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Methadon-Programm hat Zulauf

Geesthacht. Die Methadon-Ambulanz im Johanniter-Krankenhaus ist im vergangenen Jahr erheblich gewachsen. Etwa 80 Menschen, rund 20 mehr als noch 2010, bekommen hier jetzt den Heroin-Ersatzstoff, der ihnen einen Weg aus der Drogensucht in ein stabiles Leben ebnen soll.

Dass mehr Menschen zur Ambulanz kommen, bedeute aber nicht, dass es mehr Drogenabhängige in der Region gibt, sagt der Neurologe Dr. Matthias Follak: "Unsere Akzeptanz und die Bekanntheit sind gewachsen. Gerade unter Migranten, die uns jetzt zunehmend aufsuchen." Follak will aber nichts beschönigen. "Der Batzen derer, die süchtig sind und nicht kommen, ist immer noch groß genug."

Drogenabhängige, die in der Ambulanz substituiert werden, sind zu 80 Prozent Männer - von 23 bis 57 Jahren. Sie erfahren von Freunden oder dem Hausarzt von dieser Möglichkeit, sich dem Drogenmilieu zu entziehen. Wer in das Methadon-Programm aufgenommen wird, ist mindestens ein Jahr heroinabhängig. Vierzehn Tage lang erfolgt die Einnahme des Substituts täglich unter Aufsicht, im Anschluss zwei bis drei Tage pro Woche. Eine Dosis für maximal sieben Tage dürfen die Menschen, wenn sie sich als vertrauenswürdig erweisen, mit nach Hause nehmen.

Immer wieder fordert die Arbeit von Dr. Follak und seiner Kollegin Bärbel Wintzer ihre Menschenkenntnis, psychologisches Geschick und die Grenzen ihrer Belastbarkeit heraus. Gerade nach dem Tod der elfjährigen Chantal aus Hamburg im Januar, die an einer Methadon-Vergiftung starb, ist die Sensibilität noch einmal gestiegen. "Mit jenen, die Kinder haben, sprechen wir immer wieder darüber, wo sie das Methadon zu Hause verwahren", sagt Wintzer. Den Ersatzstoff überhaupt nicht mehr mit nach Hause zu geben, sei aber keine Lösung.

"Die Menschen, die zu uns kommen, sind sehr verschieden. Viele stehen im Berufsleben, können nicht täglich kommen." Außerdem bekomme man Methadon am Hauptbahnhof an jeder Ecke. Die Gefahr sei deshalb groß, dass sich Süchtige dann unreines Methadon illegal besorgen.

Beikonsum von Drogen ist bei etwa 50 Prozent der Substituierten ein Problem. "Das geht über Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Koks und Alkohol", sagt Follak. Sein Ziel ist es, dass die Betroffenen offen mit ihm sprechen, Willen zeigen, etwas zu ändern. Die Beziehung von Arzt und Abhängigen reicht zuweilen bis in den Tod. Denn wenn es den Abhängigen schlechter geht, kommen Wintzer und Follak zu ihnen nach Hause. "Die aufsuchende Arbeit hat zugenommen", sagt Wintzer, die weiß: Ein Drogenabhängiger, der 50 Jahre wird, ist alt. Eine oft langjährige Abhängigkeit und gerade die Einnahme gestreckter Substanzen führt zu Organschäden, HIV-Infektionen oder Hepatitis. Jemand, der es allerdings rechtzeitig schafft, auf eine geringe Menge Methadon umzusteigen, könne damit durchaus 90 werden, so Follak.