Dialog der Generationen

Wie war es früher, wie ist es heute?

| Lesedauer: 3 Minuten
Karin Lohmeier

Geesthacht. Bei Gedichten wie "Von draußen vom Walde komme ich her" konnten viele der älteren Teilnehmer Wort für Wort mitsprechen. Was vor vielen Jahrzehnten auswendig gelernt wurde, sitzt noch immer.

Beim dritten Dialog der Generationen im Oberstadttreff ging es um das Thema Weihnachten.

Schüler der Berufsschule hatten zum dritten Dialog der Generationen in den Oberstadttreff eingeladen - und diesmal ging es um das Thema Weihnachten.

"Damals hatte das fast nur mit Kirche zu tun, und all dies bunte Zeug gab es auch nicht", sagt Ingrid Schaak. Die 73-Jährige bekommt aber doch leuchtende Augen, als sie von ihren Weihnachtserinnerungen erzählt: "Die Bescherung war immer am ersten Weihnachtstag und wir Kinder konnten vorher gar nicht schlafen". Ingrid Schaak wohnt erst seit einem Dreivierteljahr in Geesthacht und fühlt sich hier noch einsam. "Es ist nicht schön, im Alter allein zu sein", sagt sie und findet damit bei Inken Müggenburg (17), Silvia Dobbertien (19) und Mandy Wiese (19) ein offenes Ohr. Die drei gehören zur Klasse für Sozialwesen, werden nach ihrer Ausbildung als Pflege-Assistentinnen in Heimen oder Krankenhäusern arbeiten.

"Heute gehen wir in die Stadt und kaufen Geschenke und oft wissen wir gar nicht, was wir anderen schenken könnten", sagt Silvia. Sie selbst wünscht sich, wie ihre Klassenkameradinnen, schöne Sachen zum Anziehen. Und da geht es ganz praktisch zu: Oma bestellt aus einem Versandhauskatalog das Gewünschte.

"Aber da geht doch die Gemütlichkeit verloren", meint Ingrid Schaak. Monatelang hat ihre Mutter in der Nachkriegszeit gestrickt, damit alle fünf Kinder einen neuen Pullover bekommen. Und auch Ilse Benecke, die als 16-jähriger unterernährter Flüchtling aus Pommern kam, erzählt von der Freude über kleine Dinge. "Unsere gute Stube wurde vor der Bescherung immer abgeschlossen. Dann gab es neue Kleider für unsere Puppen, alles selbst gemacht. Es wurde viel mehr gebastelt als heute", erzählt die 77-Jährige.

Für sie ist das Schönste an der heutigen Zeit nicht, dass es Weihnachtsgeschenke im Überfluss gibt. "Sondern, dass man so viel lernen kann wie man möchte. Das war mir damals nicht möglich. Nutzt es, lernt, lernt, lernt", gibt sie den jungen Frauen am Tisch mit auf den Weg. Die machen sich eher Gedanken über das, was nach ihrer Ausbildung passiert: "In Niedersachsen, wo ich wohne, wird die Ausbildung nicht anerkannt. Mal sehen, ob wir Arbeit finden und wo wir dann alle landen", sagt Silvia besorgt. Doch da ist Ilse Benecke, die gerade in eine betreute Wohnung gezogen ist, zuversichtlich: "In der Pflege gibt es doch immer Arbeit."

Lebensthemen im Gespräch zwischen Jung und Alt - und so ist es beim Dialog der Generationen auch geplant. "Wir wollen die Begegnung zwischen Jugendlichen und Senioren vertiefen", sagt Treffleiter Thomas Vagedes. Und die Lehrerin Ute Bistrek ist zufrieden: "Die Schüler lernen hier, auf Menschen zuzugehen; das brauchen sie später im Beruf", sagt Lehrerin Ute Bistrek.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Geesthacht