Literatur

Vom alltäglichen Überlebenskampf eines gradlinigen Rebellen

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Geesthacht (ger). Jo Struve ist kein Mann der leisen Töne. Wenn ihm etwas nicht gefällt, hält er damit nicht hinter den Berg. Und Ungerechtigkeiten hinzunehmen war noch nie sein Ding. "Im Grunde bin ich ein komplett offener und ehrlicher Mensch, der keine Ängste hat", sagt der Wahl-Geesthachter.

Doch mit seiner schnurgeraden Art eckte der 64-Jährige ein Leben lang an. "Obwohl ich niemandem je etwas Böses wollte, hat man mir viel angetan", sagt der Rentner. So musste er die Volksschule mit einem schlechten Abschlusszeugnis verlassen, weil er bei den Lehrern als zu rebellisch galt. Ein Besuch der technischen Oberschule kam nicht mehr infrage. "Mit 18 stand ich dann auf der Straße und hatte nicht einen Schein in der Tasche. Wenn ich nicht stark genug gewesen wäre, wäre ich bestimmt auf der schiefen Bahn gelandet."

Struve schlägt sich durch, arbeitet als Mechaniker auf See, will einen Fahrlehrerschein machen, später verdient er sein Geld mit dem Austragen von Zeitungen - doch immer wieder kommt er mit seiner direkten Art in Konflikt mit seinen Vorgesetzten. "Dass ich mir nicht den Mund verbieten lasse, stieß in meinem Umfeld leider auf wenig Bewunderung."

Und so staute sich schleppend immer mehr seelischer Ballast an. Als Struve schließlich von drei schweren Krankheiten geschwächt körperlich am Ende war, beschloss er seine Erlebnisse aufzuschreiben - eine Idee, die in seinem Umfeld auf großes Interesse stieß: "Ich fing an zu schreiben und immer mehr Leute sagten mir, dass ich daraus ein Buch machen sollte", sagt der in Bergedorf und Umgebung aufgewachsene Struve. "Doch als kompletter Nobody ist es schwer, einen Verlag zu finden." Von der Idee besessen, ließ der quirlige Norddeutsche aber nicht nach, lieh sich Geld, suchte einen Experten zum Gegenlesen. "Denn Grammatik ist meine Schwäche", gibt Struve zu. Schließlich wurde er im Internet fündig, fand eine Lektorin, die von seinem Werk auf Anhieb begeistert war. Sie half ihm, seine Worte in ein fertiges Buch zu verwandeln, das mittlerweile über jede Buchhandlung bestellt werden kann. Seine Aussage ist klar: "Ich will die Menschen nicht ändern, das könnte ich auch gar nicht. Aber vielleicht kann aus meiner Geschichte noch jemand etwas lernen", sagt Struve. "Denn trotz vieler Widerstände und alltäglicher Lebenshürden bringt es viel, mit wachem Verstand und offenen Augen durchs Leben zu gehen, ohne sich zu billig zu verkaufen."

Das Buch hat dem "Rebellen und Nordlicht" (Struve über sich) aber auch selbst geholfen, nach einigen Rückschlägen wieder mit Optimismus in die Zukunft zu blicken. "Mit meiner Frau Heike wohne ich jetzt in Geesthacht und wir haben hier Ruhe gefunden. Das bedeutet mir viel."

Das Buch "Überlebenskampf eines Rebellen" von Jo Struve ist über "Books on Demand" erschienen. Es kann mithilfe der ISBN 3-8334-3625-5 für 12,90 Euro im Buchhandel bestellt werden.

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