Ausflugstipps

Waldbaden, Barfußlaufen: Dieser Ausflug beflügelt alle Sinne

| Lesedauer: 9 Minuten
Hanna Kastendieck
Im Barfußpark Egestorf gibt es nicht nur für die Füße jede Menge zu erleben.

Im Barfußpark Egestorf gibt es nicht nur für die Füße jede Menge zu erleben.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Serie: Waldbaden, Barfußlaufen, im Heidehotel abtauchen – für Autorin Hanna Kastendieck der „perfekte Ferientag“.

Egestorf.  Mein perfekter Tag beginnt mit einem Bad im Wald. Es verspricht ein heißer Augusttag zu werden. Aber unter dem grünen Dach der Kiefern, Fichten und mächtigen Buchen ist die Luft angenehm kühl. Barfuß, die Hose bis zu den Knien hochgekrempelt, halten wir inne, die nackten Füße tief in den weichen Waldboden gedrückt und lauschen dem Wind hoch oben in den Wipfeln. „Shirin-yoku“ – so heißt das Eintauchen in die Waldatmosphäre. Der Begriff stammt aus Japan. Eine Marketing-Aktion aus den 1980erJahren, mit denen man mehr Menschen in die vielen wunderschönen Wälder des Landes locken wollte. Mittlerweile ist dort das Waldbaden als Gesundheitsvorsorge fest etabliert – denn das Eintauchen in den Wald hat nachgewiesenermaßen positive Effekte auf unsere psychische als auch physische Gesundheit.

Einen Sommerferientag, der in die Kategorie „Fünf-Sterne“ fallen soll, verbringe ich natürlich nicht allein. Schließlich ist geteilte Freude doppelte Freude und so begleitet mich mein Jüngster. Er ist sieben Jahre alt und sieht die Welt mit den staunenden Augen eines Kindes – das färbt ab. Auf unserem Programm steht am Morgen der Barfußpark in der Lüneburger Heide, ein Ort, den man nicht nur mit den Fußsohlen ertasten, sondern mit allen Sinnen spüren kann.

Zunächst geht es um die Füße

Doch zunächst geht es um die Füße. Denn dort befinden sich mehr Sinneszellen als in unserem Gesicht. Tausende Nervenenden und Sensoren an unseren Sohlen melden jedes kleine Steinchen in den Schuhen, machen jeden Schritt über spitze Kiesel zu einem Eiertanz und den Spaziergang am Strand zu einem Wohlfühlerlebnis. Dennoch vernachlässigen wir diese zuverlässigen Stützen, die Schwerstarbeit leisten, kläglich.

Ein Sommertag wie dieser eignet sich daher bestens dazu, den 26 Knochen am unteren Ende unseres Körpers einmal etwas richtig Gutes zu tun. Und das geht am besten auf dem 14 Hektar großen und in Niedersachsen einzigartigen Barfußpark. Dort erwarten uns 2,7 Kilometer intensiver Kontakt mit der Natur. 60 Stationen in Moor und Heide, Wald und Wasser, die wir entdecken dürfen. Nachdem Schuhe und Socken im Spind verstaut sind, geht es los: über Wasserschrägen, Rasengittersteine und Korken, Glasscherben, nassen Lehm und Heidekraut.

Auch motorisch werden wir gefordert – beim Balancieren auf Schwebebalken, Klötzen oder Findlingen. Und dann sind da noch die vielen anderen Sinne, die hier herausgefordert werden: das Tasten und Riechen, Hören und Sehen. Wir ergründen die Geheimnisse in den Riech-Tast-Fühlkisten, lauschen mit Hilfe riesiger Hörrohre dem Plätschern des unterirdischen Bachs und bringen Steine zum Summen. Schließlich tauchen wir für einen Moment ins Salzineum ein - einem ganzen Haus ausgekleidet mit Salz. Eine Wunderwelt glitzernder Kristalle ist das mit einer Luft, die an den Urlaub auf Sylt erinnert.

Wir atmen tief ein und schließen die Augen. Bevor es weitergeht zum Kräutergarten und Hangelreck, Dreizeitenpendel und der langen Hängebrücke über das Tal. Auf der alten Obstwiese machen wir Rast, plündern den Rucksack, knabbern Kekse und Obst. Alles für den kleinen Hunger, denn richtig speisen, das wollen wir an unserem Lieblingsort.

Ein alter Hof, umgebaut zu einem gemütlichen Landhotel

Dieser liegt nur wenige Kilometer entfernt vom Barfußpark, unten im Tal der Aue, dort, wo das Pflaster in weichen Sand übergeht und die Heide uns in die Arme nimmt. Sudermühlen heißt dieses Fleckchen Erde am Rande von Egestorf, ein alter Hof, umgebaut zu einem gemütlichen Landhotel.

Noch heute plätschert die schmale Aue, ein Nebenfluss der Seeve, durch das alte Mühlrad der ehemaligen Wassermühle, die erstmals 1376 erwähnt wurde. Bis 1939 war die Mühle in Betrieb, dann wurde sie stillgelegt. Heute kann in dem alten Gebäude gefeiert werden, umgeben von Wasser, Heideduft und dem Klappern der Pferdehufen. Pferde, die gibt es hier reichlich, denn das Hotel Hof Sudermühlen ist ein beliebtes Hotel für Reiter.

Wir aber laufen lieber zu Fuß auf dem „Krogh’schen Rundwanderweg“, der direkt am Parkplatz beginnt und über die Brücke in die Heide führt. 2,3 Kilometer ist der nach Georg-Friedrich von Krogh, dem Gründer des Wildparks Lüneburger Heide benannte Rundwanderweg. Die Ausschilderung erfolgt auf Felssteinen, so dass wir uns nicht verlaufen können.

Zurück am Hotel machen wir ein paar Stunden Urlaub auf Hof Sudermühlen. Wir bestellen Rinderkraftbrühe, Burger mit Süßkartoffelpommes und leckere Pfannkuchen, suchen uns einen schattigen Platz auf einer der geschnitzten Holzbänke im Garten des Hauses und halten Siesta. Bevor wir diesen herrlichen Ort verlassen, legen wir schnell noch eine Runde Wellness ein und tauchen für fünf Euro ins kühle Nass des großen Hotelpools ab.

Am liebsten würden wir bleiben, aber das Hotel ist ausgebucht. Also fahren wir weiter ins gemütliche Egestorf mit seinen Fachwerkhäusern und der St. Stephanus-Kirche mit ihrem prächtigen frühbarocken Hochaltar und der wertvollen Denkmalsorgel der frühen Romantik, gebaut von Philipp Furtwängler im Jahr 1867. Draußen im hölzernen Turm aus dem Jahr 1455 schlägt die Glocke. Es ist fünf Uhr am Nachmittag, der Tag neigt sich dem Ende und wir wollen noch nach Hanstedt. Zehn Minuten Fahrt sind es bis zum staatlich anerkannten Erholungsort mitten im Naturschutzgebiet Garlstorfer Wald.

Auf dem Hanstedter Platz treffen wir auf die Bronzeplastik des Riesen Bruns

Doch statt eines weiteren Waldbades entscheiden wir uns dafür, zum Abschluss noch ein wenig Asphalt zu treten. Wir bestaunen die St. Jakobikirche mit ihren drei großen Buntfenstern, die von Juli bis Oktober Veranstaltungsort für die „Konzerte zur Heideblüte“, aber auch ohne Musik einen Besuch wert ist. Auf dem Hanstedter Platz treffen wir auf die Bronzeplastik des Riesen Bruns, der nach einer Sage einen Felsen auf die erste in Hanstedt erbaute Kirche werfen wollte.

Bevor wir mit einer kalten Cola im Café Soetebier gegenüber der Kirche auf diesen gelungenen Tag anstoßen, huschen Sohnemann und ich noch kurz ins Kaufhaus Dittmer. Erstens, weil zu einem perfekten Ferientag ein Mitbringsel gehört und zweitens, weil hier noch alles so ist wie früher – in der „guten alten Zeit“. Man grüßt persönlich und wird gut beraten in diesem Familienbetrieb. Gegründet wurde er am 1. Oktober 1884 vom 27-jährigen Friedrich-Wilhelm Dittmer. Damals gab es keine Autos, keine Busse, Motorräder, geschweige denn Flugzeuge oder Hubschrauber. Es gab ein wenig ausgebautes Eisenbahnnetz. In Hanstedt gab es eine Kirche, einen Gasthof, einige Bauernhöfe, ein Sägewerk, eine Schmiede, einen Sattler, einen Schneider, einen Uhrmacher, ein paar ergänzende Betriebe, einige Häuser, eine Kopfsteinpflasterstraße und sonst Sandwege – das war`s. Natürlich hat sich auch hier viel verändert. Vieles aber eben auch nicht! Und das ist gut so.

Wieder schlagen die Kirchenglocken. Wir machen uns auf den Heimweg und sind uns einig: Dieser Ferientag war perfekt.

Lohnt auch:

In unmittelbarer Nähe von Egestorf liegt der Wildpark Lüneburger Heide. 1200 Tiere aus 140 Arten haben hier ihr Zuhause. Über 60 Hektar laden zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Es gibt Tigervorträge, Otterfütterungen und Abenteuerspielplätze.

Einblick in die hiesige Fauna und Flora und deren Zusammenhänge ermöglicht auch der Heide Himmel, Norddeutschlands Höchster Baumwipfelpfad. Das 45 Meter hohe Fernblickplateau mit einer Grundfläche von 145 Quadratmetern bietet einen Ausblick zum Hamburger Hafen und in weite Teile der Lüneburger Heide.

Wer ein Stück Heideglück mit nach Hause nehmen möchte, sollte sich bei Julia Unger-Heitmann am Spechtweg 9 in Egestorf umsehen. „Natur-verliebt“ heißt ihr Shop, bei dem es nicht nur handgemachte Marmeladen und Säfte gibt, sondern auch tolle Produkte von Manufakturen und kleineren Unternehmen aus der Lüneburger Heide.

In Egestorf (Am Kuhlhof 7)befindet sich außerdem die Brennerei Bosselmann - Deutschlands mutmaßlich kleinste Privat-Gin-Destillation. Dort wird im London-Dry-Gin-Verfahren echter Heide-Gin hergestellt. Jede Flasche ist ein kleines Kunstwerk, von Hand abgefüllt, versiegelt und beschriftet.