Lüneburger Heide

Kutschunfall: Polizei lobt Geistesgegenwart der Führerin

Die Ursache des Unglücks mit 13 verletzten Ausflüglern aus Hamburg steht fest. 51-jährige Kutscherin verhinderte Schlimmeres.

Egestorf.  Feuerwehrleute aus Egestorf und Sahrendorf/Schätzendorf waren die ersten Helfer, die an der Unfallstelle eintrafen. Dort: ein völliges Durcheinander. Schnell wurde den Helfern klar: Hier handelte es sich um einen sogenannten „Massenanfall von Verletzten“. Zur Unterstützung forderten sie Rettungskräfte im Landkreis Harburg, Notärzte aus dem Landkreis Stade und dem Landkreis Lüneburg und einen Rettungshubschrauber aus Hamburg an. Ehrenamtliche Sanitäter eilten ebenfalls nach Egestorf, um zu helfen.

Bei einem Unfall mit einer Pferdekutsche sind am Donnerstag in der Lüneburger Heide 13 Menschen verletzt worden, vier von ihnen schwer. Die Kutsche war am Mittwochvormittag mit 13 Ausflüglern aus Hamburg an Bord von Egestorf aus gestartet. Kurz darauf geriet das Gespann auf eine Böschung und kippte um. Die Schwerverletzten und mehrere Leichtverletzte kamen in die Klinik. In Lebensgefahr befand sich glücklicherweise keines der Opfer.

Fahrgäste aus dem Wagen geschleudert

Es war kurz nach 11 Uhr, als das Unglück geschah. Das von zwei Pferden gezogene Fuhrwerk war in Richtung Sudermühlen gestartet. Nach etwa 300 Metern – in einer leicht abschüssigen Linkskurve – war der Planwagen dann plötzlich nach rechts von der Fahrbahn abgekommen. Er fuhr seitlich eine Böschung hinauf – und kippte schließlich nach links zur Seite hin um. Fahrgäste wurden aus dem Wagen geschleudert, einige landeten halb unter der umgekippten Kutsche, berichteten Augenzeugen. Andere Unfallopfer seien „verwirrt umhergelaufen“.

Ein Kriseninterventionsteam kümmerte sich um die geschockten Fahrgäste. Bei den Verunglückten soll es sich nach Abendblatt-Informationen um Mitglieder eines Kegelclubs aus Hamburg handeln. Sechs Notfallseelsorger unterstützten die Rettungssanitäter nach Kräften bei ihrer Arbeit vor Ort. Erst danach fanden sie Zeit, die Opfer psychologisch zu betreuen.

Erfahrene Kutscherin erlitt einen Schock

Die Kutscherin (51) aus Döhle, eine erfahrene selbstständige Kutschfahrtenunternehmerin, erlitt einen Schock. Ansonsten kam sie mit heiler Haut davon. Ihre beiden Pferde blieben ebenfalls unverletzt. Die Kutscherin nahm ihre Pferde am Zaumzeug und brachte sie erstmal zu einem nahe gelegenen Stall auf eine Weide.

„Alle Teilnehmer an dem Ausflug waren älter als 60 Jahre“, sagte ein Polizeisprecher dem Abendblatt. Die Pferde seien nicht durchgegangen, heißt es. Es habe keine weiteren Beteiligten an dem Unfall gegeben.

Gerissenes Bremsseil als Ursache

Die Ursache steht inzwischen fest. Wie ermittelnde Polizei aus Harburg am Donnerstagmorgen mitteilte, führt ein gerissenes Bremsseil zu dem Unglück. Demnach riss das Seil, als die Kutscherin auf der abschüssigen Straße die Bremse betätigen wollte.

Die Kutscherin habe noch versucht, das Gefährt nach dem Versagen der Bremsen geistesgegenwärtig nach rechts auf die Böschung zu lenken, um es im Grünbereich anzuhalten. Als der Winkel zu steil wurde, sei der Wagen dann zur Seite gekippt. "Trotz der teils erheblichen Folgen für die Fahrgäste wurde auf diese Weise noch Schlimmeres verhindert", hieß es seitens der Polizei.

Schwere Kutschunfälle sind eher selten

In der Lüneburger Heide bieten mehrere Unternehmen Kutschfahrten an. Immer mal wieder – etwa einmal im Jahr – gebe es in der Region einen Kutschenunfall, heißt es. In der Regel verlaufen solche Unfälle glimpflich, da die Kutschen zumeist auf verkehrsarmen Wegen unterwegs sind und mit niedrigem Tempo dahinzockeln, sagte der Polizeisprecher.

„Schwere Kutschunfälle wie dieser in Egestorf sind sehr selten.“ 2008 waren in der Lüneburger Heide schon einmal zwölf Menschen bei einem ähnlichen Kutschunfall verletzt worden, fünf von ihnen schwer. Damals war das Gefährt in Wilsede aus der Spur geraten. Der Kutscher (42) hatte angegeben, dass sich die Zügel verhakt hätten und er die Pferde nicht mehr im Zaum habe halten können.