Rathaus

Magnus ist der jüngste Archivar

Thomas Heyen

Geesthacht. Junges Blut für das Stadtarchiv: Magnus Nowacki hilft dabei, Ordnung in die Geschichte Geesthachts zu bringen. Der 13-Jährige macht in den Katakomben des Rathauses ein Schulpraktikum.

13-jähriger Schüler absolviert ein Praktikum in den Katakomben des Geesthachter Rathauses.

Seine Klassenkameraden sind derzeit bei der Hauni, in Autowerkstätten oder schauen einem Tierarzt über die Schulter. "Ich interessiere mich für Geschichte, deshalb wollte ich im Archiv arbeiten", sagt Magnus. Der Junge aus Dassendorf, der die Klasse 8 a der Integrierten Gesamtschule Geesthacht besucht, unterstützt Stadtarchivar Dr. William Boehart seit Montag bei der Arbeit, sein Praktikum endet heute. Boehart: "Bisher hatten wir im Archiv kaum Schüler als Praktikanten, sondern Studenten."

Magnus lernt in den fünf Tagen alle Arbeitsbereiche kennen: Er hilft etwa beim Bearbeiten von Bürgeranfragen, die für ihre Ahnenforschung Geburts- oder Sterbedaten benötigen, sortiert alte Schwarz-Weiß-Fotos und Zeitungen. Der Schüler besuchte einen Vortrag über historische Luftaufnahmen im Geesthacht-Museum, arbeitet im Rathaus-Untergeschoss am Laptop und zwischen riesigen Wandschränken, in denen sich Dokumente stapeln.

Mit den ehrenamtlichen Geschichtsforschern des Geesthachter Heimatbundes, die regelmäßig im Archiv arbeiten, sortierte der Junge gestern unter anderem "Nord Sport"-Zeitschriften und Ausgaben des "Geesthachter Wochenblattes" aus den 1920er-Jahren. "Das wurde damals alles in der ehemaligen Druckerei Matzke an der Rathausstraße/Ecke Buntenskamp in altdeutscher Schrift gedruckt", sagt er. In einer Ausgabe der Sportgazette entdeckte er - zur Freude der Archivare - ein "Werbeblatt für die weibliche Körperbildung". Magnus: "In einem Wochenblatt aus dem Juli 1928 habe ich etwas über die Arbeitslosigkeit in der damaligen Gemeinde Besenhorst/Düneberg entdeckt. Damals gab es dort 133 Arbeitslose, lag die Quote bei rund fünf Prozent. Das ist schon spannend." Für den 13-Jährigen steht bereits fest: "Ich möchte später beruflich irgendwas mit Geschichte machen."

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