Pandemie

Schlachthof Bad Bramstedt wird zum Corona-Hotspot

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Der Schlachthof in Bad Bramstedt hat geschlossen.

Der Schlachthof in Bad Bramstedt hat geschlossen.

Foto: Carsten Rehder/dpa

50 Mitarbeiter sind infiziert. Der Betrieb muss vorübergehend schließen. Das Unternehmen Vion weist die Vorwürfe zurück.

Bad Bramstedt.  Nach der Schließung des Schlachthofs Bad Bramstedt aufgrund zahlreicher Corona-Infektionen bei Mitarbeitern, hat sich jetzt der schleswig-holsteinische Beauftragte für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen, Stefan Schmidt, eingeschaltet. „Das erhöhte Infektionsrisiko für Arbeits-Migrantinnen und -Migranten aus der EU ist wohl eine Folge von schwierigen Arbeitsbedingungen und Wohnverhältnissen, die für diese Menschen bestehen“, sagte Schmidt. Im Anschluss an die Pandemie müsse dann die Frage angegangen werden, wie die Lebensbedingungen der sogenannten Wanderarbeiter dauerhaft verbessert werden könnten.

Wie berichtet, hatte der niederländische Lebensmittelhersteller Vion am vergangenen Sonntag beschlossen, die Produktion in dem Schlachthof zu stoppen und die Belegschaft in außerplanmäßige Betriebsferien zu schicken, weil mehr als 50 der 260 Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet wurden. Vion spricht von einer reinen Vorsichtsmaßnahme zum Schutz der Mitarbeiter.

Corona-Tests ergeben positives Ergebnis bei mehr als 50 Mitarbeitern

Am Mittwoch vergangener Woche waren zunächst zwei Mitarbeiter an einer Covid-19-Infektion erkrankt. Bei den daraufhin veranlassten Corona-Tests der örtlichen Gesundheitsbehörden wurde dann bis Sonntagnachmittag bei mehr als 50 Mitarbeitern ein positives Ergebnis festgestellt. Bei 90 Prozent der positiv Getesteten sind bisher keine Symptome aufgetreten. Einige litten unter leichten Symptomen wie Halskratzen oder leichtem Husten, hieß es in einer offiziellen Mitteilung. Insgesamt waren bis zum gestrigen Montag 108 Kontaktpersonen beprobt worden, einige Ergebnisse stehen laut Kreisverwaltung noch aus. Die betroffenen Arbeiter sind deutscher, albanischer und rumänischer Nationalität.

Die Mehrheit der infizierten Beschäftigten lebt in einer zu Wohnungen umgebauten ehemaligen Bundeswehrkaserne in Kellinghusen (Kreis Steinburg), einige andere Mitarbeiter wohnen privat in den Kreisen Bad Segeberg, Plön, Hamburg und Kiel. Die Wohnungen der betroffenen wurden für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt.

Spezifische Corona-Schutzmaßnahmen

Vion-Sprecher Karl-Heinz Steinkühler wies die Kritik Schmidts zurück. „Sowohl in der Unterbringung als auch am Arbeitsort wurden Schutzmaßnahmen zur Verhinderung der Übertragung des Virus ergriffen, und alle Bewohner der Wohnungen waren über die erforderlichen Hygieneregeln informiert worden“, so Steinkühler. Seit Anfang März habe Vion im Schlachtbetrieb zudem spezifische Schutzmaßnahmen, wie Abstandsregelungen, Einsatz von Abtrennungen und weitere Maßnahmen getroffen. Im Übrigen könne Vion über die genaue Entstehung der Infektionen keine Aussage treffen. Hierfür seien die Gesundheitsämter zuständig.

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Versorgungsengpässe drohen laut Steinkühler in der Region nicht, weil Vion die Belieferung mit sicheren Lebensmitteln von anderen Standorten zusichern könne. Die Schlachttiere aus Norddeutschland würden jetzt an anderen Standorten verarbeitet.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden
( schmoo/pop )

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