Kritik

320 000 Euro für ein neues Feuerwehrauto

Geesthacht. In Geesthacht gilt die höchste Risikoklasse. Zu diesem Ergebnis kommt der Feuerwehrbedarfsplan des Landes - und stützt sich dabei auf die Art der Bebauung, die Einwohnerzahl und die Betriebe.

Entsprechend gut muss die Feuerwehr ausgerüstet sein, um optimale Hilfe leisten zu können. Und dafür muss die Stadt einiges investieren - so haben Geesthachts Politiker jetzt überplanmäßig 320 000 Euro freigegeben, um außer der Reihe ein neues Löschfahrzeug zu kaufen. Ob dieser Schritt sinnvoll war, ist jedoch fraglich.

So fordert der Feuerwehrbedarfsplan für die Geesthachter Feuerwehr eine Ausrüstung mit 556 Punkten, die sich aus einsatztaktischen Werten der Fahrzeuge zusammensetzen. Doch derzeit erreicht die Geesthachter Wehr gerade einmal 380 Punkte, weil Spezialfahrzeuge, wie der Rüstwagen (RW) keine oder wie das Tanklöschfahrzeug (TLF) nur wenige Punkte bringen. Sie bieten aber anderen Nutzen, etwa viel Löschwasser oder besondere technische Geräte.

Um Abhilfe zu schaffen, hatte der Ausschuss für Bau und Verkehr schon 2011 beschlossen, in diesem Jahr als Ersatz für ein schlecht bewertetes TLF (60 Punkte) ein besser bewertetes Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF, 135 Punkte) zu kaufen. Jetzt lag dem Ausschuss ein neuer Antrag vor: Plötzlich fordert das Ordnungsamt ein zweites HLF - als Ersatz für einen Rüstwagen. Damit ließe sich die negative Punktebilanz ausgleichen.

Ordnungsamtschef Heiko Holler präsentierte im Fachausschuss eine Vorlage mit zahlreichen Hinweisen, weshalb das HLF mit einer überplanmäßigen Ausgabe in Höhe von 320 000 Euro unbedingt noch in diesem Jahr bestellt werden sollte. So würde bei Bestellungen ab 2013 die strenge Euro 6-Norm für Lastwagen gelten. Die Technik würde nicht nur Mehrkosten von etwa 30 000 Euro bedeuten, sondern auch 200 Kilo Gewicht und angeblich ein Volumen von einem Kubikmeter für einen Abgasverbrenner im Fahrzeug benötigen. Platz und Gewicht, das der Feuerwehr für die Ausrüstung fehlen würde. Allerdings: In Fachkreisen wird diskutiert, Feuerwehrfahrzeuge wegen der geringen Kilometerleistungen mit einer Ausnahme von der Euro 6-Norm auszustatten. Das blieb aber in der Präsentation im Ausschuss unerwähnt.

Vor allem die 30 000 Euro günstigeren Anschaffungskosten überzeugten schließlich die Ausschussmitglieder. Einstimmig stimmten die Vertreter aller Fraktionen der überplanmäßigen Mittelbereitstellung zu.

Ob die teure Ausgabe der Wehr wirklich mehr Schlagkraft verleiht, ist dagegen unklar: So kann Geesthachts Feuerwehr nicht überall die geforderte Hilfsfrist von zehn Minuten zwischen Alarmierung und Eintreffen am Brandort einhalten. Für diesen Punkt haben aber weder Politik noch Verwaltung bisher Lösungen erarbeitet. Dabei ist das Thema längst bekannt. Fakt ist: Das Neubaugebiet Finkenweg-Ost, das Gewerbegebiet-Nord und die geplante Umgehungsstraße können von der Feuerwache am Kehrwieder aus nicht schnell genug erreicht werden. Daran ändern auch das zweite HLF nichts.