Ökologie

Kritik an Vattenfalls Plan für Fischtreppe

Geesthacht. Kann die von Vattenfall am Geesthachter Stauwehr geplante Fischaufstiegsanlage die an sie gerichteten Anforderungen erfüllen oder nicht?

Diethelm Breker zumindest sagt Nein. Der Diplom-Ingenieur der Ökofisch GmbH aus dem westfälischen Höxter bekommt dabei Unterstützung vom Fischereibiologen Dr. Ulrich Werder aus Wentorf, der sich weltweit um Fischaufstiegsanlagen kümmert.

"Seit 1981 beschäftigen wir uns mit der Planung und dem Bau von Fischtreppen, vor allem aber auch mit deren Weiterentwicklung", sagt Breker. "Unsere Erfahrung im Umgang mit Fischen und die knapp 30 Jahre Fischpassbau und Forschung auf diesem Gebiet haben gezeigt, dass die konventionellen Aufstiegsanlagen zwar das 'grüne Auge' des Betrachters befriedigen, aber eher schlecht als recht funktionieren." Er ist sich sicher, dass die von Vattenfall geplante Fischaufstiegsanlage am rechten Elbufer vor dem Wehr nicht dem Stand der Technik entspricht. "Die spekulativen Annahmen haben das Projekt kostenträchtig aufgebläht", sagt Breker. Die Geesthachter Anlage sei auf der Grundlage eines vor 15 Jahren errichteten Fischpasses in Bremen mit Prallwänden und Doppelschlitzen konzipiert worden. Breker: "Sie wird sicher halbwegs funktionieren, doch die unnatürlichen Strömungsverhältnisse in den Stahl- und Betonbecken verscheuchen die Wanderfische mehr als sie sie animieren", fürchtet der Experte.

Die Firma Ökofisch ist zudem der Meinung, dass ein Fischpass am Stauwehr zusammen mit dem von der Geesthachter Stadtwerke GmbH geplanten Laufwasserkraftwerk funktionieren könne. Für die Wanderung der Fische biete das Kraftwerk durch die geänderten Strömungsverhältnisse sogar noch Vorteile. "In diesem Fall würde sich nicht nur der ökologische Ausgleich für das Kohlekraftwerk in Moorburg verbessern. Auch die Erzeugung regenerativer Energie käme dazu. Es wäre sehr schade, wenn ein so wertvoller Standort für die Wasserkraft verloren ginge", sagt Breker.

Die Ökofisch GmbH hat in der Vergangenheit unter anderem für Wasser- und Schifffahrtsämter an der Weser gebaut und ist derzeit an der Herstellung der "ökologischen Durchgängigkeit" der Havel in Bahnitz und in Rathenow beteiligt _ damit die Fische sich dort wieder wohlfühlen. Insgesamt wurden bisher 46 Projekte verwirklicht. Neben Projekten in Deutschland arbeiten Ökofisch und Dr. Werner auch an einem Joint Venture für den Itaipu-Stausee in Brasilien. "Ich erhielt erst kürzlich die Information, dass ein dem in Geesthacht geplanten Doppelschlitzpass sehr ähnliches Modell an dem brasilianischen Stausee als dermaßen ineffizient und ineffektiv eingestuft werden musste, dass dort jetzt an eine komplette Neukonstruktion gedacht wird", sagt Fischereibiologe Werder.

Ein von der Firma Ökofisch und dem Architekten Hans-Wilhelm Peters entwickeltes Konzept sieht vor, dass am Nordufer des Stauwehrs westlich der Elbbrücke sowohl ein Fischaufstieg als auch die Wasserkraftnutzung realisiert werden könnte. Eine grobe Kostenschätzung geht von 20 Millionen Euro Baukosten aus. Die Entwürfe wurden bereits an Vattenfall geschickt. Der Konzern muss bis 2012 die Funktionalität der Fischtreppe nachweisen, um das umstrittene Kohlekraftwerk in Moorburg starten zu können.