Spurensuche

Exkursion zu "Hightech und Ruinen"

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Über den Stahlbeton ist üppiges Grün gewuchert. Doch schaut man genau hin, sind die steinernen Zeugen der Vergangenheit auf dem GKSS-Gelände nur wenige Schritte neben hochmodernen Institutsgebäuden zu finden.

Zur Spurensuche nach Resten der ehemaligen Dynamitfabrik von Alfred Nobel hatten der Förderkreis Industriemuseum Geesthacht und das Forschungszentrum eingeladen.

"Für viele ist das Gebiet hier etwas geheimnisumwittert", sagte Rainer Parchmann vom Förderkreis. Entsprechend groß sei das Interesse an den Rundgängen. Doch Geheimes gebe es hier nicht. Noch heute lässt sich allerdings das Ausmaß der industriellen Entwicklung Geesthachts im Zweiten Weltkrieg entdecken. "Die Stadt war quasi eingeschlossen von zwei chemischen Betrieben. Geesthacht hat eine explosive Vergangenheit", so Parchmann.

Und die war massiv: Würde man heute das Areal der ab 1946 demontierten und zerstörten Sprengstofffabrik in Krümmel umrunden wollen, müsste man rund neun Kilometer laufen. Das Betriebsgelände umfasste 1943 etwa 242 Hektar mit 750 Gebäuden. 9000 Menschen waren rund um die Uhr damit beschäftigt, Sprengstoffe herzustellen und Bomben und Granaten zu füllen.

Auf dem zweistündigen Rundgang, der nur einen kleinen Bereich der früheren Anlagen umfasste, konnten die 25 Teilnehmer Blicke auf und in gesprengte Abfüllanlagen, Kocherhäuser oder Lagerräume werfen. Aus Angst vor einer Wiederinbetriebnahme hatten die Engländer einen Großteil der bunkerähnlichen Industriebgebäude gesprengt. Bis heute liegen viele von ihnen in diesem Zustand unverändert auf dem GKSS-Gelände. Klar zu erkennen sind Treppen im Inneren, Kacheln, Fundamente für Kessel, Aufschriften, sogar Haken für Tarnnetze oder Halterungen für eine Begrünung der Dächer. Schließlich sollte die Fabrik aus der Luft nicht erkennbar sein.

Als Kontrastprogramm zum Blick in die Vergangenheit erläuterte Patrick Kalb-Rottmann von der GKSS, wie auf dem Areal heute die Zukunft mitgestaltet wird. So konnten sich die Gäste am Institut für Werkstoffforschung davon überzeugen, dass Magnesium deutlich leichter als Stahl ist und damit der Autoindustrie neue Möglichkeiten eröffnet. Auch das Prinzip des Reibrührschweißens, unter anderem eingesetzt beim Bau des Airbus A 380, faszinierte die Besucher.

Der Rundgang "Hightech und Ruinen" startet im kommenden Jahr erneut an den Sonntagen, 25. Januar, 22. Februar und 15. März.

Weitere Informationen unter Tel. (0 41 52)8 87 78 40 oder im Internet unter www.industriemuseum-geesthacht.de . Auch die GKSS bietet regelmäßig Führungen durch Forschungsanlagen an. Informationen dazu gibt es unter der Telefonnummer (0 41 52) 87 16 25.

( (ger). )

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