Theater

40 Jahre voller Arbeit - und was dann?

Geesthacht (lm). "40 Jahre - leicht gesagt." So heißt das Stück des deutsch-türkischen Autors Yüksel Pazarkaya, das am Sonnabend im Kleinen Theater Schillerstraße (KTS) zu sehen war.

Mal melancholisch, mal heiter erzählt Pazarkaya die Geschichte zweier Rentner, die vor 40 Jahren aus der Türkei als Arbeitskräfte nach Deutschland kamen. Nun im Ruhestand, blicken beide zurück auf ein arbeitsreiches Leben voll enttäuschter Hoffnungen und geplatzter Träume.

Abwechselnd erzählen Mann und Frau ihre Lebensgeschichte, begleitet von traditioneller, türkischer Gitarrenmusik von Hamdi Tanses. Sie stehen stellvertretend für die Einwanderer der ersten Generation, die als Arbeitskräfte nach Deutschland gekommen und als Menschen geblieben sind. Mit großen Erwartungen hatten sie sich auf den Weg gemacht, wollten sich und ihren Familien eine Existenz in der Fremde schaffen. Doch ihr Leben ist geprägt von Einsamkeit, Entfremdung und Zukunftsangst. Weder in Deutschland noch in der Türkei fühlen sie sich angenommen, der Kontakt zur Familie ist seit Jahren abgebrochen.

Doch auf einer Parkbank finden die beiden zusammen - und Hoffnung auf eine gemeinsame, glückliche Zukunft. "Die Probleme der ersten Generation wurden hier sehr realistisch dargestellt", sagte Ali Demirhan, Fraktionsvorsitzender der Grünen, nach der Vorstellung. Der 43-Jährige lebt seit 1975 in Deutschland. "Es ist sehr mutig und eine Bereicherung für unsere Stadt, ein solches Stück zu zeigen."

Das Besondere: Die türkische Inszenierung wurde auf einem Monitor in Deutsch übersetzt. Zweieinhalb Stunden fesselten Gülten Cakarlar und Umran Ertok das Publikum mit ihrem eindringlichen und bewegenden Schauspiel. Trotz geringer Zuschauerzahl: Am Ende gab es stehende Ovationen für diesen zutiefst ergreifenden, großartigen Theaterabend.

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