Sylt will Haus für Flüchtlinge beschlagnahmen

Reetdachhaus in Keitum steht leer. Ursprünglich sollte es an Beamte vermietet werden

Sylt. Die Sylter Bürgermeisterin Petra Reiber will ein unbewohntes Reetdachhaus in Keitum für Flüchtlinge beschlagnahmen. Seit 2011 steht das sogenannte Polizeihaus leer. Von Finanzministerin Monika Heinold (Bündnis 90/Die Grünen) fordert Reiber jetzt, das Haus für Asylbewerber zu öffnen. Sonst werde sie das Gebäude beschlagnahmen, sagte Reiber. Mit der Aktion will die 57-Jährige auf den Mangel an Wohnraum auf der größten nordfriesischen Insel aufmerksam machen.

Das Gebäude gehört dem Land Schleswig-Holstein. In einem Schreiben vom Freitag habe das Finanzministerium der Bürgermeisterin bereits ein Gesprächsangebot gemacht und Verständnis für ihre Notsituation gezeigt, sagte Ministeriumssprecher Eugen Witte am Sonntag. Mit dem bisherigen Kommunikationsweg sei er nicht zufrieden: „Die Finanzministerin hätte sich gefreut, wenn Frau Reiber, statt medial Aufmerksamkeit zu erregen, zum Hörer gegriffen und angerufen hätte. Frau Heinold ist bekannt dafür, dass sie lösungsorientiert mit den Menschen spricht, die ein Anliegen haben.“

Ob schon kommende Woche 23 neue Flüchtlinge auf die Insel kommen, sei bisher noch unklar, sagte Reiber. In diesem Jahr soll die Insel demnach noch rund 59 Flüchtlinge aufnehmen, es könnten auch mehr werden. Platz für diese Menschen gäbe es jedoch nicht, denn die Obdachlosenunterkünfte seien voll. „Es droht Obdachlosigkeit, und das ist eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit“, sagte die Bürgermeisterin. Die Doppelhauswohnungen seien mehr als 100 Quadratmeter groß, mit je fünf Zimmern. Den Kaufpreis in Höhe des Verkehrswerts von 1,6Millionen Euro könne die Gemeinde nicht zahlen, sagte die Bürgermeisterin.

Der Druck steige, deshalb habe sie sich zu diesem Schritt entschieden, sagte Reiber. Auf Sylt seien die Menschen mit Migrationshintergrund sehr gut integriert – Proteste von Ursyltern, gegen ihre Pläne, Flüchtlinge in dem Reetdachhaus unterzubringen, befürchtet Reiber nicht. Ihr Nachfolger Nikolas Häckel, der am 1.Mai das Amt übernimmt, unterstütze die Aktion. Ursprünglich sollte das Polizeihaus umgebaut und an Landesbedienstete vermietet werden. Man werde aber auch einen angemessenen Mietpreis finden, den die Kommune Sylt bezahlen kann, so der Sprecher. „Wir verstehen die Notsituation von Frau Reiber, suchen das Gespräch und werden eine Lösung finden, mit der alle zufrieden sind.“