Das Thema der Kirche

Nur für sieben Wochen

Ich mag keine Neujahrsvorsätze. Ehrlich gesagt, möchte ich meine kleinen Schwächen gar nicht vollständig aufgeben.

Und vor allem: Ich finde es enorm frustrierend, spätestens Mitte Januar zugeben zu müssen: Es klappt schon jetzt nicht. Und weg ist der Vorsatz, denn das Jahr wird ganz schön lang und das Leben - hoffentlich - auch.

Vorsätze für die Fastenzeit haben da einen klaren Vorteil: Sie sind nur für sieben Wochen! Für sieben Wochen kann ich fast alles schaffen: Die Klassiker "7 Wochen ohne" - kein Wein, keine Zigarette, kein Fernsehen. Oder "7 Wochen mit" - Gebet, Aufmerksamkeit für die anderen, Sport... Die Fastenaktion der evangelischen Kirche heißt in diesem Jahr: "7 Wochen ohne Zaudern" - sich beherzt entscheiden, Dinge angehen, die ich viel zu lange haben schleifen lassen.

Die Möglichkeiten sind fast unendlich. Was mich zum Mitmachen reizt, sind die sieben Wochen. Sieben Wochen sind nicht leicht, aber überschaubar. Sieben Wochen traue ich mir zu. Sieben Wochen lang kann ich Gewohnheiten unterbrechen, Dinge neu schätzen lernen - oder merken, weniger ist mehr. Für sieben Wochen kann ich in einem Punkt anders leben. Für Menschen in der Kirche sind die sieben Wochen eine Zeit zum Umkehren. Aus den Sackgassen, in die ich mich verrannt habe. Umkehren heißt, neu schauen, wo die richtige Richtung ist. Welcher Weg mich zum Ziel führt. Der Mensch sein, der ich eigentlich sein könnte. Die nächsten sieben Wochen kann ich nutzen, um das zu versuchen. Wenigstens in einem Punkt.

Tina Maria Hoffmann, Pastoralreferentin, Kathol. Pfarrei Seliger Niels Stensen, Reinbek

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Geesthacht