Cabrio-Verdecke

Die Firma für Autos oben ohne

Geesthacht. "Für mich gehört er einfach zum Lebensstil", sagt die in Geesthacht lebende Künstlerin Maggie Szuszkiewicz. Sie spricht von ihrem amerikanischen Cabrio Chrysler Sebring - und vielen Gleichgesinnten aus der Seele.

Denn nun rollten sie wieder auf Geesthachts Straßen: die Cabrios. Ob Smart, VW Käfer, Mercedes oder Porsche - bei Sonnenschein und blauem Himmel zelebrieren die Cabrio-Fahrer das Autofahren ohne Dach.

"Gerade in Norddeutschland, wo nicht immer die Sonne scheint, offenbart sich die wahre Qualität eines Cabrios in seinem Verdeck", sagt Markus Lange. Der 38-Jährige ist Geschäftsführer einer Firma, von der kaum ein Geesthachter jemals gehört hat: Die an der Düneberger Straße 111-113 ansässige Aresma GmbH spezialisiert sich auf Herstellung und Nachbau von Cabrio-Verdecken für fast alle Fabrikate. Das Unternehmen, eines von sechs seiner Art in Deutschland, zählt neben den Produzenten für die Autohersteller zu den größten in Europa.

Die 1975 in Kirchwerder gegründete und in Hamburg Altona geführte Firma begann mit Innenausstattungen alter Fahrzeuge. 1991 wurde Geesthacht als Standort gewählt und die Firma spezialisierte sich auf die Produktion von Cabriolet-Verdecken. Die Zahl der Kunden, die direkt bei Aresma auf den Hof kommen, um Verdecks für ihre Cabrios zu kaufen, schwankt heute jährlich zwischen 80 und 120.

"5000 maßgeschneiderte Verdecke gehen jedes Jahr bei uns raus", sagt Markus Lange. Und zwar in alle Welt. Und so werden in seinem 15-köpfigen Team viele Sprachen gesprochen. Neben Englisch ist auch Französisch, Italienisch und Norwegisch darunter. Laut Lange sind Frankreich, Italien und Großbritannien die größten Cabrio-Märkte. Aber auch in Norwegen gewinnt das Cabrio-Fahren an Popularität.

Um die schicken Verdecks herzustellen arbeiten in der Aresma-Produktionshalle Industrie-Näherinnen, Spezialisten für Textil- und Glasbetrieb und Hightech-Steuerung zusammen. "Alles beginnt und endet mit dem Stoff. Der Rest ist Verarbeitungsqualität", so Markus Lange. Als Materialien werden PVC und Textilstoff verwendet. Beide müssen gummiert, imprägniert und kaschiert werden. Das geschieht in einer Partnerfirma bei Dresden. Dann werden die Stoffe in Geesthacht zu Verdecken verarbeitet. Schwarz dominiert zwar als Farbe, aber auch Dunkelblau und Koralle werden häufiger gewählt. Auf dem zehn Meter langen und drei Meter breiten Industrie-Schneidetisch der Geesthachter Firma werden computergesteuert die Verdeckteile geschnitten, danach zusammen genäht - so, dass sie ideal auf die Gestelle der Automarke passen und die richtige Spannung haben.

Eine "Wissenschaft für sich" stelle die Herstellung von Verdecken mit beheizten Heckscheiben dar, so Lange. "Hier wird die Verbindung von Stoff und Glas, Näh- und Klebetechnik zur Herausforderung", betont er. Ein Cabrio-Verdeck hält im Durchschnitt acht Jahre. Cabrios, die nicht gepflegt und unter freiem Himmel geparkt werden, kann die Witterung schneller zusetzen.