Lüneburg. Ein Lüneburger DJ begrenzt seine Dance-Night auf 120 Minuten. Was in dieser kurzen Zeit passiert, hat ihn allerdings selbst überrascht.

Es ist die kürzeste Party der Stadt: Ein Lüneburger Club geht auf diejenigen zu, die zwar tanzen wollen, aber das nicht bis in die Puppen – und bitte auch nicht erst ab Mitternacht. Kann das gutgehen? Und vor allem: Wer kommt auf so eine Idee?

Für Initiator Christian Müller ist die ganze Disco-Sache gar nicht so kompliziert. Sondern im Gegenteil ziemlich einfach: Mit seinem Zwei-Stunden-Experiment versucht der 41-Jährige einfach nur, nach pandemiebedingt schwierigen Jahren, für die Disco-Branche neue Geschäftsfelder zu erschließen. Er macht das Ganze aber auch im eigenen Interesse: Der Vater eines sechsjährigen Sohnes zählt gewissermaßen zu seiner eigenen Zielgruppe.

Ein Disco-Abend, der nur zwei Stunden dauert – in Lüneburg ist das möglich

Jahrelang legte Christian Müller als DJ Crish! vier- bis fünfmal im Monat auf, in Lüneburg und Hamburg, Kiel und anderswo – manchmal eine ganze Nacht lang, von 21 bis 6 Uhr in der Früh. Das war während seines Studiums und in der Zeit danach. Aber heute? „Das packe ich nicht mehr“, sagt er und lacht. Schließlich ist er heute Anfang 40 und Vater eines sechsjährigen Sohnes.

Am Nachmittag kann es auch mal gemütlich zugehen im „Salon Hansen“: Dann kommt auch Müllers Mischling Elliot mit.
Am Nachmittag kann es auch mal gemütlich zugehen im „Salon Hansen“: Dann kommt auch Müllers Mischling Elliot mit. © HA | Carolin George

Die Leidenschaft fürs Auflegen aber hat ihn nie losgelassen, und auch im Hauptberuf arbeitet er mit Musik: als Booker für verschiedene Projekte, Locations und Veranstaltungsformate sowie Konzertveranstalter in Hamburg und Lüneburg.

Daher schlug er dem Lüneburger Club „Salon Hansen“ ein Format vor, das er bei Freunden in Hamburg und Kiel beobachtet hatte: eine kurze, frühe Party. Ein Feierabend im wörtlichen Sinne. Den Effekt der Mischung aus zeitigem Beginn und gleichzeitig zeitlicher Begrenzung beschreibt der DJ so: „Die Leute, die kommen, wollen tanzen. Da wartet niemand lange, auf die Tanzfläche zu gehen.“

Es entsteht etwas, was für andere Partys eher ungewöhnlich ist

Bei der „Mikrodosis Disco“, so heißt das Format, habe er im Februar ein wahres Wunsch-Szenario erlebt: „Von Punkt 21 Uhr bis Punkt 23 Uhr wurde getanzt. Es entstand eine Art Gruppengefühl, etwas, das bei anderen Partys nicht unbedingt entsteht. Zwei Stunden Energie rauslassen und gleichzeitig tanken, das zu beobachten, war total schön.“

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Da die Party stets an einem Donnerstag terminiert ist, trinken viele Gäste keinen Alkohol oder nur wenig. Auch das mache einen Unterschied. Das Publikum? „Gemischt“, beschreibt es der DJ, „von Studis bis 50 plus.“

Diese sehr breit gefächerte Menge musikalisch zufrieden zu stellen, sei eine Herausforderung. Und so kurz wie die Party ist, spielt und remixt der DJ auch die Stücke: „Jeder Song liegt unter zwei Minuten, so komme ich bei zwei Stunden auf etwa 60 verschiedene.“

Beim Habitat Festival in Wilhelmsburg tanzten die Besucher mehr als zwölf Stunden durch –  aber nicht jedem ist das möglich.
Beim Habitat Festival in Wilhelmsburg tanzten die Besucher mehr als zwölf Stunden durch – aber nicht jedem ist das möglich. © HA | Fabian Schwarze/Julian Ebinal

Noch ist das Konzept flexibel genug für Veränderungen. So will das Team zum Beispiel Reaktionen von Gästen einfangen und heraushören, ob sie die Veranstaltung eine Stunde vorverlegen, „damit das Aufstehen am nächsten Morgen noch ein wenig einfacher ist“.

„Salon Hansen“ in Lüneburg: Während der Pandemie hätte der Club beinahe dicht gemacht

Müller selbst zählt zu den Gründern des „Salon Hansen“ im Jahr 2010. Während der Corona-Pandemie hätte der Club beinahe schließen müssen, gemeinsam mit der Stadtverwaltung aber fanden die Betreiber eine Möglichkeit der Rettung: Träger des Clubs ist seither der Verein Originalton e.V., und dieser übernimmt einen Teil der kulturellen Jugendarbeit der Stadt, bietet zum Beispiel alkoholfreie Partys für Jugendliche unter 18 Jahren an.

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Die ersten drei Termine der „Mikrodosis Disco“ hatte die Sparkassenstiftung Lüneburg unterstützt. Noch zieht das neue Format nicht so viele Gäste, als dass es sich trägt. Müller selbst bekommt keine Gage für den Abend. „Aber ich bin überzeugt von der Idee und hoffe, dass sie sich durchsetzen wird. Manchmal macht es eben Sinn, einen langen Atem zu haben.“

Die nächste „Mikrodosis Disco“ verabreicht der DJ am Donnerstag, 21. März, von 21 bis 23 Uhr. Einlass ist ab 20 Uhr, der Eintritt kostet 5 Euro.