Moorburg

Geesthacht spuckt Vattenfall in die Suppe

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Timo Jann

Geesthacht. Verhindert eine nicht rechtzeitig fertig gestellte Fischaufstiegsanlage am Geesthachter Stauwehr die Inbetriebnahme des Kohlekraftwerkes in Hamburg-Moorburg? Das könnte passieren. Denn die Stadt Geesthacht hat den vom Energiekonzern Vattenfall beantragten Bau einer Fischtreppe abgelehnt.

"Die Fischaufstiegsanlage ist für die Inbetriebnahme von Moorburg von hoher Bedeutung", sagt Vattenfall-Sprecherin Sabine Neumann. "Sie hat für uns oberste Priorität." Die Fischtreppe dient als ökologische Ausgleichsmaßnahme für den umstrittenen Kraftwerksbau, gegen den unter anderem der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland mobil macht.

Geesthacht fordert, die Planungen für die Fischtreppe und für ein von der Stadtwerke GmbH gewünschtes Laufwasserkraftwerk am Stauwehr zusammenzufassen, um beides aus einem Guss zu realisieren. "Wir fürchten, dass der Bau des Wasserkraftwerkes unwirtschaftlich wird, wenn die Fischtreppe umgebaut werden müsste", sagt Peter Junge, der Leiter des Fachdienstes Bauen und Umwelt. "Die Kosten wären einfach zu hoch, wenn wir uns mit dem Kraftwerk der Fischtreppe anpassen müssten", erklärt Karl-Heinz Siekhaus, der Geschäftsführer der Stadtwerke.

Genehmigungsbehörde für die Fischtreppe ist der Kreis Herzogtum Lauenburg. Dort liegt auch der Antrag für das Laufwasserkraftwerk. Problem: Die Pläne für den Fischaufstieg sind viel weiter als die für das Wasserkraftwerk. "Wir können zu einer möglichen Entscheidung noch nichts sagen", hieß es gestern beim Kreis.

Der von Vattenfall präsentierte Entwurf sieht vor, dass die Aufstiegsanlage, die Fischen die Passage des Wehres erleichtert, östlich der Brücke anzulegen. "Das ist klug, denn dort gibt es mit dem Bund nur einen Eigentümer, der signalisiert hat, die Flächen zur Verfügung zu stellen", sagt Junge. Weil wegen der Bauweise der Auslauf der Fischtreppe zu dicht unterhalb der Elbbrücke liegt, würde der Wasserfluss des ökologisch sinnvollen Laufwasserkraftwerkes behindert. Junge: "Wer das Laufwasserkraftwerk bauen will, müsste den Umbau der Fischtreppe bezahlen." Das macht die Stromproduktion durch Wasserkraft unwirtschaftlich.

Geesthachts Ausschuss für Planung und Umwelt hat jetzt beschlossen, der Stadtverwaltung externen juristischen Beistand zur Seite zu stellen, um sich gegen die Vattenfall-Pläne zu wehren. Druck, der die Beteiligten vielleicht doch noch zusammen führt. "Gegen die Fischtreppe an sich haben wir nichts, wir wollen nur die Chance für das Wasserkraftwerk wahren", sagt CDU-Fraktionschef Karsten Steffen.

Lösen ließe sich das Problem. Der Auslauf der Fischtreppe müsste elbabwärts verlegt werden. "Zudem ist es für die technischen Anlagen des Kraftwerkes besser, wenn es gemeinsam mit der Fischtreppe geplant wird, um die zur Verfügung stehenden Flächen optimal nutzen zu können", sagt Junge. "Das würde das ganze Vorhaben für uns finanziell viel interessanter machen", sagt Siekhaus und hofft auf eine Kooperation mit Vattenfall.

Allerdings hat Vattenfall nur bis 2012 Zeit, die Fischtreppe rechtzeitig vor der geplanten Inbetriebnahme von Moorburg zu realisieren. Und bis dahin würde alleine die Planungs- und Genehmigungsphase für das Laufwasserkraftwerk dauern, schätzt Siekhaus.

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