Öffentlicher Dienst

Mit frischen Ideen gegen das verstaubte Image kämpfen

Geesthacht (ger). Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt, Ingenieure lassen sich nur mit hohen Prämien ins Unternehmen locken: Die Wirtschaft klagt über einen zunehmenden Fachkräftemangel.

Ein Trend, den jetzt auch die öffentliche Verwaltung immer mehr spürt - denn schreibt das Rathaus eine Stelle aus, landen zunehmend weniger Bewerbungen auf dem Schreibtisch. So dauerte es über ein Jahr, bis in Geesthacht eine vakante Sozialpädagogenstelle besetzt werden konnte, große Schwierigkeiten hatte die Stadt auch, einen qualifizierten Tiefbauingenieur zu finden. "Studien warnen vor einer großen Personallücke im öffentlichen Dienst", sagte Stadt-Sprecher Torben Heuer jetzt im Hauptausschuss. "Die Verwaltung überaltert, die Zahl der Bewerber nimmt ab - und die Konkurrenz mit der freien Wirtschaft um die besten Kräfte nimmt zu", sagte Heuer und betonte, dass aktives Personalmarketing im Geesthachter Rathaus künftig einen höheren Stellenwert genießen muss. So gehen Studien davon aus, dass in wenigen Jahren bis zu 40 Prozent der Stellen im öffentlichen Dienst kaum mehr zu besetzen sind.

Wichtigstes Ziel des Personalmarketings muss es sein, das Image der Verwaltung zu verbessern. Denn nicht selten bewerben sich qualifizierte Kräfte lieber in einem Unternehmen, weil der öffentliche Dienst als zu verstaubt gilt. "Dabei haben öffentliche Arbeitgeber ein Spektrum von mehr als 100 Berufen zu bieten, das wissen viele gar nicht", so Heuer.

Die Stadt setzt beim Personalmarketing vor allem auf das Internetportal www.berufe-sh.de in dem 31 schleswig-holsteinische Kommunen auf Initiative des Städteverbandes ihre freien Stellen bewerben - und die Berufe vorstellen.

Der Ausschussvorsitzende Walter Bödeker (CDU) machte allerdings auch deutlich, dass Stellenausschreibungen im Internet allein nicht ausreichen. "Die Verwaltung sollte eine Brücke zu unseren Schulen schlagen und dort Werbung für die Ausbildung machen." Kathrin Wagner-Bockey (SPD) setzt auch auf "weiche Faktoren", um die Verwaltung attraktiver zu machen: "Wir sollten klären, ob es möglich wäre, den Mitarbeitern auch Heimarbeitsplätze anzubieten." Zudem sollte ein Betriebskindergarten für die Kinder der Verwaltungsmitarbeiter angedacht werden. Einen entsprechenden Antrag will die SPD in die Ratsversammlung einbringen.