Polizei

Anderen Menschen Unfälle ersparen

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Timo Jann

Ratzeburg. Es waren nur Bruchteile von Sekunden, die das Leben von Polizeidirektor Jürgen Anhalt am 14. August 2007 auf einen Schlag veränderten: Auf dem Heimweg von der Dienststelle in Ratzeburg kam dem 48-Jährigen bei Neuengörs im Kreis Segeberg ein Auto auf seiner Spur entgegen geschleudert.

Bei dem unausweichlichen Zusammenstoß wurde Anhalt so schwer verletzt, dass er erst im November 2008 wieder voll seinen Dienst versehen konnte. Doch noch heute leidet er körperlich unter den Folgen des schweren Unfalls.

Während der Vorstellung der Unfallstatistik für das vergangene Jahr berichtete der Direktionsleiter von seinen Erlebnissen. "Auf einmal bin ich selbst ein schwarzer Strich in der Statistik", so Anhalt, der Chef von 630 Beamten ist. "Es gibt plötzlich so viele Unsicherheiten, wie der Alltag und die Zukunftsperspektiven aussehen", sagte er.

Rückblick zum 14. August 2007: Es ist 19 Uhr, Anhalt ist im Peugeot seiner Frau auf dem Heimweg. Plötzlich schleudert ihm in einer Kurve ein 28-Jähriger mit seinem Toyota entgegen. "Alles, was danach passierte, bot mir unfreiwillig Gelegenheit, auch einmal aus Opfersicht in eine Verkehrsstatistik zu blicken", erinnert sich der Polizeidirektor. Dass er heute noch am Leben ist, verdankt er den Mitarbeitern des Rettungsdienstes und Feuerwehrmännern, die ihn gerettet haben, so Anhalt. Es war ein Kampf um Leben und Tod des in dem zerstörten Peugeot eingeklemmten Polizeichefs.

Durch den Frontalzusammenstoß war der Motorblock ins Fahrzeuginnere eingedrungen, der Polizist am Steuer hatte schwere Verletzungen erlitten. Zwei Stunden lang kämpften die Helfer vor Ort um das Leben des Polizeichefs, erst dann war er transportfähig. Weil der Rettungshubschrauber nicht in der Nähe landen konnte, wurde Anhalt mit einem Rettungswagen in die Uniklinik nach Lübeck gebracht.

Dort begann ein über Monate dauerndes Behandlungsprogramm. Zunächst lag Jürgen Anhalt zwei Wochen lang im Koma. Erst danach waren sich die Ärzte sicher, dass er die schweren Folgen des Unfalls überleben würde.

Es folgten zwölf Operationen, Wochen auf der Intensivstation. Insgesamt sechs Monate lag der Polizeichef im Krankenhaus. Ein weiteres halbes Jahr verbrachte er in einer Rehaklinik. "Und ein Jahr wird die Krankengymnastik wohl noch dauern", erklärt der 48-Jährige, der heute immer noch humpelt.

"Nach diesem Unfall weiß ich, was es für einen persönlich und die Angehörigen bedeutet, Opfer eines schweren Verkehrsunfalls zu sein. Deswegen liegt mir die Verkehrssicherheit sehr am Herzen, damit anderen Menschen dieses Schicksal erspart bleibt", sagte Anhalt bei der Vorstellung der Unfallzahlen für den Direktionsbereich. "Dieser persönliche Eindruck ist für mich ein Beleg, wie wichtig unsere Arbeit zur Verkehrssicherheit ist", so Anhalt. "Was es nämlich bedeutet, Opfer zu werden, kann man kaum in Worte fassen", meint der 48-Jährige und fügt hinzu: "Wenn wir durch unsere Arbeit jemandem dieses Schicksal in Zukunft ersparen, ist das ein großer Erfolg."

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