Hamburg

16.000 Fahrzeuge am Tag – Verkehrskollaps auf Finkenwerder

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Ulrich Gaßdorf
Vor allem am Nachmittag kommt es zu langen Staus

Vor allem am Nachmittag kommt es zu langen Staus

Foto: Ralf Neubauer

Eigentlich sollte alles besser werden. Doch immer mehr Autos fahren durch den Ortskern. Anwohner klagen.

Finkenwerder.  Die 5,5 Kilometer lange Umgehungsstraße Finkenwerder wurde vor gut fünf Jahren eingeweiht. Zu der feierlichen Eröffnung im Dezember 2012 kam auch Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Der Stadtteil sollte von dem massiven Durchgangsverkehr entlastet werden. Die Planungen, Vorbereitungen und Bau hatten mehr als 30 Jahre gedauert.

Zunächst zeigten sich Bürger und Politik zufrieden. Doch das hat sich geändert: „Die Verkehrsbelastung hat in den vergangenen Monaten auf der Ortsdurchfahrt wieder deutlich zugenommen, weil die Mitarbeiter von Airbus und den Zuliefererbetrieben offensichtlich diesen Anfahrtsweg bevorzugen“, sagte SPD-Politiker Ralf Neubauer, der auch Vorsitzender des Regionalausschusses Finkenwerder ist. Durch die Ansiedlung des ZAL (Zen­trum für Angewandte Luftfahrtforschung) und Airbus Technologie Park II im Gewerbegebiet Rüschhalbinsel entstehe ein hoher Verkehrsdruck, sagte Neubauer.

Es waren mal weniger Fahrzeuge

Bei der letzten Verkehrszählung des Bezirks Mitte im Juli 2017 wurden im Bereich der Ostfrieslandstraße, die durch den Stadtteil führt, rund 16.000 Fahrzeuge pro Tag gezählt, in 2013 waren es 14.500 Fahrzeuge. Die SPD sieht Handlungsbedarf und hat einen Antrag in den Regionalausschuss eingebracht, in dem unter anderen eine Gesprächsrunde „Verkehrsbelastungen im Stadtteil Finkenwerder“ mit der Werksleitung von Airbus und allen im Gewerbegebiet Rüschhalbinsel angesiedelten Zuliefererbetrieben sowie der Polizei und dem Vorstand des Gewerbevereins gefordert wird.

Allein für Airbus arbeiten am Standort Finkenwerder rund 12.500 Mitarbeiter, dazu kommen die Angestellten bei den Zulieferbetrieben.

Auch Grüne und CDU sind von dem hohen Verkehrsaufkommen genervt: „Viele der Airbus-Mitarbeiter fahren weiterhin durch das Osttor und dabei wäre der Weg über die Umgehungsstraße nur ein paar Minuten länger. Das hat zur Folge, dass sich der Verkehr hier im Ortskern staut und das ist sehr ärgerlich“, sagte Walter Kostewicz (CDU), der Mitglied im Regionalausschuss ist. Airbus sollte darauf hinarbeiten, dass die Mitarbeiter vor allem das Airbus-Südtor ansteuern, das unweit der Umgehungsstraße liegt und nicht durch das Osttor fahren. Zudem sei die Rüschhalbinsel durch die Mitarbeiter der Zuliefererbetriebe komplett zugeparkt, so Kostewicz weiter.

Bald Tempo 30?

Die Grünen-Politikerin Petra Denkinger, die auch im Regionalausschuss sitzt, ergänzt: „Die Umgehungsstraße scheint für viele Arbeitnehmer keine wirkliche Alternative zum Ortskern zu sein. Eine Maßnahme könnte sein, dass der Finkenwerder Norderdeich und die Ostfrieslandstraße als Tempo-30-Zonen ausgewiesen werden.“

Auch Finkenwerders ehemaliger Ortsamtsleiter Uwe Hansen sieht Handlungsbedarf: „Airbus und vor allen Dingen die Zuliefererbetriebe auf der Rüschhalbinsel müssten das Angebot an Fähren und Bussen als Zubringer für die Mitarbeiter weiter ausbauen. Außerdem sollte der Anleger an der Rüschhalbinsel von der Fähre aus Teufelsbrück vermehrt im 15 -Minuten-Takt angefahren werden.“ Die Bürger sind verärgert. Alwin Stegemann wohnt in einem Hochhaus mit Blick auf den neu angelegten Kreisel, von dem die Hauptstraße Finkenwerder Norderdeich abgeht. Er sagt: „Die Autokarawane zieht ab halb fünf Uhr morgens durch den Ort in Richtung Airbus und Rüschhalbinsel, nachmittags staut sich der Verkehr dann in die andere Richtung.“ Und weiter: „Ich verstehe nicht, warum die alle durch den Ort fahren müssen, wo es doch eine Umgehungsstraße gibt.“

7000 Mitarbeiter nutzen das Auto

Durch die Airbus-Mitarbeiter wird aus Sicht des Unternehmens kein hohes Verkaufsaufkommen im Ortskern verursacht, so eine Sprecherin. Täglich kommen über alle Schichten verteilt rund 7000 Mitarbeiter mit dem Auto zur Arbeit. Es steht ein kostenloser Parkplatz auf dem Werksgelände zur Verfügung. Alle Mitarbeiter seien aufgefordert die Umgehungsstraße zu nutzen, so die Sprecherin. Etwa 4000 Mitarbeiter nutzen täglich die Fährverbindung von Teufelsbrück zum Airbus-Anleger und wieder zurück.

Zum Schluss bleibt die Frage, wo all die Autos im Ortskern herkommen? Denn die Airbus-Sprecherin sagte dem Abendblatt: „Das neue Südtor und seine Anbindung an die Umgehungsstraße ist für die Mitarbeiter so attraktiv geworden, dass es am meisten frequentiert wird.“

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