Traditionswerft

Emder Nordseewerke beantragen Insolvenz

Sogenannte "Tripods" stehen  auf dem Gelände der Nordseewerke in Emden

Sogenannte "Tripods" stehen auf dem Gelände der Nordseewerke in Emden

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Die Umstellung vom Schiffbau auf Offshore-Bauteile hat den Nordseewerken in Emden nicht geholfen. Nun wird Insolvenz beantragt.

Emden. Der Offshore-Zulieferer Nordseewerke in Emden mit knapp 200 Beschäftigten hat einen Insolvenzantrag gestellt. Grund ist die demnächst drohende Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens wegen ausbleibender Aufträge, weil die Lage der Branche unsicher sei, sagte Geschäftsführer Thierry Putters am Freitag. Das beim Gericht in Aurich beantragte Insolvenzverfahren soll in Eigenverwaltung erfolgen.

Heftige Kritik an der Geschäftsführung gab es von der IG Metall und vom Land Niedersachsen, das für einen Kredit der NordLB in zweistelliger Millionenhöhe an das Unternehmen bürgt. Das Unternehmen habe nicht mit offenen Karten gespielt und jegliches Vertrauen verloren, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium.

„Oberstes Ziel ist es, die Arbeitsplätze zu sichern“, sagte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) nach Gesprächen vor Ort. Noch am Freitag sei die Suche nach einem Investor angelaufen, der in Emden einen Neustart wagt. Dieser könne in der Offshore-Branche, aber auch im Bereich von Schiffsreparaturen liegen.

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags hatte das Ministerium gegen ein Verfahren in Eigenverwaltung protestiert, um eine Zerschlagung des Unternehmens zu verhindern und eine Rettung mit einem externen Insolvenzverwalter zu ermöglichen. Dem zuständigen Insolvenzgericht lege das Ministerium seine Einschätzung der Situation dar. Wie Lies sagte, soll die NordLB im Gläubigerausschuss vertreten sein.

„Der Verdacht liegt nahe, dass es dem Investor offensichtlich nie um den Erhalt des Unternehmens ging, sondern um den schnellen Profit“, sagte Lies. Er warf dem Eigentümer, der saarländischen DSD Steel Group, Vertrauensbruch vor. Im Werk habe ihm am Freitag bei den Beschäftigten große Verärgerung und riesige Enttäuschung entgegengeschlagen.

Von der Insolvenz der ehemaligen ostfriesischen Traditionswerft betroffen sind 188 Mitarbeiter, von denen 80 Prozent bereits seit September 2014 in Kurzarbeit sind. Die Mitarbeiter sollen bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens drei Monate Insolvenzgeld erhalten. Mit der offiziellen Eröffnung des Verfahrens sei Anfang August zu rechnen, teilte die Geschäftsführung über eine Kölner Anwaltskanzlei mit. Nun werde intensiv geprüft, ob es Perspektiven für eine Fortführung des Unternehmens gebe.

Die 1903 gegründete Werft war 2010 vom Stahlunternehmen Siag Stahl übernommen worden. Nach der Insolvenz der Muttergesellschaft stieg 2013 die DSD Steel Group aus dem Saarland in Emden ein. Das letzte Schiff war dort Ende 2009 vom Stapel gelaufen. Danach stellten die Nordseewerke die Produktion auf Gründungselemente für den Bau von Offshore-Windkraftanlagen um.

„Das ist der traurige Höhepunkt der Entwicklung der letzten sieben Jahre“, sagte Michael Hehemann von der Gewerkschaft IG Metall in Emden. Die derzeitige Geschäftsführung habe viel Vertrauen verspielt. Die Unternehmensleitung können mit der Marktlage nicht eigene Versäumnisse rechtfertigen. In Spitzenzeiten hatte die Werft 5000 Beschäftigte.

Die Geschäftsführung erklärte, die politischen Rahmenbedingungen und Unsicherheiten bei der Förderung der Offshore-Windenergie nach 2020 seien Mitauslöser für den Insolvenzantrag gewesen. Kraftwerksprojektierer und -betreiber reagierten angesichts der mehrjährigen langen Genehmigungsvorläufe für Offshore-Windkraftwerke abwartend. Dadurch verzögerten sich die Auftragsvergaben.

„Wieder ein schwarzer Tag für Emden“, erklärte der Emder FDP-Fraktionsvorsitzende Erich Bolinius, der seit 45 Jahren auf der Werft beschäftigt ist. „Es ist sehr bedauerlich, dass die Geschäftsleitung über diese Entwicklung keine Gespräche mit der Emder Stadtspitze geführt hat.“