Steinpilz und Co.

Sonniger Start in die Pilzsaison

Geesthacht. Eigentlich ist es noch ein bisschen früh. Die Pilzsaison geht ja erst los. Doch Karl Hermann Dünow ist ein leidenschaftlicher Sammler, freut sich schon so sehr auf Steinpilze, Maronen und andere Leckereien.

Deshalb ist er dieser Tage im Stadtwald nahe Hamwarde unterwegs. Schon als Kind hat er hier mit seiner Mutter Pilze gesammelt. "Einmal bin ich mit einem Riesenschirmpilz heimgekommen. Da war ich stolz, denn der war so groß wie ein kleiner Regenschirm", erinnert sich der 69-Jährige. "Solche Pilze schmecken paniert und gebraten wie Kalbfleisch."

Der Weg läuft vom Parkplatz an der Hansastraße nahe dem Kreisel direkt in den Wald hinein. Es ist noch früh, die Sonne steht tief. Das Licht bricht sich in taunassen Spinnennetzen und auf dem feuchten Laub. Es riecht nach Erde, Gras und Holz. Der Blick von Karl Hermann Dünow schweift über den Wegesrand. Viele Pilze finde man nämlich direkt am Weg. Sie brauchen feuchte Erde und etwas Licht. "Steinpilze wachsen in der Regel bei Eichen. Wenn außerdem Gras und Buchen in der Nähe sind, sind das die idealen Bedingungen", sagt Dünow. Auf dem Waldboden in Geesthachts Norden liegen kleine Tannenzapfen. An den Baumwurzeln wächst Moos. Plötzlich bleibt Karl Hermann Dünow stehen und zeigt auf eine braunorange Kugel im Boden. "Das ist ein Kartoffelbovist", informiert der Kenner, zückt sein Messer, trennt die Kugel vom Myzel und schneidet sie durch. Innen kommen schwarze Körner zum Vorschein. "Im Gegensatz zu einigen anderen Baumpilzen, ist dieser hier giftig." Deshalb kommt er nicht in Dünows kleines Körbchen.

"Ich kam 1949 mit meinen Eltern als Flüchtling nach Geesthacht", erzählt der weißhaarige, hoch gewachsene Mann im Weitergehen. Bis 1964 habe er erst im Lager Sandstraße und später in der Ostlandsiedlung gelebt. Danach ging Dünow zur Bundeswehr und kam viel herum: In Münster, Bonn, sogar in Brüssel war er stationiert. Doch sein Vater und die Liebe lockten ihn 2002 zurück nach Geesthacht.

Den sogenannten "Pilzblick" hat er in dieser Zeit aber nicht verloren. Einmal sei er bei Bonn auf eine so große Ansammlung von Steinpilzen gestoßen, dass das kleine Körbchen ruck zuck voll war. Weil er den Schatz aber nicht stehen lassen wollte, zog Dünow kurzerhand sein Unterhemd aus, knotete die Enden zusammen und packte den so geformten Beutel voll mit seinem Lieblingspilz. "Ich war regelrecht im Pilzrausch", lacht der Senior. Der Steinpilz entwickle beim Braten einen herrlich nussigen Geschmack. Doch er hat wenig Hoffnung jetzt schon Steinpilze zu finden, dafür sei es noch zu trocken. Aber es gibt viele andere schmackhafte Sorten, wie Maronen, Butter- oder Spargelpilze oder sogar Anischampignons. Die schmecken nach Lakritz.

Wieder hält Dünow an. Vor seinen Füßen wächst ein beiger Pilz mit flachem Schirm und dünnem Stil. "Ich glaube, das ist ein Schwindling", sagt Dünow. Da er sich aber nicht ganz sicher ist, lässt er ihn stehen. "Ich nehme nur Pilze, die ich genau bestimmen kann." Deshalb habe er auch noch nie eine Pilzvergiftung gehabt. Noch eine ganze Weile spaziert Dünow durch den Wald. "Beim Pilzesuchen braucht man Geduld, genau wie beim Muschelnsammeln. Aber man merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht. Und am Ende hat man meist ein Erfolgserlebnis." So auch dieses Mal: Etwas abseits des Weges blitzt durch die Zweige eine kleine Kolonie weißer, länglicher Spargelpilze (Schopf-Tintlinge), die allesamt in Dünows Körbchen und später in die Pfanne wandern.

Jedem, der einmal selbst auf Pilzsuche gehen möchte, empfiehlt Karl Hermann Dünow, sich mit einem guten Buch auszustatten, um die Pilze richtig zu bestimmen, zum Beispiel "Pilze: Unsere wichtigsten Speise- und Giftpilze Sicher bestimmen - Verwechslungen vermeiden", Verlag: BLV, Preis: 4,95 Euro. Und wenn der Korb voll ist: "Pilze. Genuss aus dem Wald", Verlag: GU, Preis: 16,99 Euro.