoffe von Frachtschiffen je nach Wind- und Wetterlage auch abseits der Meere ausbreiten", erklärt Matthias. So sei es nicht ungewöhnlich, dass die Schadstoffe sogar bis Berlin oder München ziehen. "Die Schadstoffe werden über große Entfernungen verdriftet", sagt Matthias. Im Rahmen des "Sail"-Projekts soll geklärt werden, was an Schadstoffen eingespart werden könnte. Von 2016 an sollen alle Schiffsneubauten zudem mit deutlich geringerem Schadstoffausstoß fahren. Allerdings, so Matthias: "Die Frachtschifffahrt wächst, es sind deutlich mehr Schiffe unterwegs. So sorgen die geänderten gesetzlichen Vorschriften dafür, dass weniger Schadstoffe ausgestoßen werden, viele neue Schiffe aber einen zusätzlichen Beitrag leisten."

Die Idee ist, den modernen Handelsschiffen effektive Segel zu verpassen. Dann könnte statt mit Schweröl auch mit der Kraft des Windes gefahren werden - was die Umwelt schont. Prototypen gibt es bereits. Das EU-Projekt soll aber auch zeigen, wie die Schiffe der Zukunft aussehen könnten und welche Geschäftsmodelle die neue Technik bietet, so Matthias. Letztendlich würden davon auch die Reedereien profitieren, die geringere Kraftstoffkosten hätten.

Im Programm "Sail" sind neben dem Helmholtz-Zentrum 17 Partner aus sieben Staaten gemeinsam aktiv.