Theater

Ein Projekt, das viele Impulse gegeben hat

Geesthacht (ro). Mit der Aufführung eines weitgehend unbekannten Stücks des großen Aufklärers ist das Geesthachter Lessing-Jahr im Kleinen Theater zu Ende gegangen.

Insgesamt 40 Veranstaltungen, mehrere Tausend Besucher, viel Aufmerksamkeit und jede Menge Bedenkenswertes - das ist die Bilanz von Stadtarchivar Dr. William Boehart, selbst Lessing-Spezialist.

Die "Popularisierung" des Lessingschen Werks hat sich die Lessing-Gesellschaft zur Aufgabe gemacht, wie ihr Vorsitzender Kurt Römer aus Reinbek sagte. Aufklärerische Gedanken wie die Meinungs- und Glaubensfreiheit spielten auch für das Wertesystem heutiger Gesellschaften eine herausragende Rolle, so Römer.

Im Mittelpunkt des Abends standen "Ernst und Falk". Das "Gespräch für Freimaurer", ein etwa einstündiger Dialog um Stärken, Schwächen und Geheimnisse der Freimaurerei, ist erst vor zehn Jahren auf die Bühne gebracht worden. In Geesthacht wurde eine Neuinszenierung mit Jan Reimitz als Ernst und Ludwig Richter als Falk durch Regisseur Hans-Peter Kurr gezeigt. Das Stück erschließt sich ohne Kenntnis des Textes nur schwer. Wer geglaubt hatte, nach der Vorstellung die ideengeschichtliche Bedeutung der Aufklärung, genauer zu kennen, sah sich notwendigerweise enttäuscht.

Dass die Aufklärung sich so schwer erschließt, liegt auch an der Vereinnahmung durch viele andere geistesgeschichtliche Strömungen, wie Rolf Appel von der Lessing-Gesellschaft in seiner beeindruckenden Einführung in das Werk erläuterte. Linke Strömungen hätten sich immer auf die Aufklärung berufen und selbst die Nazis hätten Teile des Lessingschen Werks für ihre Zwecke missbraucht, so Appel.

Mit dem Ende des Lessing-Jahres wird die Beschäftigung mit ihm nicht aufhören, Impulse sollen weiter verfolgt werden, so Boehart: "Wir werden die Impulse fortsetzen." Und für Kurt Römer ist jetzt schon klar: "Lessing hat noch viel Zukunft."

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