Modellprojekt

Kleine Freiheit in der Corona-Krise für zwei Hansestädte

| Lesedauer: 5 Minuten
Lena Thiele und Rolf Zamponi
Die Altstadt von Lüneburg, zentraler Platz Am Sande, mit mittelalterlichen Giebelhäusern, St.Johanniskirche, Niedersachsen, Deutschland,

Die Altstadt von Lüneburg, zentraler Platz Am Sande, mit mittelalterlichen Giebelhäusern, St.Johanniskirche, Niedersachsen, Deutschland,

Foto: Jochen Tack / picture alliance / Jochen Tack

In Modellkommunen südlich von Hamburg werden bald Lockerungen möglich. So soll es in Buxtehude und Lüneburg laufen.

Kreis Harburg.  In Niedersachsen wird es künftig in 25 Städten und Gemeinden möglich sein, in den Innenstädten einzukaufen, die Außengastronomie zu nutzen und bei Kulturveranstaltungen dabei zu sein. Das ist das Konzept für die Modellkommunen, die das Land ausgewählt hat, um dort der Corona-Pandemie zu trotzen.

Nach den ersten 14 Städten und Gemeinden (Abendblatt berichtete) sollen bald elf weitere folgen. „Bis zum 13. April sollen sich alle 51 Kommunen, die sich beworben und bislang keinen Zuschlag erhalten haben, entscheiden, ob sie ihre Bewerbung aufrecht erhalten“, sagte Silke von der Kammer vom Niedersächsischen Sozialministerium dem Abendblatt. Spätestens bis zum 17. April soll die zweite Entscheidung folgen. Im Kreis Harburg halten es sowohl Buchholz als auch Winsen noch für möglich, in der zweiten Runde dabei zu sein. Auch Stade hatte sich beworben.

Mit Lüneburger Tagesticket ins Theater, Shoppen und in Restaurant

Geschafft hat es Lüneburg, das von Montag, 12. April, an die Einschränkungen in der Stadt lockern will. Die 75.000-Einwohner-Stadt ist in der Region für ihre Einkaufsmöglichkeiten bekannt.

Eine rote Linie markiert auf dem Stadtplan die Grenze zu dem Gebiet, in dem die Menschen bald wieder durch die Geschäfte bummeln, einen Kaffee trinken oder ins Theater gehen dürfen – vorausgesetzt sie haben ein Lüneburger Tagesticket. Das Papierdokument, das nach einem negativen Corona-Schnelltest ausgehändigt wird, berechtigt zum Eintritt in alle teilnehmenden Betriebe und Einrichtungen. Zunächst profitieren nur Bewohner der Stadt und des Landkreises Lüneburg von dem auf drei Wochen befristeten Modellprojekt. Läuft es gut, soll es auf auswärtige Besucher ausgeweitet werden.

Lesen Sie auch:

Dafür wird die Zahl der Teststationen rund um die Innenstadt erhöht. An vier Anlaufstellen für Fußgänger und drei Drive-In-Stationen, die vom Arbeiter Samariter Bund (ASB) und dem Roten Kreuz (DRK) betrieben werden, können täglich bis zu 2240 Tests abgewickelt werden. Zusätzlich können sich bis zu 480 Menschen in mobilen Stationen in den Samtgemeinden im Landkreis testen lassen. An Sonnabenden soll die Kapazität in der Stadt auf bis zu 4480 Tests ausgeweitet werden.

Mehr Sitzbänke und Toilettencontainer im Lüneburger Modellgebiet

Die Stadt bereitet sich intensiv auf das Modellprojekt vor. In der roten Zone wurden mehr Sitzbänke aufgestellt, zusätzliche mobile Toilettencontainer sind geplant. „Wir freuen uns darauf, unsere Innenstadt wieder mehr und vor allem sicher zu öffnen“, sagt Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

„Wir wollen versuchen, mit der Öffnung für den Bereich der Fußgängerzone bis zum Hafen ebenfalls am 12. April zu starten“, kündigt Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt. An diesem Mittwoch soll zudem bei einem virtuellen Treffen der 14 Kommunen versucht werden, einen einheitlichen Öffnungstermin zu finden. „In Buxtehude hängt der Start davon ab, ob die Luca-App bei den Gesundheitsämtern registriert und angewendet werden sowie mit den Teststrecken verbunden werden kann. Der Landkreis Stade muss noch einen Vertrag für die App schließen.“

Besucher müssen Nachweis erbringen, nicht infiziert zu sein

Die Besucher sollen nach Test und Registrierung über die App den Nachweis erbringen, nicht infiziert zu sein. So können sie unter Einhaltung der Hygienebestimmungen in Geschäften einkaufen und im Freien in Gaststätten und Restaurants sitzen. An der Halepaghen-Bühne kann am 23. April ein Vortrag und eine Woche später ein Kabarett besucht werden. Auch das vereinsgeführte Kulturforum am Hafen würde vom Modellprojekt profitieren. Abgestimmt mit der Politik will die Bürgermeisterin nun eine Allgemeinverfügung erlassen, die das Gebiet für das Modellprojekt vorschreibt. Der geltende Zeitraum, voraussichtlich von 10 bis 19 Uhr, muss festgelegt und Ausnahmeregeln für kulturelle Veranstaltungen vorgesehen werden.

Als Kriterien für die Auswahl als Modellkommune gelten ein überzeugendes Testkonzept, eine einsatzfähige digitale Kontaktnachverfolgung und die Untersuchung der Infektionsentwicklung vor Ort. Angesichts der Pandemielage und den Risiken einer dritten Infektionswelle haben das Ministerium und die kommunalen Spitzenverbände zunächst nur Kommunen zugelassen, die eine Inzidenz von 100 nicht überschreiten.

Andere Städte hoffen auf zweite Runde im Auswahlprozess

Buchholz’ Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse und André Wiese in Winsen beurteilen die Chancen für ihre Städte, noch einzuscheren, als nicht groß. „Wenn es dabei bleibt, dass das Land Niedersachsen eine faire, flächendeckende Verteilung der 25 Modellprojekte vornehmen will, sind die Chancen für Buchholz, bei der zweiten Auswahlrunde erfolgreich zu sein, nicht sonderlich groß“, schreibt Röhse auf Facebook. Hintergrund: Bis auf Einbeck, Hildesheim, Hann. Münden und Braunschweig liegen alle Teilnehmer bisher eher im Norden und Nordosten des Landes.

Dennoch sollen in Buchholz in den kommenden Tagen weitere Testzentren in Holm-Seppensen und Sprötze eingerichtet und Drive-In-Tests auf dem Parkplatz am Schwimmbad angeboten werden. In Winsen ist der Erste Stadtrat Christian Riech überzeugt, dass die Kreisstadt „alle Voraussetzungen für das Modellprojekt erfüllt.“ Beide Städte profitieren zudem davon, dass der Kreis Harburg bereits einen Vertrag für die Anwendung der Luca-App geschlossen hat. „Wir drücken jetzt die Daumen“, schreibt Winsens Bürgermeister Wiese auf Facebook, „dass die Konzepte der Städte aus dem Regionalbereich Lüneburg erfolgreich sind.“