Brauchtum

Ein Schloss für die ewige Liebe

Geesthacht. Eine Tradition aus Italien breitet sich jetzt auch in Geesthacht aus: die Liebesschlösser (Lucchetti dell’Amore). Das sind Vorhängeschlösser, die von Jungverliebten an Brücken angebracht werden. Danach wird der Schlüssel ins Wasser geworfen – um symbolisch die ewige Liebe zu besiegeln.

Auch an Geesthachts Hafenbrücke, die von den Sitzterrassen in Höhe Elbstraße zum Menzer-Werft-Platz führt, verewigen sich immer mehr Liebespaare mit diesem ungewöhnlichen Liebesschwur. Knapp 20 Vorhängeschlösser, einige mit Initialen und Daten, anderen mit eingravieren Herzen, hängen bereits an dem Schutzgitter unterhalb des Handlaufes. Und es werden stetig mehr.

Die genaue Herkunft des Brauches ist unklar, der Ausgangspunkt in Europa ist sehr wahrscheinlich Italien. Vermutlich hatten dort Absolventen der Sanitätsakademie San Giorgio in Florenz zum Ende ihrer Ausbildungszeit die Vorhängeschlösser ihrer Spinde an der Brückenlaterne auf der Milvischen Brücke, die in Rom über den Tiber führt, befestigt. Ein Symbol, das dann wohl auch von den Verliebten Roms übernommen wurde. Der Brauch wurde durch den Bestseller-Roman „Drei Meter über dem Himmel“ (2002) und der Fortsetzung „Ich steh auf Dich“ (2006) von Federico Moccia und der Verfilmung des Stoffes bekannt gemacht. In der Geschichte schwören sich die beiden Protagonisten ewige Liebe und befestigen ein Schloss an der zentralen Brückenlaterne, den Schlüssel werfen sie danach gemeinsam in den Tiber.

Wann genau dieser Trend in Geesthacht angekommen ist, ist unklar. In letzter Zeit fällt jedoch auf, dass neue Schlösser am Brückengeländer der Hafenbrücke hängen. „Schweini & Lene“ haben sich ebenso verewigt wie „N & K“, für die der 22. Oktober 2011 ein besonderer Tag ist. Das romantische Ritual und der Ausspruch „per sempre“ (für immer) hat im wahrsten Wortsinn an der Elbe seine Anhänger gefunden.

In Deutschland gab es im Sommer 2008 die ersten Liebesschlösser an der Kölner Hohenzollernbrücke, es ist derzeit der bekannteste Ort in der Bundesrepublik für diesen Brauch. Die Auswirkungen werden lokal teilweise kontrovers diskutiert. In Rom verbot der Bürgermeister 2007 das Anbringen von Schlössern bei Strafe, nachdem eine Laterne unter der Last der Schlösser umgeknickt war. In Venedig und Berlin ist das Anbringen an Brücken strikt verboten, in Venedig kann das Anbringen eines Schlosses bis zu 3000 Euro Bußgeld kosten. In Berlin ist es eine Ordnungswidrigkeit und es können Verwarnungsgelder bis zu 35 Euro erhoben werden. In Köln wird unterdessen der fördernde Einfluss auf den Tourismus gelobt. 40.000 Schlösser hängen schon an der Hohenzollernbrücke. Die Band „Höhner“ thematisiert die Liebesschlösser an der Kölner Brücke 2009 mit dem Lied „Schenk mir dein Herz“.

So weit ist der Trend in Geesthacht noch lange nicht. „Wir tolerieren die Schlösser, behalten uns aber vor, wenn an der Brücke Arbeiten nötig sind, bei denen sie stören, die Schlösser zu entfernen. Etwa, wenn es um einen Korrosionsschutzanstrich geht“, sagt Torben Heuer, Sprecher der Stadtverwaltung. „Wenn es mit den Schlössern überhand nehmen sollte, werden wir das Thema erneut beraten.“ Statische Probleme sieht er bisher nicht.