Serie „Von oben“

Silber-Linden üben den Klimawandel

| Lesedauer: 3 Minuten
Carolin George
Bäume der Baumschule Lorenz von Ehren mit erstem Herbstlaub

Bäume der Baumschule Lorenz von Ehren mit erstem Herbstlaub

Foto: Aufwind- Luftbilder / aufwind-luftbilder

Serie „Von oben“: Pilot und Fotograf Holger Weitzel war über dem Landkreis Harburg unterwegs. Heute: Die Baumschule Lorenz von Ehren

Beckedorf . Nein, hier wechseln sich keine grün belaubten Bäume mit gelb verfärbten ab: Was auf den ersten Blick wirken mag wie eine sich abwechselnde Reihe von grün und gelb, ist eine optische Täuschung. Und sie verfliegt sehr schnell, sobald wir unseren Augen ein wenig mehr Zeit gönnen als einen kurzen, überfliegenden Blick: Dann nämlich erkennt das Gehirn sofort, dass die grünen Kronen gar keine sind – sie haben schließlich keine Stämme.

Bei den grünen Streifen handelt es sich um bewusst gepflanzte Grüneinsaat zwischen den Linden: Sie soll Bodenerosionen durch Wind vermeiden, Feuchtigkeit im Boden halten und Insekten eine Weide bieten.

Gepflanzt wurde die Reihe mit einem GPS-gesteuerten Pflanzpflug

Die Lindenreihe, gepflanzt für die spätere Nutzung als Allee- und Straßenbaum, gehört zu einem Quartier. So heißen die Parzellen einer Baumschule, hier ist es die Baumschule Lorenz von Ehren. Gepflanzt wurde die Reihe mit einem GPS-gesteuerten Pflanzpflug – sie sehen also nicht nur so aus, als würden sie im berühmten Reih und Glied stehen. Sie tun es auch. Und zwar auf den Zentimeter genau.

In jedem Quartier stehen die Bäume etwa vier Jahre, dann werden sie umgeschult – also verpflanzt. Ziel der häufigen Versetzungen: Die feinen Faserwurzeln sollen sich im Ballen bilden anstatt am Ende meterlanger Wurzeln wie im Wald.

600 Hektar, eine Million ausgelieferte Pflanzen im Jahr, 500.000 im Bestand und 200 Mitarbeiter: 1865 in Nienstedten gegründet und vor 29 Jahren nach Marmstorf umgesiedelt, gehört die Baumschule Lorenz von Ehren zu den fünf größten in Europa. Früher transportierten die Hamburger mächtige Solitärbäume per Pferdewagen in die Parks der Königshäuser, heute rollen die Bäume per Lkw, so weit das Klima es zulässt.

Harburger Bäume stehen vor dem Reichstag und in Disneyland

Von Stockholm bis Nizza, von Irland bis Kasachstan. Für Flughäfen und Firmen, Straßen und Stadtplätze, Shopping-Center und Schlossgärten. Vor dem Berliner Reichstag stehen Harburger Bäume, in Versailles und Disneyland – und am Jungfernstieg.

Solche Bäume müssen robust sein, Luft voller Kohlenstoffdioxid und Tonnen von Asphalt um sie herum dürfen sie nicht erschüttern. Für den Jungfernstieg hat die Baumschule Silber-Linden geliefert, eine derjenigen Sorten, die Inhaber Bernhard von Ehren und sein Team als „Klimabäume“ eruiert hat.

Klimabäume, das sind Bäume, die mit derjenigen Art von Klima umgehen können, mit dem Forscher in Zukunft rechnen: mehr Wärme und Trockenheit im Sommer, mehr Regen vor allem im Spätwinter und mehr Extremniederschläge wie Starkregen und Hagel.

5000 Quadratmeter misst der „Klimahain“ der Baumschule

Rund 5000 Quadratmeter misst der „Klimahain“ der Baumschule: Dort testet der Betrieb 70 Arten und Sorten auf ihre Klimatauglichkeit. „Der Klimawandel ist real, und Baumschulen können einen wertvollen Beitrag leisten, dem Klimawandel zu begegnen“, sagt Inhaber Bernhard von Ehren. „Das A und O dabei: eine vernünftige Baumauswahl mit einer großen Artenvielfalt. Auch Städte können Orte der Biodiversität sein.“

Zum Schluss noch ein wenig Wohlklang: Celtis australis, Koelreuteria paniculata, Liquidambar styraciflua, Liriodendron tulipifera, Magnolia kobus, Ostrya carpinifolia, Quercus cerris, Sophora japonica, Tilia tomentosa „Brabant“ und Zelkova serrata – so heißen die Zukunftsbäume, in die die Baumschule von Ehren große Hoffnungen setzt.