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Annas Start in ein neues Leben

| Lesedauer: 3 Minuten
Annette Luckey

Geesthacht. "In der ersten Nacht habe ich kaum geschlafen. Ich war so aufgeregt." Drei aufreibende Monate liegen hinter Anna Papenmeyer, nach dem plötzlichen Tod ihrer geliebten Großmutter Marcella, bei der sie aufgewachsen ist.

17-Jährige Schülerin hat ein neues Zuhause gefunden - dank Unterstützung hilfreicher Geesthachter.

Monate voller Trauer, Formalitäten, Sorgen um den Lebensunterhalt und der Anstrengung, nebenbei auch noch das Schulpensum zu schaffen. Doch nun hat die 17-jährige Geesthachter Schülerin es geschafft. Sie hat eine eigene Wohnung nahe der Geesthachter Innenstadt gefunden und die erste Nacht in den eigenen vier Wänden verbracht. Es ist ein früher Start in ein eigenständiges Leben - ganz ohne Eltern. Ihre Mutter drogenabhängig, ihr Vater unbekannt - doch Anna hat den schweren Schlag, den Verlust ihrer Großmutter, als Ansporn genommen. Sie will zeigen, dass sie es aus eigener Kraft schaffen kann, ihr Leben zu meistern.

Die Küche hat sie in fröhlichem Pink und in frischem Weiß gestrichen. Der Küchenschrank stammt aus dem gemeinsamen Haushalt mit der Großmutter. Ebenso Waschmaschine und Kochherd. Obst steht auf dem runden Tisch mit den vier Stühlen. Auf der Fensterbank prangen zwei Pflanzen, die Übertöpfe ebenfalls pink. Die Küche lädt zum Verweilen ein. Im Wohnzimmer steht eine schöne alte Kommode, daneben noch Umzugskartons. "Das meiste ist geschafft. Jetzt kommen noch Kleinigkeiten", ist Anna stolz auf ihr neues 46 Quadratmeter großes Zuhause. Dass die 17-Jährige neben Aufregung und Trauer alles so schnell schaffte, hat sie vielen hilfreichen Geesthachtern zu verdanken. Allen voran Nicole Wendt, zuständig für Pflegekinderdienst und Adoption im Fachbereich Jugend, Familie, Schule und Soziales, die Anna betreute, als sie noch bei ihrer Großmutter lebte. Sie hat jetzt die Vormundschaft übernommen, bis Anna im Februar 18 Jahre wird. "Eine kurze, aber heftige Vormundschaft", umschreibt sie augenzwinkernd die turbulente Zeit. Viele Dinge sind nun geregelt: Anna erhält als Schülerin Bafög und ist versorgt. Die Anteilnahme an Annas Schicksal, das wir in unserer Zeitung beschrieben haben, ist groß. "Eine Geesthachterin hat die Mietkaution für Anna übernommen", erzählt Nicole Wendt, auf deren Anrufbeantworter sich Hilfsangebote häuften. Die Flatrate fürs Internet zahlt eine fürsorgliche Dame aus der Stadt. Sogar Spenden gingen ein. "Von dem Geld konnten wir die Farbe für die Wohnung und Umzugskosten bezahlen", sagt Anna. Besonders freut sich die 17-Jährige, die später einmal Jura studieren möchte, über ihren neuen Job: "Ich fange im neuen Jahr als Aushilfe in einem Geesthachter Rechtsanwaltsbüro an." Und auch die Lehrer bringen viel Verständnis für sie auf.

Die Klausuren sind geschafft, nun sind Weihnachtsferien und Anna ist froh, endlich zur Ruhe zu kommen. "Weihnachten? Das lasse ich in diesem Jahr aus", sagt sie. Heiligabend will sie mit ihrer liebsten Freundin Damla (18) zu Hause verbringen, eine DVD ansehen: "Etwas Lustiges - 'Findet Nemo' vielleicht. Und dann bestellen wir uns 'ne leckere Pizza dazu."

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