Walsrode. Begehbare Volière, Fledermäuse und Flughunde: Tierpark lockt 2024 mit spannenden Neuheiten. Aber auch ein alter Bekannter ist wieder dabei.

Der größte Vogelpark der Welt ist in die Saison 2024 gestartet – und hat sich für die kommenden Monate einiges vorgenommen. „Wir möchten unsere kleinen und großen Gäste nicht nur unterhalten, sondern auch Wissen rund um die Tiere und den Artenschutz vermitteln“, sagt Janina Ehrhardt, Sprecherin des Tierparks in der Lüneburger Heide bei Hamburg.

Ein erster Schritt in diese Richtung ist die wohl größte Neuheit dieser Saison: eine begehbare Volière, die die Besucher des Vogelparks direkt ins „Reich der Mitte“ entführt. Faszinierende Vogelarten aus China sind hier im freien Flug zu sehen und ohne Barrieren zu erleben.

Vogelpark Walsrode: Auch Flughunde und Fledermäuse stehen im Fokus

Doch anders als der Name des Tierparks vermuten lässt, stehen in Walsrode nicht mehr nur Vögel im Fokus: Auch andere Tierarten mit Verknüpfungen zur Vogelwelt können 2024 von den Besuchern erkundet werden – wie etwa Fledermäuse, Palmenflughunde, Galagos oder Gleitbeutler. Diese nachtaktiven Tiere können nämlich interessante Antworten auf spannende Fragen zur Evolutionsgeschichte des Fliegens geben.

Mit Schlangenadler Nelson arbeitet Germán Alonso seit 23 Jahren zusammen – seitdem er aus dem Ei geschlüpft ist.
Mit Schlangenadler Nelson arbeitet Germán Alonso seit 23 Jahren zusammen – seitdem er aus dem Ei geschlüpft ist. © HA | Carolin George

Bei allen Neuerungen bleibt aber auch Vieles beim Alten – zum Glück. Tiertrainer Germán Alonso trainiert seit mehr als 20 Jahren über 100 Vögel, die in den Flugshows des Vogelparks zu sehen sind. Auch in diesem Jahr wird der Trainer der Herzen wieder durch seine unterhaltsamen Präsentationen führen, Gänsehaut-Momente inklusive.

Mit einem alten Seeadler und einem schielenden Bussard hat alles begonnen

Alonso hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Geboren auf Teneriffa gegenüber der Papageienanlage Loro-Parque, hatte er als Baby stets ein Lächeln im Gesicht, wenn er die Papageien schreien hörte. Das erzählte ihm seine Mutter. Mit vier Jahren besaß er seinen ersten Wellensittich. „Dem habe ich beigebracht, durch eine Klorolle zu schlüpfen“, erzählt der 53-Jährige.

Diese Palmenflughunde rasten gerade in einem Baum.
Diese Palmenflughunde rasten gerade in einem Baum. © picture alliance / imageBROKER | Malcolm Schuyl/FLPA

Der Vogelpark selbst ist älter als Alonso: Die Geschichte beginnt als privates Hobby des Walsroder Kaufmanns Fritz Geschke, seit 2019 gehört er zu der spanischen Gruppe Parques Reunidos, die weltweit mehr als 60 Wasser-, Tier- und Freizeitsparks betreibt.

Alonso kam im Jahr 2000 nach Walsrode, damals gab es für die Gäste noch kein Unterhaltsprogramm. „Das hat mich gewundert“, sagt er im Gespräch hinter der Bühne. Also begann er aufzubauen, was er vermisste: Entertainment. „Mit einem alten Weißkopfseeadler, einem schielenden Bussard und einer etwas stumpfen Eule“, sagt er lachend. „Die konnten nichts.“ Eine Show habe er trotzdem abgeliefert. „Meine Rettung war, dass ich quatschen kann.“

Bis zu 2000 Menschen kommen täglich zu den Flugshows des Vogeltrainers

Und das hat er nicht verlernt. Die Gäste danken es ihm: Bis zu 2000 Menschen kommen zu seinen täglich stattfindenden Flugshows, sie gehören zu den Höhepunkten des Freizeitparks in der Lüneburger Heide.

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Hier fliegt Seeadler Nero so knapp über die Köpfe der Gäste hinweg, dass die Sprüche des Entertainers auch vor den Menschen nicht Halt machen: „Passen Sie bitte auf Ihre Kleinen auf und geben Sie ihnen keine Schnitzel in die Hand“, ermahnt er Eltern zu Beginn der Vorführung. „Nicht, dass Sie nachher in die Luft gucken und denken, huch, das ist doch...“

Ärmel seiner Jacke sind übersät mit geflickten Stellen

Die Ärmel seiner Jacke sind übersät mit geflickten Stellen, und ähnlich sieht es auf seiner Haut aus. „Das gehört dazu“, sagt Alonso und zieht die Schultern hoch. „Es ist eben kein normaler Job.“

Insgesamt sieben Personen arbeiten im Team Tiertraining, einer von ihnen ist Eamonn, hier mit Ara Kolumbus.
Insgesamt sieben Personen arbeiten im Team Tiertraining, einer von ihnen ist Eamonn, hier mit Ara Kolumbus. © HA | Carolin George

Der Pfleger hat in Walsrode eine Handaufzucht-Station für sein Tiertraining eingerichtet. „Ein Condor, den ich mit 40 Gramm als Knäuel in der Hand hielt, macht später auch mit zwölf Kilogramm, was ich ihm beigebracht habe.“ Vorausgesetzt, die Belohnung stimmt – und der Hunger ist da. „Ist ein Vogel zu satt, brauche ich ihn nicht mit in die Show zu nehmen.“

Ein Condor ist ruppig, ein Adler noch ruppiger, Eulen haben die Ruhe weg

Auch für Angebote wie Kindergeburtstage oder sogenannte Meet-and-Greet-Aktionen kommen nur per Hand aufgezogene Vögel in Frage, sagt Alonso. Wobei der enge Kontakt zwischen Mensch und Tier später auch schwierig wird. „Sie müssen Respekt vor uns haben und dürfen uns nicht nur als Kumpel sehen“, erklärt der Tierpfleger. „Geht es in Richtung Paarung, wechseln die Vögel vom Training in die Zucht. Wir sind ihnen ansonsten zu nah.“

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Den Andenkondor Chico hat Germán Alonso bereits als 40 Gramm leichtes Küken in der Hand gehabt. Heute wiegt er 12 Kilogramm.
Den Andenkondor Chico hat Germán Alonso bereits als 40 Gramm leichtes Küken in der Hand gehabt. Heute wiegt er 12 Kilogramm. © HA | Carolin George

Nach jahrelanger Zusammenarbeit kennt er die verschiedenen Charakterzüge der Vögel: „Ein Condor ist ruppig. Ein Adler noch ruppiger. Der weiß, dass er in der Nahrungskette ganz oben steht. Der Falke ist ein Aufgeregter, die Eule hat die Ruhe weg. Und ein Papagei? Der hat Köpfchen. Der macht etwas nur, wenn er weiß, wofür er das tut. Und er hat richtig Lust dazu. Wenn er die Musik der Show hört, scharrt er schon mit den Hufen.“

Anders die Greifvögel: „Für die geht es einzig und allein um die Jagd. Die stellen wir nach – der Rest interessiert sie nicht.“