Innovative Idee

Unternehmerplan: So sollen die Dächer der Region erblühen

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Angelika Hillmer
Oliver Bargfeld möchte seine Module deutschlandweit verkaufen.

Oliver Bargfeld möchte seine Module deutschlandweit verkaufen.

Foto: Comma GmbH

Einzelne Module lassen sich einfach auf Container und modular gebaute Flachdächer aufsetzen. Und bei Bedarf ebenso leicht entfernen.

Winsen. Gründächer sind ein Beitrag zum Klimaschutz und helfen der Insektenwelt. Deshalb haben die Hamburger Grünen gerade vorgeschlagen, bei Neubauten begrünte Dächer generell vorzuschreiben. Oliver Bargfeld, Verkaufsleiter der auf Containerbauten spezialisierten Comma GmbH in Winsen, hat ein Gründach-Modul entwickelt, mit dem sich, so sagt er, Flachdächer von Schulen oder Kitas, Bau- oder Wohncontainer mit wenig Aufwand zum Nutzen der Natur und der Bewohner begrünen lassen.

Bislang haben Marlene und Oliver Bargfeld mit ihrem Team von Comma Wohn-, Büro- und Geschäftshäuser in modularer Bauweise konzipiert und errichtet. Haben Sanitär- und Verkaufscontainer aufgestellt und bestehende Gebäude mit Containerbauten erweitert. Nun will Oliver Bargfeld mit seinem neuen Produkt einen Beitrag zum Arten- und Klimaschutz leisten. Er hat sein Gründachmodul Karl genannt, nach dem Protestlied „Karl, der Käfer“. Der ist in dem Song fortgejagt worden, weil durch seinen Wald eine Straße gebaut wurde.

Wassertanks unterstützen die Schwammwirkung des Bodens

Nun könnte der neue Karl kleinen Wildtieren einen neuen Lebensraum geben. „Das absolut Neue ist ein integrierter Speichertank, der die Pflanzen von unten mit Wasser versorgt und das Ganze herunterkühlt“, sagt Bargfeld. Dadurch müssen die Pflanzen nicht bewässert werden. Zudem unterstützt das Wasserreservoir die Schwammfunktion von Gründächern: Bei Regen nehmen sie Wasser auf, halten es zurück und reduzieren dadurch den Wasserabfluss. Und senken die Hochwassergefahr bei Starkregen. Bei Hitze verdunsten sie über die Pflanzen und das Substrat Wasser und schaffen damit einen kühlenden Effekt. „Bei diesem warmen Wetter spüren Sie das sofort, wenn Sie mit der Hand am Modul entlang streichen“, sagt Oliver Bargfeld.

Karl ist standardmäßig sechs Meter lang, 2,44 Meter breit und hat damit die Maße eines 20-Fuß-Containers. Der Wassertank unter der Pflanzendecke fasst gut drei Kubikmeter. Die Module haben eine Höhe von 40 Zentimetern und können mit verschiedensten Pflanzen bestückt werden, so Bargfeld. „Wir haben Karl jetzt so weit, dass wir sofort starten können“, sagt der Unternehmer. „Für unser System ist ein Patent beantragt. Hier vor mir im Büro hängt die Urkunde für den Gebrauchsmusterschutz. Das ist eine Vorstufe, weil die Erteilung eines Patents ein bis zwei Jahre in Anspruch nimmt. Aber ich bin mir sicher, dass es dazu kommen wird.“

Geht es nach Bargfeld, könnten die 4500 bis 5500 Euro teuren Naturmodule schon bald tausende Quadratmeter Dachflächen begrünen. Er denkt dabei zunächst an öffentliche Gebäude wie Schulen und Kindertagesstätten: „Hier sind die Flächen vorhanden und könnten im großen Stil mit den Modulen aufgewertet werden.“ Davon profitieren nicht nur die potenziellen Bewohner des Daches, sondern auch die menschlichen Nutzer darunter: Eine Pflanzendecke schützt im Sommer vor Sonneneinstrahlung und hat im Winter eine wärmedämmende Wirkung.

Hamburg und Buchholz fördern freiwillige Maßnahmen

Gerade in verdichteten Gebieten entfalten grüne Dächer und Fassaden ihre wohltuenden Wirkungen. Die Stadt Hamburg fördert deshalb freiwillige Dachbegrünungsmaßnahmen von Privatleuten mit 30 bis 60 Prozent der Herstellungskosten plus „Fertigstellungspflege“, das heißt die gärtnerische Begleitung über die ersten Monate. Auch Buchholz gibt je nach Ausgestaltung der Grünfläche 20 bis 30 Euro pro Quadratmeter hinzu und unterstützt die ersten Pflegemaßnahmen sowie notwendige statische Anpassungen.

Anders als andere Dachbegrünungssysteme macht Karl keine statischen Probleme. Allerdings nur dann nicht, wenn die Gebäude aus Containern oder anderen Modulen bestehen – „wir setzen passgenau auf den Ecksäulen der Container auf“, so Bargfeld. Ein Lkw könne zwölf Module transportieren; damit ließen sich an einem Tag die Dächer von zwei Klassenräumen begrünen. Er habe bereits Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) und andere Politiker angesprochen, sagt der rührige Unternehmer.

Er brennt für sein neues Produkt, das ihm schon jetzt große Freude bereite: „Wenn ich unsere Ausstellungsmodule anschaue, sehen sie jeden Tag ein bisschen anders aus. Immer wieder kommen neue Blüten zum Vorschein.“