Händler in der Lübecker Bucht klagen über Bäderregelung

Lübeck. Vor mehr als einem Jahr ist in Schleswig-Holstein die neue Bäderverordnung in Kraft getreten. Seither müssen außerhalb der Saison die Läden in den Kur- und Badeorten des Landes geschlossen bleiben. Vor allem in den Ostseebädern an der Lübecker Bucht hadern die Geschäftsleute noch immer mit der Verordnung, die seit Dezember 2013 gilt. Die lautesten Klagen kommen aus Timmendorfer Strand. Die Läden hätten im Januar und Februar Umsatzrückgänge zwischen 30 und 40 Prozent, sagte der Vorsitzende der Aktivgruppe für Handel und Gewerbe in Timmendorfer Strand, Heinz Meyer. Die Regelung müsse dringend überarbeitet werden, forderte er.

„Für Timmendorfer Strand hat sich bewahrheitet, was wir befürchtet haben: Der Gast, der früher am Sonntag zu uns gekommen ist, kommt nicht mehr“, sagte Meyer. Deshalb hätten bereits sechs Geschäfte in dem Ostseebad, das sich gerne mit Sylt vergleicht, aufgegeben, sagte er. 30 bis 40 Mitarbeiter seien entlassen worden, darunter auch Vollzeitkräfte. „Die Läden sind aber inzwischen fast alle wieder vermietet“, räumte er ein.

In anderen Orten ist die Situation weniger dramatisch. In Grömitz sei es durch die veränderten Öffnungszeiten im Winter zwar ruhiger geworden, sagte der Betriebsleiter Verwaltung und Finanzen des Grömitzer Tourismusservice, Karl-Heinz Stein. „Allerdings hatten auch unter der alten Bäderregelung bei uns einige kleinere Läden in den Wintermonaten geschlossen“, sagte er. Zu möglichen Umsatzrückgängen und Geschäftsschließungen konnte er keine Angaben machen. „Aber auch wir finden die neue Regelung nicht gut. Sie konterkariert unsere Bestrebungen, in der Vor- und Nachsaison mehr Gäste in den Ort zu holen.“

Seit Dezember 2013 dürfen Geschäfte in Kur- und Erholungsorten nur noch zwischen dem 15. März und dem 31. Oktober sowie zwischen dem 17. Dezember und dem 8. Januar sonntags für sechs Stunden öffnen. Auf diesen Kompromiss hatten sich Landesregierung, Kirchen, Gewerkschaften sowie die Verbände des Einzelhandels und des Tourismus nach langen Diskussionen geeinigt.

Zuvor konnten die Läden in mehr als 90 Ferienorten durchgehend vom 15. Dezember bis 31. Oktober sonntags für jeweils acht Stunden öffnen.

Das Problem betreffe hauptsächlich die Orte an der Lübecker Bucht, sagte der Hauptgeschäftsführer der für die Tourismuswirtschaft im Land federführenden Industrie- und Handelskammer Flensburg, Peter Michael Stein. „Da fehlen die zahlungskräftigen Tagestouristen aus Hamburg, die dort früher am Wochenende eingekauft haben.“ Er sehe dennoch keinen Änderungsbedarf bei der Bäderregelung, so der IHK-Hauptgeschäftsführer.