Flensburg/Süderbrarup

Weltsprache made in Schleswig-Holstein

Englisch und England gehen auf Angeln an der Ostsee zurück. Vor dem Deutschland-Besuch der Queen betonen Wissenschaftler und Heimatkundler die Gemeinsamkeiten

Flensburg/Süderbrarup. Dichte Hecken, die die Landschaft teilen. Bäume und Sträucher, die fast ein Dach über den Straßen bilden. Und immer die Nähe zum Meer, ein frischer Wind, kühl, aber weniger regnerisch als das Klischee. Und knorrige Bewohner. Das ist England. Das ist aber auch Angeln.

Angeln, die Halbinsel im nördlichen Schleswig-Holstein, zwischen Ostsee, Schlei und Geest gelegen und einst Heimat des gleichnamigen Volksstamms, der mit den Sachsen auf den britischen Inseln zu den Angelsachsen wurde. Im Frühjahr schreckte eine Studie die Briten mit dem Ergebnis auf, dass sie einen großen Anteil ihrer DNA mit den Deutschen teilen – zurückzuführen auf die Angelsachsen. Aber so tief muss man gar nicht gehen, um das offensichtlichste Bindeglied zwischen Angeln und England zu finden. Es ist der Name: Englisch, England – das geht auf die Angeln zurück, die im fünften Jahrhundert nach Britannien einwanderten. „Die Angeln siedeln an der Ostküste nördlich der Themse, das Kerngebiet ist East Anglia. In der Folge wird Anglii und Anglia zum Namen für Einwohner wie Land“, sagt Professor Olaf Jäkel, Geschäftsführender Direktor des Seminars für Anglistik und Amerikanistik der Europa-Universität Flensburg. „Um 600 nennen sich die Könige rex Anglorum. Die Einwohner werden Anglecynn genannt, ihre Sprache Englisc. Um 1000 ist von Englaland die Rede, „Land der Angeln“. Etwas später wird daraus England.“ Den Erstsemestern erzähle er manchmal, in Flensburg studierten sie „sozusagen direkt an der historischen Wurzel alles Englischen…“. Obwohl die Wortverwandtschaft ins Auge fällt, ist sie vielen unbekannt. „Selbst in gebildeten Kreisen gehört sie meiner Einschätzung nach nicht zum Standardwissen“, sagt Jäkel.

Das zu ändern, ist ein Ziel von Wolfgang Warwel, Vorsitzender des Museumsvereins Süderbrarup. Der kleine Ort im Kreis Schleswig-Flensburg liegt in Angeln und am Thorsberger Moor, einem Opferplatz von „Weltruf“ aus den ersten Jahrhunderten nach Christus, wie das Archäologische Landesmuseum Schloss Gottorf schreibt. Waffen und Goldschmuck wurden gefunden. Der richtige Ort, um die „Abwanderung der Angeln nach Britannien“ aufzuführen – zweimal hat Warwel mit 40 Vereinsmitgliedern die Angelner Thorsberg-Festspiele gezeigt, mit dem aus der TV-Serie „Großstadtrevier“ bekannten „Big Harry“ in der Rolle des legendären Angeln-Königs Offa. Das hat auch das Interesse der Nachfahren westlich der Nordsee geweckt: 2014 konnten Warwel und sein Team englische Mitspieler begrüßen, die Festspiele mit 3000 Zuschauern nennen sich nun „international“. „Die Engländer waren begeistert und kommen wieder“, freut sich Warwel.

„Ein Traum ist, zu zeigen, dass die Angeln hier sehr stark präsent waren und eine Rolle mit weltweiter Auswirkung erreicht haben“, sagt Warwel. Schließlich sind die Gemeinsamkeiten - vielleicht wegen der DNA? – zwischen den Angelitern und den Engländern immer noch groß, findet Friedrich G. Dehmel von der Deutsch-Britischen Gesellschaft Schleswig-Holstein mit Sitz in Angeln, der den Queen-Besuch vom 24. bis 26. Juni in Deutschland mit den Mitgliedern der Gesellschaft im Fernsehen verfolgen wird.