Musical

Heimspiel für Käpt'n Johnny

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Geesthacht. Seemannsromantik, ein paar norddeutsche Gassenhauer und ein Star in der Hauptrolle: Mit dem Musical "Große Freiheit Nr. 7" erlebten fast 300 Zuschauer im ausverkauften Kleinen Theater einen der Höhepunkte der Theatersaison.

Der war gleichzeitig ein kleines Heimspiel für den Hauptdarsteller: Als singender Seemann stand der aus Börnsen stammende Musicalstar Hardy Rudolz auf der Bühne, der unter anderem in der Titelrolle der deutschen Uraufführung von "Das Phantom der Oper" Maßstäbe gesetzt hatte.

Sie prügeln sich, saufen, fluchen, vergnügen sich mit Prostituierten. Weil der "deutsche Seemann" zu negativ dargestellt werde, war Helmut Käutners Film "Große Freiheit Nr. 7" 1944 verboten worden. 1950 wurde der Unterhaltungsstreifen mit Hans Albers in der Hauptrolle freigegeben und zählt noch heute zu den großen deutschen Filmklassikern. 1984 verwandelte Karl Vibach die Mischung aus norddeutschem Humor, tragischer Liebesgeschichte und Liedern wie "La Paloma", "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" oder "Große Freiheit Nr. 7" in ein Musical, das mit Freddy Quinn in der Hauptrolle uraufgeführt wurde.

Den kernigen Kapitän Johnny Kröger, der durch ein Unglück sein Patent verloren hatte und so zum Stimmungssänger auf der Reeperbahn wurde, gibt in Wilfried Dziallas Inszenierung vom Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin Hardy Rudolz. Der begnadete Sänger und Tänzer zeichnet ein sympathisches Bild vom Seebären Johnny Kröger, der sich unglücklich in eine junge Frau verliebt. Mal ist er harter Kerl, dann charmanter Gentleman, betrunkener Raufbold oder brillanter Unterhalter - Rudolz lässt die Figur des gestrandeten Steuermanns schillern.

Doch nicht nur Rudolz hat Format in diesem Ensemble: Als knallharter Geschäftsmann hinter der Maske des ewigen Lächelns gibt Andreas Auer einen eindrucksvollen Conferencier. Atemberaubend die Gesangseinlagen von Bärbel Röhl als Barchefin. Anita Schröder als ältere Reeperbahn-Dame, ein bisschen verlebt, interpretiert ihre Lieder meisterhaft. Auf der Bühne, die Michael Goden so beeindruckend ausgetüftelt hat, dass sich ein halbes Dutzend Schauplätze aus den Aufbauten zaubern lassen, sitzt die Band, die unter der Leitung von Thomas Möckel für fabelhafte Musik sorgt. Das Publikum dankte es mit Riesenapplaus.

( gux )

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