Gutachten

Fährt der Rettungsdienst bald unter neuer Regie?

Geesthacht (tja). Bleibt der Rettungsdienst im Kreis Herzogtum Lauenburg beim Deutschen Roten Kreuz (DRK)? Oder muss sich der Kreis nach 50 Jahren einen neuen Dienstleister suchen?

Diese Konsequenz könnte möglicherweise das jetzt vorgelegte Rettungsdienst-Gutachten des Bonner Büros "Forplan" zur Folge haben. So kommen die Gutachter zu einem Mehrbedarf von 15 Prozent bei den Kapazitäten des Rettungsdienstes. Allein dieser Mehrbedarf oder auch bereits eine wesentliche Änderung des Rettungsdienst-Vertrages würden eine europaweite Ausschreiung erfordern, legen mehrere Urteile nahe. Das würde bedeuten, dass sich in Kürze auch andere interessierte Anbieter als der DRK-Kreisverband um die Übernahme des Rettungsdienstes im Lauenburgischen bewerben könnten.

"Allein die Mehrleistung hätte ein finanzielles Volumen von einer Million Euro. Das ist natürlich für viele Anbieter interessant", sagt der Vorsitzende des Kreis-Innenausschusses, Norbert Brackmann (CDU).

Er sieht aber noch ein ganz anderes Problem in der aktuellen Struktur. In Geesthacht, wo viele Rettungswagen (RTW) mit Patienten das Krankenhaus ansteuern, ist oftmals eine große Dichte an RTW vorhanden. Die Leitstelle schickt - unterstützt durch ein Navigationsprogramm - immer den RTW zum Einsatzort, der den kürzesten Weg hat. So sind die Helfer in Geesthacht im Schnitt nach 4,8 Minuten beim Patienten. Allerdings: Wenn ein RTW der Wachen aus Basedow oder Lanken zu einem Notfall in Geesthacht disponiert wird, weil er auf dem Rückweg vom Krankenhaus zu seinem Stützpunkt gerade in der Stadt unterwegs ist, bleiben dessen eigentliche Einsatzbereiche Lanken (mit Schwarzenbek) und Basedow (mit Lauenburg) unversorgt. Denn andere Wagen werden nicht entsprechend verschoben, um die Einsatzgebiete der nach Geesthacht entsandten RTW abzudecken. So müssten Menschen in Lauenburg und Schwarzenbek mitunter länger als nötig auf Hilfe warten.

Beraten wird der Innenausschuss in seiner Sitzung in dem Zusammenhang auch, ob der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes weiterhin in die niedersächsische Elbmarsch ausrücken soll, oder ob sich der Landkreis Harburg dort ein eigenes System organisieren muss.

"Allein die Mehrleistung hätte ein Volumen von einer Million Euro."

Norbert Brackmann (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses